Mussolini-Verehrer Ignazio Benito La Russa  - Ignazio Benito La Russa übernahm von der Holocaust-Überlebenden und Senats-Alterspräsidentin Liliana Segre sein Amt als neuer italienischer Senatspräsident - ©  Foto: APA / AFP / Andreas Solaro

Ignazio Benito La Russa: Italienische Rolle rückwärts

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Mussolini-Verehrer Ignazio La Russa übernahm in einer von der Holocaust-Überlebenden<br /> Liliana Segre geleiteten Senatssitzung sein Amt als Italiens Senatspräsident.

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Mussolini-Verehrer Ignazio La Russa übernahm in einer von der Holocaust-Überlebenden<br /> Liliana Segre geleiteten Senatssitzung sein Amt als Italiens Senatspräsident.

Die Politik schreibt die besten Drehbücher. Dazu gehört seit voriger Wochen die Wahl des italienischen Senatspräsidenten im Palazzo Madama von Rom. Die weibliche Hauptdarstellerin gab Liliana Segre, Auschwitz-Überlebende, Ehrensenatorin auf Lebenszeit. Die 92-Jährige gilt als „Nonna der Nation“, die Stimme des postfaschistischen, demokratischen, europäischen Italiens. Als Alterspräsidentin leitete sie die erste Senatssitzung der 19. Legislaturperiode der italienischen Republik. Auf der Tagesordnung stand die Wahl des neuen Senatspräsidenten.

Die männliche Hauptrolle spielte Ignazio Benito La Russa. Ganz gegen sein politisches Naturell präsentierte sich der 75-Jährige staatstragend, versöhnend. Der Rollenwechsel vom politischen Rechtsaußen-Raubein, bekannt für sein feuriges Temperament und seinen starken sizilianischen Akzent, zum „Nonno simpatico“ und Präsidenten für alle konnte größer nicht sein. In seiner Rede zitierte er sogar den früheren Staatspräsidenten und Partisanen Sandro Pertini, eine Ikone der italienischen Linken.

Nach Mussolini benannt

Wenn das nur nicht La Russas Vater im Grab gehört hat. La Russas sen. war faschistischer Parteichef einer Lokalsektion auf Sizilien und gab seinem Sohn nicht zufällig als zweiten Namen den von Diktator Mussolini. Ebenfalls nicht zufällig schmücken Büsten vom „Duce del Fascismo“ La Russas Mailänder Zuhause. Und selbstverständlich ganz bewusst setzte sich der Mitbegründer von Giorgia Melonis „Fratelli d’Italia“ dafür ein, den Faschistengruss „Saluto Romano“ wieder zu erlauben sowie den nationalen Feiertag zum Sieg gegen den Faschismus am 25. April abzuschaffen und ihn durch einen Gedenktag für die Corona-Toten zu ersetzen.

Liliana Segre erinnerte in ihrer Rede im Senat an einen anderen Tag, an Mussolinis Marsch auf Rom am 27. Oktober 1922, und dass sie als kleines Mädchen „durch rassistische Gesetze gezwungen wurde, die Schulbank ihrer Grundschule leer zu lassen. Und heute findet dieses Mädchen sich sogar auf der prestigeträchtigsten Bank im Senat wieder“. Aber nur kurz. Als Ignazio Benito La Russa Platz nahm und das zweithöchste Staatsamt besetzte, war Liliana Segre wie im falschen Film.

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