Giorgia Meloni - © Foto: APA / AFP / Fabio Frustaci
Porträtiert

Marine Le Pens böser Zwilling

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Mit klaren Worten hat Giorgia Meloni kein Problem: Das Rettungsschiff „SeaWatch 3“ sollte versenkt werden, twitterte die Parteichefin der postfaschistischen „Brüder Italiens“ (Fratelli d’Italia) Ende Juni, als die Schiffskapitänin Carola Rackete händeringend nach einem Anlegehafen suchte. Meloni, die Frau mit den langen, blonden Haaren, dem römischen Dialekt und dem aggressiven Auftreten könnte nun zur Schlüsselfigur der italienischen Regierungskrise werden. Italiens Vizeregierungschef Matteo Salvini pocht auf Parlamentswahlen und könnte sich eine Koalition mit den Neofaschisten durchaus vorstellen. Sollte es also zu Neuwahlen kommen, wäre ein hochrangiger Ministerposten für Meloni so gut wie sicher.

In den Medien wird die 42­Jährige häufig mit Marine Le Pen, der französischen Chefin der „Rassemblement National“, verglichen. Wie Le Pen schafft sie es, Menschen aus der Arbeiterschicht zu mobilisieren, die sich längst von der Politik abgewandt hatten. Doch der Vergleich hinkt. Meloni bewegt sich mit ihrer rechtsextremen Partei im postfaschistischen Spektrum immer an der Grenze zum Erlaubten – und damit noch weiter rechts als Le Pen. So schickte Meloni für die EU­-Wahl keinen geringeren als Caio Giulio Cesare Mussolini, den Urenkel Benito Mussolinis, ins Rennen.

Mit klaren Worten hat Giorgia Meloni kein Problem: Das Rettungsschiff „SeaWatch 3“ sollte versenkt werden, twitterte die Parteichefin der postfaschistischen „Brüder Italiens“ (Fratelli d’Italia) Ende Juni, als die Schiffskapitänin Carola Rackete händeringend nach einem Anlegehafen suchte. Meloni, die Frau mit den langen, blonden Haaren, dem römischen Dialekt und dem aggressiven Auftreten könnte nun zur Schlüsselfigur der italienischen Regierungskrise werden. Italiens Vizeregierungschef Matteo Salvini pocht auf Parlamentswahlen und könnte sich eine Koalition mit den Neofaschisten durchaus vorstellen. Sollte es also zu Neuwahlen kommen, wäre ein hochrangiger Ministerposten für Meloni so gut wie sicher.

In den Medien wird die 42­Jährige häufig mit Marine Le Pen, der französischen Chefin der „Rassemblement National“, verglichen. Wie Le Pen schafft sie es, Menschen aus der Arbeiterschicht zu mobilisieren, die sich längst von der Politik abgewandt hatten. Doch der Vergleich hinkt. Meloni bewegt sich mit ihrer rechtsextremen Partei im postfaschistischen Spektrum immer an der Grenze zum Erlaubten – und damit noch weiter rechts als Le Pen. So schickte Meloni für die EU­-Wahl keinen geringeren als Caio Giulio Cesare Mussolini, den Urenkel Benito Mussolinis, ins Rennen.

Meloni scheint getrieben von ihrer Ideologie. Das macht sie so erfolgreich – und auch gefährlich.

Geboren in Rom als Tochter einer Sizilianerin und eines Sarden, wurde Meloni im Arbeiterviertel Garbatella großgezogen. Die 42­Jährige hat sich ihren Weg in die Politik hart erkämpft. Sie ist das Gegenteil von karriereversessenen Pragmatikern, die Politik nur für ihren eigenen Lebenslauf nutzen. Meloni scheint getrieben von ihrer Ideologie. Das macht sie so erfolgreich – und auch gefährlich. Schon mit 15 Jahren trat sie der Jugendorganisation der damaligen neofaschistischen Partei „Movimento Sociale Italiano“ bei.

2006 schaffte sie es als jüngste Abgeordnete in das Amt der Vizepräsidentin der unteren Parlamentskammer. Mit nur 31 wurde sie 2008 unter Berlusconis neuem Mitte­Rechts­Bündnis Jugend­ und Sportministerin. Weil ihr Berlusconis Kurs nicht passte, gründete sie 2012 die „Fratelli d’Italia“, die sie seit 2014 führt. Sollte es zu Neuwahlen kommen und sollte Meloni mit ihrer Partei in die nächste Regierung einziehen, wäre in Europa eine bedrohliche neue Epoche eingeläutet.