François Gros - © Foto: APA / AFP / Eric Cabanis

François Gros: Wegbereiter der Corona-Impfung

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François Gros (24.4.1925–18.2.2022) war ein Pionier der Molekularbiologie. Vor rund 60 Jahren zählte er zu den Entdeckern der mRNA.

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François Gros (24.4.1925–18.2.2022) war ein Pionier der Molekularbiologie. Vor rund 60 Jahren zählte er zu den Entdeckern der mRNA.

Das Spannende an der Grundlagenforschung ist ihre Offenheit: Man weiß nie, ob, wann und wie ihre Folgen in der Gesellschaft aufschlagen werden. François Gros jedenfalls hat das Glück des Entdeckers noch erleben dürfen. Vor rund 60 Jahren gelang dem französischen Biologen an der Universität Harvard erstmals der Nachweis von Boten-RNA.

Die Zeit war offensichtlich reif für diesen Durchbruch: An der Westküste der USA machten damals drei weitere Forscher, darunter der französische Forscher François Jacob, dieselbe Entdeckung. Diese „Messenger-RNA“ (mRNA) übermittelt genetische Botschaften in den Zellen, damit diese Proteine herstellen können.

Heute spielt diese Entdeckung bei der Corona-Impfung eine zentrale Rolle: Denn bei den mRNA-Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna werden Teile der Erbinformation des Virus als RNA in den Körper gebracht. Im Gegensatz zu den herkömmlichen Impfstoffen werden somit keine Krankheitserreger (oder deren Bestandteile) geliefert, sondern der Bauplan für einzelne Virusproteine. Diese Antigene aktivieren das Immunsystem – und erzeugen sodann eine schützende Immunantwort.

François Gros wurde 1925 in Paris in eine jüdische Familie geboren. Während des Zweiten Weltkriegs zog er sich nach Toulouse zurück. Regelmäßig änderte er seinen Namen, da er „immer der Denunziation ausgeliefert“ war, wie er in seinen Memoiren „Ein halbes Jahrhundert Biologie“ berichtet. Als umtriebiger Student folgte Gros oft dem Motto „Do it yourself“: So sei er früher im Bus mit einem Topf voll Säure zu den Schlachthöfen von Paris gefahren, um dort Muskeln, Lebern und Bauchspeicheldrüsen für seine Versuche mit Antibiotika zusammen zu klauben. Diese sinnlich fordernden Aktionen hätten seinem „Enthusiasmus keinen Abbruch getan“, erinnerte er sich.

Ein junger Laborleiter sollte ihn später dazu animieren, seine Forschung in den USA fortzusetzen. Zurück in Europa wurde Gros in den 1960er-Jahren zum Leiter von Frankreichs Forschungszentrum CNRS bestellt. Von 1976 bis 1981 war er Direktor des renommierten Institut Pasteur in Paris. Am 18. Februar ist der Pionier der Molekularbiologie im Alter von 96 Jahren verstorben.

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