Arik Brauer - © Foto: picturedesk.com / Karl Schöndorfer
Porträtiert

Die Kunst, in keine Schublade zu passen

1945 1960 1980 2000 2020

Der erste "Fritz Csoklich Demokratiepreis" geht an den Universalkünstler Arik Brauer.

1945 1960 1980 2000 2020

Der erste "Fritz Csoklich Demokratiepreis" geht an den Universalkünstler Arik Brauer.

„Alle meine Künste“: So lautet der nicht ganz unbescheidene Titel einer Ausstellung, die noch bis 20. Oktober 2019 im Jüdischen Museum in der Wiener Dorotheergasse zu sehen ist. Gezeigt wird das ebenso reichhaltige wie schillernde Œuvre eines Mannes, der sich allzu raschen Einordnungen entzieht. Maler, Bühnenbildner, Architekt, Umweltaktionist, Tänzer, Sänger und Poet: All das ist Arik Brauer. Doch nicht nur sein Talent, auch sein Lebensweg hat stets Grenzen überschritten: 1929 in Wien als Sohn einer russisch-jüdischen Handwerkerfamilie geboren, deren Vater im KZ ermordet wurde, unternahm er nach seinem Kunststudium ausgedehnte Fahrradreisen, trat mit seiner Frau Naomi in Paris als Gesangsduo auf und lebte mit ihr und den drei Töchtern abwechselnd in Israel und Wien. 1986 wurde Brauer schließlich zum ordentlichen Professor an die Akademie der bildenden Künste in Wien berufen, wo er bis zu seiner Emeritierung 1997 lehrte.

„Alle meine Künste“: So lautet der nicht ganz unbescheidene Titel einer Ausstellung, die noch bis 20. Oktober 2019 im Jüdischen Museum in der Wiener Dorotheergasse zu sehen ist. Gezeigt wird das ebenso reichhaltige wie schillernde Œuvre eines Mannes, der sich allzu raschen Einordnungen entzieht. Maler, Bühnenbildner, Architekt, Umweltaktionist, Tänzer, Sänger und Poet: All das ist Arik Brauer. Doch nicht nur sein Talent, auch sein Lebensweg hat stets Grenzen überschritten: 1929 in Wien als Sohn einer russisch-jüdischen Handwerkerfamilie geboren, deren Vater im KZ ermordet wurde, unternahm er nach seinem Kunststudium ausgedehnte Fahrradreisen, trat mit seiner Frau Naomi in Paris als Gesangsduo auf und lebte mit ihr und den drei Töchtern abwechselnd in Israel und Wien. 1986 wurde Brauer schließlich zum ordentlichen Professor an die Akademie der bildenden Künste in Wien berufen, wo er bis zu seiner Emeritierung 1997 lehrte.

„Arik Brauer ist eine wohltuende Stimme der Vernunft, die vorgezeichnete Wege meidet, den Diskurs des Erwartbaren durchbricht und sich jeder Einordnung entzieht“. (Jury)

Den Mund ließ sich der heute 90-Jährige dabei nie verbieten, das freie Wort schätzte er ebenso wie die Zuspitzung. Einerseits spannte er als „Zeitzeuge vom Dienst“, wie er sich in einem Interview mit der Kleinen Zeitung bezeichnete, den Bogen von seiner Familiengeschichte in die Gegenwart und kritisierte etwa den ressentimentgeladenen Diskurs der FPÖ. Zugleich hielt er es aber auch für einen Fehler, Freiheitliche nicht zur Mauthausen-Gedenkfeier einzuladen. Für Aufregung sorgte ein Auftritt bei der ORF-Diskussionssendung „Im Zentrum“, wo er erklärte, sich mehr vor dem arabischen Antisemitismus als jenem von Burschenschaftern zu fürchten. Die Folge war ein Shitstorm – und Applaus. „Arik Brauer ist jedenfalls eine wohltuende Stimme der Vernunft, die vorgezeichnete Wege meidet, den Diskurs des Erwartbaren durchbricht und sich jeder Einordnung entzieht“, befinden die Jurymitglieder des neuen „Fritz Csoklich Demokratiepreises“, mit dem Brauer am kommenden Montag im Jüdischen Museum ausgezeichnet wird. Der von Styria Media Group, Kleine Zeitung und Die Presse ausgelobte Preis soll an das Lebenswerk des langjährigen Chefredakteurs der Kleinen erinnern, eines legendären Brückenbauers mit Haltung: für Meinungsfreiheit und Demokratiebereitschaft; und gegen gesellschaftliche Zersplitterung.