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Wo Geld fließt, fließt kein Blut …

Eine aktuelle Kulturleistung des Geldes in diesen Tagen zu suchen und festzumachen, trägt einen Hauch von Ironie an sich. Aber dennoch: Vor wenigen Wochen unternahm der deutsche Medienwissenschafter Norbert Bolz beim 12. Philosophicum in Lech genau diesen Versuch. Sein Ergebnis: Wo Geld fließt, fließt kein Blut. Geld hat die Eigenschaft, die Gesellschaft von Hass und Gewalt zu entlasten. Denn das Geld definiert die ökonomischen Rahmenbedingungen unseres Lebens. Es ist nicht notwendig, sich um die letzten Plätze im Kino zu prügeln, sondern manche zahlen, andere können oder aber andere wollen auch nicht zahlen. Geld bedeutet eine Reduzierung der Gewalt unter den Menschen. Die Unpersönlichkeit und die Neutralität des Geldes entlastet somit unser Leben, da es die unangenehme Arbeit einer gewissen Selektion bereits selbst vollzieht. Die Geldabläufe in der modernen Wirtschaft haben uns dazu gebracht, dass wir unser Vertrauen nicht mehr in Personen oder in Wertesysteme wie beispielsweise in Freiheit, Gerechtigkeit etc. legen, sondern uns lieber auf das Geld beziehen. Es ist jenes Medium, welches das Chaos in der Welt managt, in der alles seinen Preis hat.

Im Hintergrund der jüngsten wirtschaftlichen Entwicklungen bleibt aber die Frage: Was, wenn kein Geld mehr fließt? – Fließt dann Blut? Geld zu haben und einsetzen zu können macht vielleicht manches leichter, aber nicht alles möglich. Es ist zwar möglich, Forschung zu subventionieren, aber nicht Wahrheit zu kaufen. Manche Entscheidungen lassen sich durch Geld beeinflussen, Macht aber lässt sich nicht kaufen. Menschen lassen sich kaufen, aber keine Gefühle.

Human

Fließt Blut, wenn kein Geld mehr fließt? Laut dem Medienwissenschaftler Norbert Bolz hat das Geld die klassischen Inhalte des Humanismus abgelöst. Doch die Wirtschaft beherrscht dennoch nicht alle Facetten des Menschseins, denn Geld ist nur spezifisch in der Wirtschaft verwendbar.

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