Marcos - © Foto: Wikipedia (cc by-sa 2.0)

Präsident Ferdinand „Bongbong“ Marcos Junior

1945 1960 1980 2000 2020

Ferdinand Marcos Junior, Sohn von Diktator Ferdinand Marcos, gewinnt die philippinischen Präsidentschaftswahlen. Steht ein neues Regime der Gräueltaten bevor?

1945 1960 1980 2000 2020

Ferdinand Marcos Junior, Sohn von Diktator Ferdinand Marcos, gewinnt die philippinischen Präsidentschaftswahlen. Steht ein neues Regime der Gräueltaten bevor?

Sechsunddreißig Jahre nach dem Ende des Regimes von Ferdinand Marcos durch die People Power Revolution und die Vertreibung der Familie Marcos ins Exil wurde der Sohn des Diktators zum neuen Präsidenten der Philippinen gewählt. Ferdinand „Bongbong“ Marcos Junior hat laut vorläufigen Ergebnissen die Präsidentschaftswahlen gewonnen. Menschenrechtsaktivisten und politische Analysten fürchten nun, dass Marcos Junior noch autokratischer regieren könnte als Noch-Präsident Rodrigo Duterte. Doch wieso wählten die Menschen einen Mann, dessen Familie das Land in den 1980er Jahren in eine tiefe Wirtschaftskrise getrieben, Menschenrechte missachtet, zahlreiche politische Gegner ermorden lassen und Millionen Dollar an Staatsgeldern veruntreut hatte?

Ferdinand „Bongbong“ Marcos Junior erhielt seine Ausbildung auf den Philippinen und später in einem Internat in England. Er begann in Oxford Politik, Philosophie und Wirtschaft zu studieren, schloss laut Universität aber kein Studium ab – Marcos selbst besteht nach wie vor auf einen Abschluss. Mit 23 Jahren wurde er bereits Vizegouverneur in seiner Heimatprovinz Ilocos Norte. Als die Familie nach Hawaii exiliert wurde, war „Bongbong“ 29. Nach dem Tod von Marcos Senior und der Rückkehr der Familie Anfang der 1990er Jahre nahm Marcos Junior seine politische Karriere wieder auf und wurde Gouverneur, Kongressabgeordneter und Senator. Die Familie ist seither stets darauf bedacht, die Geschichte umzudeuten. Die Diktatur unter Marcos Senior wird als „goldene Ära“ inszeniert. Wichtigstes Medium dabei: das Internet; die Zielgruppe: junge Menschen ohne Erinnerung an die Gräueltaten des Marcos-Regimes. Durchschnittlich verbringen Philippiner(innen) zehn Stunden pro Tag im Netz – die Hauptinformationsquelle ist Facebook. Fehlende Medienkompetenz macht Fakten und Fake News ununterscheidbar.

2016 trat „Bongbong“ das erste Mal bei Vizepräsidentschaftswahlen an, unterlag zu diesem Zeitpunkt aber noch Leni Robredo. Nach Auszählung von rund 90 Prozent der Stimmen liegt der 64-Jährige diesmal uneinholbar vor Robredo. Marcos’ Vize wird übrigens Dutertes Tocher Sara: eine Allianz der Autokraten.

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