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Religion

Auf ein gutes neues Jahr!

1945 1960 1980 2000 2020

Umfragen bescheinigen den Österreichern zum Jahreswechsel großen Optimismus. Letztlich ist es die je eigene Entscheidung, wie man sich zur Zukunft stellen möchte.

1945 1960 1980 2000 2020

Umfragen bescheinigen den Österreichern zum Jahreswechsel großen Optimismus. Letztlich ist es die je eigene Entscheidung, wie man sich zur Zukunft stellen möchte.

Alljährlich erreichen uns um den Jahreswechsel herum Nachrichten von der Befindlichkeit der Menschen in unserem Land: Umfragen erheben, wie die Österreicherinnen und Österreicher der Zukunft entgegen sehen. Diesmal fällt der Befund sehr positiv aus: "Österreicher für 2019 optimistisch wie seit Langem nicht" war kurz vor Silvester etwa auf orf.at zu lesen. 54 Prozent Optimisten stehen 32 Prozent Pessimisten gegenüber; von Letzteren wiederum sind 19 Prozent skeptisch, nur 13 ausdrücklich besorgt.

Das ist natürlich sehr erfreulich und liegt wohl letztlich daran, dass entgegen allen Untergangspropheten von links und rechts die Entwicklung der Welt -nehmt alles nur in allem - doch eine positive ist. Wer daran zweifelt, möge nur selbst ein kleines Gedankenexperiment machen und sich überlegen, in welcher Epoche er lieber gelebt hätte Eben! So hat es gewiss eine bestimmte Aussagekraft, dass es 1973 nur 28 Prozent Optimisten, aber 64 Prozent Pessimisten gab. Wobei es auch schon ein gewisses Niveau an Lebensstandard und Wohlstand voraussetzt, sich überhaupt darüber Gedanken zu machen, wie optimistisch oder pessimistisch man ist. Wer mit dem Überleben oder der Befriedigung der absoluten Grundbedürfnisse beschäftigt ist, hat keine Zeit über die eigene Befindlichkeit nachzudenken. So gesehen sind solche Umfragen selbst schon bis zu einem gewissen Grad ein "Luxusphänomen".

"Herz" versus "Kopf"

In Wahrheit spiegeln solche Umfragen freilich nicht bloß rational fundierte Einschätzungen, sondern vielmehr eher diffuse Gefühlslagen wider. Jeder trägt sowohl den Optimisten wie den Pessimisten (oder zumindest Skeptiker) in sich. Welche Aspekte man bei der Umfrage dann stärker betont, wird vielfach auch bloß eine Momentaufnahme sein. "Das Herz hängt am Bestehenden, der Kopf will das Neue", sagt FURCHE-Herausgeber Heinz Nußbaumer gerne. So ist es auch mit der Frage von Optimismus versus Pessimismus. Das "Herz" mag sich vor manchem ängstigen, der "Kopf" sieht klar die Herausforderungen und die damit verbundenen Chancen (ohne deswegen die -nie beseitigbaren -Gefahren zu gering zu veranschlagen). In diese Ambivalenz ist der Mensch wesentlich eingespannt. So steht zu vermuten, dass die Antwort auf die Frage nach der Zukunft umso optimistischer ausfällt, je höher die rationalen Anteile dieser Einschätzung sind.

"Selbsthelferische Tugenden"

Eine wesentliche Frage in diesem Zusammenhang ist freilich auch, auf wen man die jeweiligen Erwartungen projiziert. Anders gefragt: Wen macht man eigentlich für sein (Un-)Glück verantwortlich? Die Politik, die Gesellschaft, die Wirtschaft, bestimmte Institutionen ? Ein Phänomen unserer spätmodernen Wohlstandsgesellschaften ist es, die Eigenverantwortung zu unterschätzen. Daraus resultiert die Gefahr eines (Selbst-)Bildes der Gesellschaft, die sich tendenziell als übervorteilt und unterprivilegiert betrachtet. Peter Sloterdijk hat in diesem Sinne vor einiger Zeit hellsichtig vor "miserabilistischen Selbstbeschreibungen" gewarnt: Man solle die Menschen nicht "in einer falschen Tonlage" ansprechen, sagte Sloterdijk in einem Interview mit der Zeitschrift Schweizer Monat. Und er kritisierte darin eine "fast verächtliche Beziehung zu den selbsthelferischen Tugenden [...], die den Menschen innewohnen".

"Wenn der Mensch schlecht von sich selbst denkt, so droht er sich zu unterbieten", und "wenn er sich ständig unterbietet, so wird ihm dieser Zustand irgendwann zur zweiten Natur", schrieb der damalige Herausgeber des Monat, René Scheu, in derselben Ausgabe an anderer Stelle. Das also wäre ein guter Gedanke am Anfang eines Jahres: zu versuchen, die "miserabilistischen Selbstbeschreibungen" hinter sich zu lassen. In diesem Sinne auf ein gutes Jahr 2019!

rudolf.mitloehner@furche.at |

Alljährlich erreichen uns um den Jahreswechsel herum Nachrichten von der Befindlichkeit der Menschen in unserem Land: Umfragen erheben, wie die Österreicherinnen und Österreicher der Zukunft entgegen sehen. Diesmal fällt der Befund sehr positiv aus: "Österreicher für 2019 optimistisch wie seit Langem nicht" war kurz vor Silvester etwa auf orf.at zu lesen. 54 Prozent Optimisten stehen 32 Prozent Pessimisten gegenüber; von Letzteren wiederum sind 19 Prozent skeptisch, nur 13 ausdrücklich besorgt.

Das ist natürlich sehr erfreulich und liegt wohl letztlich daran, dass entgegen allen Untergangspropheten von links und rechts die Entwicklung der Welt -nehmt alles nur in allem - doch eine positive ist. Wer daran zweifelt, möge nur selbst ein kleines Gedankenexperiment machen und sich überlegen, in welcher Epoche er lieber gelebt hätte Eben! So hat es gewiss eine bestimmte Aussagekraft, dass es 1973 nur 28 Prozent Optimisten, aber 64 Prozent Pessimisten gab. Wobei es auch schon ein gewisses Niveau an Lebensstandard und Wohlstand voraussetzt, sich überhaupt darüber Gedanken zu machen, wie optimistisch oder pessimistisch man ist. Wer mit dem Überleben oder der Befriedigung der absoluten Grundbedürfnisse beschäftigt ist, hat keine Zeit über die eigene Befindlichkeit nachzudenken. So gesehen sind solche Umfragen selbst schon bis zu einem gewissen Grad ein "Luxusphänomen".

"Herz" versus "Kopf"

In Wahrheit spiegeln solche Umfragen freilich nicht bloß rational fundierte Einschätzungen, sondern vielmehr eher diffuse Gefühlslagen wider. Jeder trägt sowohl den Optimisten wie den Pessimisten (oder zumindest Skeptiker) in sich. Welche Aspekte man bei der Umfrage dann stärker betont, wird vielfach auch bloß eine Momentaufnahme sein. "Das Herz hängt am Bestehenden, der Kopf will das Neue", sagt FURCHE-Herausgeber Heinz Nußbaumer gerne. So ist es auch mit der Frage von Optimismus versus Pessimismus. Das "Herz" mag sich vor manchem ängstigen, der "Kopf" sieht klar die Herausforderungen und die damit verbundenen Chancen (ohne deswegen die -nie beseitigbaren -Gefahren zu gering zu veranschlagen). In diese Ambivalenz ist der Mensch wesentlich eingespannt. So steht zu vermuten, dass die Antwort auf die Frage nach der Zukunft umso optimistischer ausfällt, je höher die rationalen Anteile dieser Einschätzung sind.

"Selbsthelferische Tugenden"

Eine wesentliche Frage in diesem Zusammenhang ist freilich auch, auf wen man die jeweiligen Erwartungen projiziert. Anders gefragt: Wen macht man eigentlich für sein (Un-)Glück verantwortlich? Die Politik, die Gesellschaft, die Wirtschaft, bestimmte Institutionen ? Ein Phänomen unserer spätmodernen Wohlstandsgesellschaften ist es, die Eigenverantwortung zu unterschätzen. Daraus resultiert die Gefahr eines (Selbst-)Bildes der Gesellschaft, die sich tendenziell als übervorteilt und unterprivilegiert betrachtet. Peter Sloterdijk hat in diesem Sinne vor einiger Zeit hellsichtig vor "miserabilistischen Selbstbeschreibungen" gewarnt: Man solle die Menschen nicht "in einer falschen Tonlage" ansprechen, sagte Sloterdijk in einem Interview mit der Zeitschrift Schweizer Monat. Und er kritisierte darin eine "fast verächtliche Beziehung zu den selbsthelferischen Tugenden [...], die den Menschen innewohnen".

"Wenn der Mensch schlecht von sich selbst denkt, so droht er sich zu unterbieten", und "wenn er sich ständig unterbietet, so wird ihm dieser Zustand irgendwann zur zweiten Natur", schrieb der damalige Herausgeber des Monat, René Scheu, in derselben Ausgabe an anderer Stelle. Das also wäre ein guter Gedanke am Anfang eines Jahres: zu versuchen, die "miserabilistischen Selbstbeschreibungen" hinter sich zu lassen. In diesem Sinne auf ein gutes Jahr 2019!

rudolf.mitloehner@furche.at |