Whitehead -   - © Foto: APA / AFP / Daniel Roland
Porträtiert

Colson Whitehead

1945 1960 1980 2000 2020

Pulitzer-Preis: Doppelt hält besser

1945 1960 1980 2000 2020

Pulitzer-Preis: Doppelt hält besser

Einmal einen Pulitzer-Preis gewinnen – davon träumen viele Autorinnen und Autoren. Den amerikanischen Literaturpreis gleich zweimal abzustauben, das ist erst wenigen gelungen – genauer gesagt nur vieren. Einer davon ist seit Kurzem der New Yorker Autor Colson Whitehead, der mit seinem Roman „Die Nickel Boys“ die Kategorie Literatur für sich entscheiden konnte.

Bereits 2002 war Whitehead erstmals für den Pulitzer-Preis nominiert gewesen, 2017 gewann ihn der 50-Jährige mit seinem Roman über das Sklavenbefreiungsnetzwerk „Underground Railroad“ in der Kategorie Fiktion. Eine TV-Adaption unter der Regie von Barry Jenkings („Moonlight“, 2016) soll Ende dieses Jahres erscheinen. In „Die Nickel Boys“ erzählt Whitehead von der „Arthur G. Dozier School“, einer sogenannten „Besserungsanstalt“ für Schwererziehbare in Florida, in der Kinder und Jugendliche – vorwiegend afroamerikanischer Herkunft – jahrelang misshandelt und gefoltert wurden.

„Ich war schockiert, dass ich noch nie davon gehört hatte“, beschrieb Whitehead gegenüber dem Guardian im Juli 2019 seinen Zugang zur Geschichte, „Kinder wurden jahrzehntelang misshandelt, und niemanden interessierte es. Nicht einmal jetzt: Es werden Leichen ausgegraben, aber mehr als eine EinTages-Nachricht ist das nicht.“ Parallel dazu gab und gibt es in den USA nach wie vor rassistisch motivierte Polizeigewalt – für Whitehead Grund genug, der Geschichte um die Dozier-Schule eine Bühne zu geben.

„Whitehead verdeutlicht mit seinem Roman die Fortsetzung der Praktiken der Sklaverei in jenen der Schulleitung ebenso wie den Zusammenhang von der dringend fälligen Befreiung der Sklaven und dem Freiheitskampf der Schwarzen mit der dringend nötigen Abkehr von pädagogischen Praktiken, die Seelen und Körper von Kindern zertrümmern. Es geht um die Ablehnung eines Menschenbildes, das bis heute weiterwirkt. Es geht um nichts Geringeres als die Würde eines jeden Menschen, darum, dass keiner mehr wert ist als ein anderer“, beschrieb FURCHE-Feuilleton-Chefin Brigitte Schwens-Harrant den Roman.