Andrea Riccardi: Motor des Friedensgebets in Assisi

1945 1960 1980 2000 2020

Über Andrea Riccardi, Begründer der Bewegung Sant'Egidio - und Inspirator von Assisi.

1945 1960 1980 2000 2020

Über Andrea Riccardi, Begründer der Bewegung Sant'Egidio - und Inspirator von Assisi.

Als der 18-jährige Gymnasiast Andrea Riccardi 1968 mit Nachhilfe für sozial schwache Schüler in Rom begann, hätte er sich kaum träumen lassen, was er alles bewegen würde. Zunächst gründete er mit Gleichgesinnten in der kleinen Kirche Sant'Egidio eine Basisgemeinde, die sich um Obdachlose und Arme kümmerte, aber auch Kontakte zu Juden und Muslimen aufbaute. Schon bald begann man groß zu denken - und auch den Frieden in globaler Perspektive als Ziel zu haben. Riccardi selbst fuhr 1982 in den libanesischen Bürgerkrieg und begann erste internationale Vermittlungstätigkeiten. Später engagierte sich die mittlerweile weltweit gewachsene Gemeinschaft Sant'Egidio in vielen Konflikten - am spektakulärsten war Riccardis Erfolg bei den Friedensverhandlungen im mosambikanischen Bürgerkrieg, die 1992 zum Friedensvertrag führten. Die persönliche Freundschaft des mittlerweile als Universitätsprofessor für Geschichte Tätigen zu Johannes Paul II. begeisterten den polnischen Papst auch für die Idee, in Assisi ein interreligiöses Friedensgebet zu veranstalten. 1986 trafen sich Religionsführer aus aller Welt erstmals in der Franziskus-Stadt. Trotz großer Widerstände konservativer katholischer Kreise, die in dem Gebetstreffen eine synkretistische Häresie sahen, kam Johannes Paul II. wieder, und auch Benedikt XVI. nahm 2011 an dem Weltgebetstreffen teil.

Auch das diesjährige Treffen, das nun schon auf eine 30-jährige Geschichte zurückblicken kann, wurde von Riccardi eröffnet: "Was wäre die Welt ohne Dialog, was wäre die Welt ohne Gebet?" beschwor der Sant'Egidio-Gründer den "Geist von Assisi". Mit Papst Franziskus verbindet Riccardi eine besondere Verwandtschaft im Geist: Obwohl der derzeitige Papst erst vor wenigen Wochen in Assisi war, ließ er es sich nicht nehmen, am 20. September zum Weltgebetstreffen wiederzukommen. Einmal mehr brandmarkte er dort die Gleichgültigkeit gegenüber Flüchtlingen: Zu oft begegneten diese kaltherzigen Menschen, "die ihren Hilfeschrei mit jener Mühelosigkeit abstellen, mit der sie den Fernsehkanal umschalten", so Franziskus in Assisi. Gemeinsam mit den anderen Religionsführern unterzeichnete der Papst auch einen Friedensappell der Religionen.

Inspirator Riccardi hat eine Reihe von Preisen erhalten, darunter 2009 den Aachener Karlspreis. Er ist auch Autor zahlreicher Bücher, darunter einer Biografie von Johannes Paul II., zuletzt erschien "Franziskus - Papst der Überraschungen. Krise und Zukunft der Kirche" (2014).

Als der 18-jährige Gymnasiast Andrea Riccardi 1968 mit Nachhilfe für sozial schwache Schüler in Rom begann, hätte er sich kaum träumen lassen, was er alles bewegen würde. Zunächst gründete er mit Gleichgesinnten in der kleinen Kirche Sant'Egidio eine Basisgemeinde, die sich um Obdachlose und Arme kümmerte, aber auch Kontakte zu Juden und Muslimen aufbaute. Schon bald begann man groß zu denken - und auch den Frieden in globaler Perspektive als Ziel zu haben. Riccardi selbst fuhr 1982 in den libanesischen Bürgerkrieg und begann erste internationale Vermittlungstätigkeiten. Später engagierte sich die mittlerweile weltweit gewachsene Gemeinschaft Sant'Egidio in vielen Konflikten - am spektakulärsten war Riccardis Erfolg bei den Friedensverhandlungen im mosambikanischen Bürgerkrieg, die 1992 zum Friedensvertrag führten. Die persönliche Freundschaft des mittlerweile als Universitätsprofessor für Geschichte Tätigen zu Johannes Paul II. begeisterten den polnischen Papst auch für die Idee, in Assisi ein interreligiöses Friedensgebet zu veranstalten. 1986 trafen sich Religionsführer aus aller Welt erstmals in der Franziskus-Stadt. Trotz großer Widerstände konservativer katholischer Kreise, die in dem Gebetstreffen eine synkretistische Häresie sahen, kam Johannes Paul II. wieder, und auch Benedikt XVI. nahm 2011 an dem Weltgebetstreffen teil.

Auch das diesjährige Treffen, das nun schon auf eine 30-jährige Geschichte zurückblicken kann, wurde von Riccardi eröffnet: "Was wäre die Welt ohne Dialog, was wäre die Welt ohne Gebet?" beschwor der Sant'Egidio-Gründer den "Geist von Assisi". Mit Papst Franziskus verbindet Riccardi eine besondere Verwandtschaft im Geist: Obwohl der derzeitige Papst erst vor wenigen Wochen in Assisi war, ließ er es sich nicht nehmen, am 20. September zum Weltgebetstreffen wiederzukommen. Einmal mehr brandmarkte er dort die Gleichgültigkeit gegenüber Flüchtlingen: Zu oft begegneten diese kaltherzigen Menschen, "die ihren Hilfeschrei mit jener Mühelosigkeit abstellen, mit der sie den Fernsehkanal umschalten", so Franziskus in Assisi. Gemeinsam mit den anderen Religionsführern unterzeichnete der Papst auch einen Friedensappell der Religionen.

Inspirator Riccardi hat eine Reihe von Preisen erhalten, darunter 2009 den Aachener Karlspreis. Er ist auch Autor zahlreicher Bücher, darunter einer Biografie von Johannes Paul II., zuletzt erschien "Franziskus - Papst der Überraschungen. Krise und Zukunft der Kirche" (2014).

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