Bong Joon-ho - © Foto: APA /AFP / AMPAS / Richard Harbaugh
Porträtiert

Bong Joon-ho: Der vierfache Oscar-Preisträger

1945 1960 1980 2000 2020

Gleich viermal durfte Überraschungssieger Bong Joon-ho am 9. Februar die Bühne als Oscar-Preisträger erklimmen.

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Gleich viermal durfte Überraschungssieger Bong Joon-ho am 9. Februar die Bühne als Oscar-Preisträger erklimmen.

Man kann sich darüber grämen, dass der dystopische Hollywoodstreifen „The Joker“ bei den diesjährigen Oscars nur durch Joaquin Phoenix’ Hauptdarsteller-Preis und die Auszeichnung für die isländische Filmkomponistin Hildur Guðnadóttir reüssieren konnte. Und man mag es für skandalös halten, dass das wirklich große und bedeutende Mafia-Epos „The Irishman“ von Martin Scorsese trotz elf Nominierungen gänzlich leer ausging.

Ganz und gar nicht skandalös, aber sensationell war hingegen, dass Bong Joon-hos „Parasite“, die koreanische Paraphrase auf „Zu ebener Erde und im ersten Stock“, den Oscar als Bester Film einheimste. Überraschend: Ja. Aber mindestens so verdient wie eben unerwartet. Und Meis­ter Bong stand an diesem Oscar-Abend gleich viermal auf der Bühne – als Preisträger des Auslands-Oscars, als Bester Drehbuchautor, als Bester Regisseur und dann als Produzent des Besten Films.

In der 91-jährigen Geschichte der Academy Awards hatte damit erstmals ein nicht-englischsprachiger Film die Top-Trophäe erlangt – sage da einer noch, dass Hollywood nicht doch für Veränderungen gut ist!
Außerdem: Seit 65 Jahren war es das erste Mal, dass ein Film gleichzeitig die Filmfestspiele in Cannes und die Oscar-Verleihung gewann.

Der 50-jährige Bong Joon-ho stammt aus der Metropole Daegu im Süden Südkoreas. Er studierte zunächst Soziologie, bevor er die Filmakademie in Busan absolvierte. Schon seinem Spielfilmdebüt „Hunde, die bellen, beißen nicht“ (2000) attestierte die internationale Kritik großes Potenzial. Seinen bislang größten Erfolg – sowohl in Korea als auch international – feierte Bong 2006 mit „The Host“, einer – so Filmkritiker Michael Kraßnitzer 2007 in der FURCHE – „seltsamen Mischung aus Monsterfilm, Familiendrama und filmischer Sozialkritik, gewürzt mit schwarzem Humor“.

Der nun zu den herausragenden koreanischen Filmemachern Zählende bekam auch internationale Aufträge – er reüssierte mit dem französischen Streifen „Snowpiercer“ 2013 wie mit der Netflix- Produktion „Okja“ 2017. Mit „Parasite“, der köstlichen Parabel über eine hintertriebene arme Familie, die sich in einer Sippschaft der oberen Zehntausend einnistet, ist Bong nun im Kino-Olymp angekommen. Völlig zu Recht.