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Religion

Als Deutscher verösterreichert

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

Meine Erfahrungen bei der sprachlichen Integration.

Als Ausländer, heißt es, soll man sich als erstes bemühen, die Sprache des Landes, wo man sich integrieren will, zu lernen. Weil ich's mit den Fremdsprachen nicht so hab, bin ich nach Österreich emigriert, ein bisschen so wie meine Eltern, die immer in Österreich Urlaub gemacht haben, weil das zwar ein anderes Land ist und insofern Urlaub, aber man die Leute halt doch versteht, außer ihr Dialekt ist zu arg. Die Gemütlichkeit da, wissen S', die hat ihnen so gefallen. "Küss die Hand, gnä Frau": Meine Mutter war immer hin und weg, wie sie das gehört hat. Aber ich schweife ab.

Ich war also nie besonders fix mit den Sprachen, und darum sagte ich zu mir: Geh nach Österreich, da verstehst wenigstens die Leut. Genauso habe ich's freilich nicht gesagt, denn "Leut" sagt man bei uns, wo ich wegkomme, nicht, sondern man sagt "Leute". Und "freilich" sagt man freilich auch nicht, höchstens wenn man aus Bayern ist. Aber wie gesagt, ich bin nicht so fix mit diesen Sprachdingen, und jetzt fange ich wieder an, alles durcheinander zu bringen. Denn fix ist hierzulande ja nur, was fest steht, so wie der Stephansdom, und nicht, was sich bewegt, obwohl man oft den Eindruck hat, dass die Österreicher bei aller Gemütlichkeit ganz fixe Leut sind, vor allem wenn man sieht, was bei deren Gschäfterln mit dem Ostblock herausschaut. Und wenn's ihr Gschäfterl gemacht haben, setzen sie sich auf ihren Stuhl und lassen den Herrgott hochleben. Ja, die wissen, wo der Bartel den Most holt! Aber ich schweife schon wieder ab, Kruzitürken.

Ich musste also feststellen, dass das in Österreich für einen Deutschen gar nicht so einfach ist mit dem Deutschen, und ich saß oft zwischen allen Stühlen. Daher studiere ich nun fleißig das Gmoablattl, das sie bei uns daham verteilen, und ich bin in einen Sportverein gegangen, wo man Leut trifft wie den Zihal Richi, der ist ein echter Wiener und hat auch ein Sinn fürs Kulinarische: Er kann stundenlang vom Schmalz reden. Und so langsam fühle ich mich auch sprachlich schon besser integriert, was ich vor allem merke, wenn ich auf Besuch nach Deutschland fahre. Dann sage ich im Geschäft immer automatisch "Grüß Gott", und die Leut schaun mich an, als ob ich deppert wär.

Der Autor kommt aus Bielefeld und lebt seit gut zwei Jahren im Weinviertel und in Wien.

Meine Erfahrungen bei der sprachlichen Integration.

Als Ausländer, heißt es, soll man sich als erstes bemühen, die Sprache des Landes, wo man sich integrieren will, zu lernen. Weil ich's mit den Fremdsprachen nicht so hab, bin ich nach Österreich emigriert, ein bisschen so wie meine Eltern, die immer in Österreich Urlaub gemacht haben, weil das zwar ein anderes Land ist und insofern Urlaub, aber man die Leute halt doch versteht, außer ihr Dialekt ist zu arg. Die Gemütlichkeit da, wissen S', die hat ihnen so gefallen. "Küss die Hand, gnä Frau": Meine Mutter war immer hin und weg, wie sie das gehört hat. Aber ich schweife ab.

Ich war also nie besonders fix mit den Sprachen, und darum sagte ich zu mir: Geh nach Österreich, da verstehst wenigstens die Leut. Genauso habe ich's freilich nicht gesagt, denn "Leut" sagt man bei uns, wo ich wegkomme, nicht, sondern man sagt "Leute". Und "freilich" sagt man freilich auch nicht, höchstens wenn man aus Bayern ist. Aber wie gesagt, ich bin nicht so fix mit diesen Sprachdingen, und jetzt fange ich wieder an, alles durcheinander zu bringen. Denn fix ist hierzulande ja nur, was fest steht, so wie der Stephansdom, und nicht, was sich bewegt, obwohl man oft den Eindruck hat, dass die Österreicher bei aller Gemütlichkeit ganz fixe Leut sind, vor allem wenn man sieht, was bei deren Gschäfterln mit dem Ostblock herausschaut. Und wenn's ihr Gschäfterl gemacht haben, setzen sie sich auf ihren Stuhl und lassen den Herrgott hochleben. Ja, die wissen, wo der Bartel den Most holt! Aber ich schweife schon wieder ab, Kruzitürken.

Ich musste also feststellen, dass das in Österreich für einen Deutschen gar nicht so einfach ist mit dem Deutschen, und ich saß oft zwischen allen Stühlen. Daher studiere ich nun fleißig das Gmoablattl, das sie bei uns daham verteilen, und ich bin in einen Sportverein gegangen, wo man Leut trifft wie den Zihal Richi, der ist ein echter Wiener und hat auch ein Sinn fürs Kulinarische: Er kann stundenlang vom Schmalz reden. Und so langsam fühle ich mich auch sprachlich schon besser integriert, was ich vor allem merke, wenn ich auf Besuch nach Deutschland fahre. Dann sage ich im Geschäft immer automatisch "Grüß Gott", und die Leut schaun mich an, als ob ich deppert wär.

Der Autor kommt aus Bielefeld und lebt seit gut zwei Jahren im Weinviertel und in Wien.