Wolfgang Schüssel - © Fotos: CMF
Politik

Wolfgang Schüssel: Was. Mut. Macht.

1945 1960 1980 2000 2020

Das neue Buch von Ex-Kanzler Wolfgang Schüssel. Kaleidoskop eines Konservativen.

1945 1960 1980 2000 2020

Das neue Buch von Ex-Kanzler Wolfgang Schüssel. Kaleidoskop eines Konservativen.

Auf die Idee gebracht hatten ihn die „Doppelmemoiren“ des französischen Diplomaten und Literaten Jean Giraudoux. So etwas wollte er für sich zum 75. Geburtstag auch: eine bunte Sammlung von Anekdoten, Aphorismen und Zeichnungen – inhaltlich reichend von Politik über Kunst und Fußball bis zu Privatem. In „Was. Mut. Macht.“, so der Titel des Buches, kann man nun etwa erfahren, wie Schüssel nur auf Empfehlung des Seckauer Abtes ans Wiener Schottengymnasium durfte oder wie er seine Frau Gigi wegen kirchenrechtlicher Unsauberkeiten ein zweites Mal heiraten musste („O heiliger Unsinn des Kirchenrechts!“).

Mit der FURCHE kam Wolfgang Schüssel früh in Kontakt: Er schickte Zeichnungen, um sich für das Jus-Studium etwas dazuzuverdienen. An einer anderen Stelle zitiert er aus der Staatsvertragsausgabe der FURCHE vom 21. Mai 1955, wo Friedrich Heer – den spanischen Historiker Salvador de Madariaga zitierend – für Wien als Hauptstadt eines künftigen Europa warb. Auf insgesamt 420 Seiten schreibt Schüssel über Paneuropa und die Geburt des Euro, über Rostropowitsch und den Athos, über Konservatismus und den „mächtigen Mainstream“, über Leopold Figl und (lobend!) Erhard Busek.

Er beschreibt, wie er schon zu Studentenzeiten Jörg Haider kennenlernte, wie ihn am 31. Jänner 2000 vor einem Wiener Italiener die Information über die EU-Sanktionen erboste und wie 2003 die Gespräche mit den Grünen scheiterten. Dass er Jacques Chirac, der ihn offenbar als EU-Kommissionspräsidenten verhinderte, dennoch als „Mann mit Ecken und Kanten“ würdigt, überrascht.

Auch Angela Merkel wird gelobt, das zentrale Thema Flucht und Migration kommt bei Schüssel freilich kaum vor – ebenso wenig die verlorene Wahl 2006. Abgelehnt wird von ihm eine Europäische Republik. „Statt postnationalen Utopien nachzujagen“, so Schüssel, „sollten wir Zusammenarbeit und die Suche nach Kompromissen bevorzugen.“

Lesen Sie auch das FURCHE-Gespräch mit Wolfgang Schüssel.

Auf die Idee gebracht hatten ihn die „Doppelmemoiren“ des französischen Diplomaten und Literaten Jean Giraudoux. So etwas wollte er für sich zum 75. Geburtstag auch: eine bunte Sammlung von Anekdoten, Aphorismen und Zeichnungen – inhaltlich reichend von Politik über Kunst und Fußball bis zu Privatem. In „Was. Mut. Macht.“, so der Titel des Buches, kann man nun etwa erfahren, wie Schüssel nur auf Empfehlung des Seckauer Abtes ans Wiener Schottengymnasium durfte oder wie er seine Frau Gigi wegen kirchenrechtlicher Unsauberkeiten ein zweites Mal heiraten musste („O heiliger Unsinn des Kirchenrechts!“).

Mit der FURCHE kam Wolfgang Schüssel früh in Kontakt: Er schickte Zeichnungen, um sich für das Jus-Studium etwas dazuzuverdienen. An einer anderen Stelle zitiert er aus der Staatsvertragsausgabe der FURCHE vom 21. Mai 1955, wo Friedrich Heer – den spanischen Historiker Salvador de Madariaga zitierend – für Wien als Hauptstadt eines künftigen Europa warb. Auf insgesamt 420 Seiten schreibt Schüssel über Paneuropa und die Geburt des Euro, über Rostropowitsch und den Athos, über Konservatismus und den „mächtigen Mainstream“, über Leopold Figl und (lobend!) Erhard Busek.

Er beschreibt, wie er schon zu Studentenzeiten Jörg Haider kennenlernte, wie ihn am 31. Jänner 2000 vor einem Wiener Italiener die Information über die EU-Sanktionen erboste und wie 2003 die Gespräche mit den Grünen scheiterten. Dass er Jacques Chirac, der ihn offenbar als EU-Kommissionspräsidenten verhinderte, dennoch als „Mann mit Ecken und Kanten“ würdigt, überrascht.

Auch Angela Merkel wird gelobt, das zentrale Thema Flucht und Migration kommt bei Schüssel freilich kaum vor – ebenso wenig die verlorene Wahl 2006. Abgelehnt wird von ihm eine Europäische Republik. „Statt postnationalen Utopien nachzujagen“, so Schüssel, „sollten wir Zusammenarbeit und die Suche nach Kompromissen bevorzugen.“

Lesen Sie auch das FURCHE-Gespräch mit Wolfgang Schüssel.

Wolfgang Schüssel Was Mut macht - © Foto: Ecowin
© Foto: Ecowin
Buch

Was. Mut. Macht.

Bemerkungen und Bemerkenswertes von Wolfgang Schüssel
Ecowin 2020. 420 S., geb., € 26,–