Elisabeth Orth  - © www.divina.at
Porträtiert

Elisabeth Orth: "Nichts soll mir Angst machen"

1945 1960 1980 2000 2020

Doyenne des Burgtheaters, kritische gesellschaftspolitische Stimme und über 20 Jahre FURCHE-Kolumnistin: Elisabeth Orth feiert ihren 85. Geburtstag.

1945 1960 1980 2000 2020

Doyenne des Burgtheaters, kritische gesellschaftspolitische Stimme und über 20 Jahre FURCHE-Kolumnistin: Elisabeth Orth feiert ihren 85. Geburtstag.

Es gibt schon lange keine offenen Bühnen mehr, auf denen eine wie sie gefeiert werden könnte. Und so sitzt Elisabeth Orth im Wohnzimmer Bruno Kreiskys in der Wiener Armbruster­gasse und spricht anlässlich ihres 85. Geburtstages über ihr Leben, ihr ENgagementnun ihre Kunst. „Man hat immer so getan, als sei Österreich ein Kulturland. Und jetzt haben wir nix“, sagt sie gleich zu Beginn. Dabei sei Kultur nicht bloß etwas für „Liebhaber“, sie sei ein Mittel zum Leben.

Mit diesem Lebensmittel ist Elisabeth Orth aufgewachsen. Aber auch mit der Bürde großer Namen: Am 8. Februar 1936 kommt sie als älteste von drei Töchtern des Schauspielerpaares Paula Wessely und Attila Hörbiger zur Welt, Adolf Hitler schickt ein Glückwunschtelegramm. Von dieser Vergangenheit will sie sich emanzipieren, sie wählt den Familiennamen ihrer Großmutter mütterlicherseits und arbeitet 1975 im Buch „Märchen ihres Lebens“ die Geschichte ihrer Eltern auf.

Sie selbst findet nach dem Reinhardt-Seminar ihr „Lebensengagement“ am scheinbaren Provinztheater Ulm, wie sie im Kreisky-Forum erzählt. Hier trifft sie auf den Intendanten Kurt Hübner und Regisseure wie Peter Zadek oder Johannes Schaaf. Danach folgen Stationen in Köln und am Bayerischen Staatsschauspiel München, bevor sie 1973 – vier Jahre nach der Geburt ihres Sohnes, Cornelius Obonya – festes Ensemblemitglied des Burgtheaters wird.

Ihr souveränes, uneitles Spiel und ihre Sprachkunst machen sie zu einer der bedeutendsten Schauspielerinnen ihrer Zeit. Von 1995 bis 1999 ist sie an der Berliner Schaubühne, an der Burg brilliert sie in Inszenierungen von Zadek, Achim Freyer, George Tabori und Andrea Breth, 2015 wird sie schließlich „Doyenne“.

Dass Theater nie sich selbst genügt, sondern einen gesellschaftspolitischen Auftrag hat, zeigt die Orth auch abseits der Bühne: in ihren Engagements gegen Antisemitismus und Rassismus – oder in ihrer Kolumne, die sie von 1979 bis 2000 für die FURCHE schreibt. Auch um mit ihrer Mutter in Verbindung zu bleiben, wie sie einmal gesteht. Courage – darum bemüht sie sich bis heute: „Nichts auf der Welt soll mir Angst machen“, sagt sie in Kreiskys Wohnzimmer. „Dafür kämpfe ich, und das lässt mich jeden Morgen erneut aufstehen.“