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Weltklima: Jetzt ist Leadership gefragt

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Der im Vorfeld mit Spannung und Hoffnung erwartete Weltklimagipfel in Paris neigt sich seinem Ende zu. Unabhängig von den Inhalten der Schlusserklärung, steht jetzt schon fest, dass es ein neues globales Gleichgewicht in Sachen Ökologie braucht. Ein Gastkommentar.

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Der im Vorfeld mit Spannung und Hoffnung erwartete Weltklimagipfel in Paris neigt sich seinem Ende zu. Unabhängig von den Inhalten der Schlusserklärung, steht jetzt schon fest, dass es ein neues globales Gleichgewicht in Sachen Ökologie braucht. Ein Gastkommentar.

Der Weltklimagipfel COP21 geht dieser Tage in Paris zu Ende. Nach erstaunlich engagierten Auftaktreden zu Beginn änderte sich die Konferenzdynamik nach der Abreise der Staats-und Regierungschefs abrupt: ein zäher Verhandlungsmarathon prägte den Gipfel. Jetzt liegen die Hoffnungen auf den Verhandlungskunststücken der letzten Konferenztage. Auf dass der Druck der Öffentlichkeit dafür sorge, ein gutes Ergebnis zu erzielen. Und zwar gut für die gesamte Weltgemeinschaft. Heinz Hödl, Geschäftsführer der KOO, hat an dieser Stelle in der vorletzten Ausgabe klar formuliert, was sich die katholischen Hilfswerke erwarten. Dem ist noch hinzuzufügen: es braucht von politischer Seite keine weiteren Reden oder hochtrabenden Bekenntnisse mehr, die sich als heiße Luft herausstellen, weil ihnen keine Taten folgen. Einzig und allein konkrete Schritte sind jetzt gefragt, einzelner Länder, aber vor allem der Staatengemeinschaft insgesamt. Und zwar jetzt, gemeinsam, engagiert und solidarisch. Denn die Zeit drängt. Schon heute leiden weltweit Millionen Menschen unter den Folgen des Klimawandels, Katastrophen und Konflikte sind folgenschwere Konsequenzen daraus. Manche Staaten, etwa diejenigen, die sich im "Climate Vulnerable Forum" zusammengeschlossen haben, ergreifen daher politisch die Flucht nach vorn.

Ihre Bewohnerinnen und Bewohner, etwa der Philippinen oder Nepals, sind von den Folgen des Klimawandels besonders stark betroffen. Sie versuchen, die Weltgemeinschaft mit ihren Argumenten und Handlungsstrategien zu überzeugen. Aber reiche und mächtige Staaten tun sich schwer, sich festzulegen, strenge Indikatoren zu akzeptieren oder gar der UN-Ebene eine Kontrollmacht zu geben. Und dass, obwohl eine breite globale Bewegung seit Jahren deutlich macht, wie hoch die Erwartungen von Seiten der Zivilgesellschaft und der betroffenen Länder sind. Deren Ruf nach Gerechtigkeit wurde schon vom II. Vatikanum begründet: "Zuerst muss man den Forderungen der Gerechtigkeit Genüge tun, und man darf nicht als Liebesgabe anbieten, was schon aus Gerechtigkeit geschuldet ist."(AA8) Das heißt in diesem Kontext: es ist keine edle Spende, Finanzmittel zur Bewältigung des Klimawandels bereitzustellen, sondern lediglich das Begleichen einer Schuld.

Just do it -einmal anders

"Just do it" war entsprechend einer der Appelle an die Verhandler und Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger der Welt, die bei der Zusammenkunft von Klimapilgernden in Paris vor dem Beginn der Klimakonferenz artikuliert wurden. Hunderte von Menschen waren zusammengekommen, die in diesem Jahre in Summe über 20.000 km zu Fuß bzw. mit dem Fahrrad zurückgelegt hatten, um für das Thema Klimagerechtigkeit zu mobilisieren. Auch Vertreterinnen und Vertreter aller Weltreligionen waren in Paris, um den Einfluss ihrer Glaubensgemeinschaften in die politische Waagschale zu werfen. Zeitlich parallel fanden überall auf der Welt Demonstrationen für Klimagerechtigkeit statt. Mit einem "Rucksack der Alternativen" waren auch Klimapilgernde aus Österreich in Paris vertreten. Gesammelt hatten sie die Alternativen während des dreiwöchigen Ökumenischen Pilgerweges für Klimagerechtigkeit von Wien nach Salzburg. Eine wahre Fülle von Initiativen und Gestaltungsformen wurde auf diesem Weg sichtbar. Und vielerorts hieß es: "Die Politik tut zu wenig."

Klar wurde uns Pilgernden schnell: um die entscheidende Trendwende im Klimaschutz zu erreichen, braucht es einiges mehr als international verbindliche Vereinbarungen zum weltweiten Ressourcenverbrauch und finanziellen Ausgleich zwischen Ländern. Es braucht die Stärkung lokaler und regionaler Initiativen in Sachen erneuerbare Energie und Handel. Es braucht (wieder) eine am Gemeinwohl orientierte Wirtschaft, keine, die sich am von Algorithmen gesteuerten Finanzkapital ausrichtet. Es braucht die Bewertung und Verrechnung aller realen (ökologischen und sozialen) Kosten von Produkten und Dienstleistungen. Es braucht die Besteuerung von Kerosin und Finanztransaktionen. Es braucht die Schließung von Steueroasen. Es braucht die Stärkung demokratischer und transparenter Prozesse auf lokaler wie globaler Ebene. Es braucht eine Wende, weg von "Schlechtes weniger schlecht" hin zu "von Anfang an gut". Leadership ist gefragt, im besten Sinne des Wortes.

| Die Autorin ist Generalsekretärin der Katholischen Frauenbewegung Österreichs |

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