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Gefährliche Bilder

FOKUS
Badgoisern evang - © Foto: Markus Himmelbauer

Bilder des Judentums: Mehr als tausend Worte

1945 1960 1980 2000 2020

Bilder des Judentums: Wer in Kirchen danach sucht, wird viel entdecken. Manch Erstaunliches, manches zum Nachdenken. Und bisweilen überkommt einen das Grauen.

1945 1960 1980 2000 2020

Bilder des Judentums: Wer in Kirchen danach sucht, wird viel entdecken. Manch Erstaunliches, manches zum Nachdenken. Und bisweilen überkommt einen das Grauen.

Das Judentum gehört zur Identität des Christentums, zu seinem Inneren. So nannte es Papst Johannes Paul II. 1985 bei seinem Besuch in der Synagoge Roms. Am Beginn des Konzilsdekrets Nostra aetate (1965) bezeichnen die Konzilsväter das „Band“, das Christentum und Judentum verbindet, mit denselben Worten, mit denen die Kirche das Band der Ehe benennt. Nach katholischem Verständnis: Es gibt nichts, das noch stärker zusammenhalten soll, etwas das noch dauerhafter sein soll wie dieses.

Wo und wie ist dieses Innere und Identität Stiftende in unseren Kirchen zu finden? Man muss es nur sehen und erkennen. Etwa das Ewige Licht in jedem katholischen Gotteshaus, in dem das eucharistische Brot – Christus in Brotgestalt – aufbewahrt wird. Das Ewige Licht – Ner Tamid – brannte einst im Tempel von Jerusalem. Wir finden es heute in jeder Synagoge nahe dem Lesepult, der Bima, als Zeichen der ewigen Anwesenheit Gottes.

In manchen Kirchen stehen die vier hebräischen Buchstaben des Gottesnamens. Etwa auf dem Altartisch der evangelischen Kirche Bad Goisern (OÖ), dort allerdings überhöht durch ein Bild des Auferstandenen, bekrönt mit einem Medaillon „INRI“ (für Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum). Ein historisches Foto zeigt, dass dies nicht immer so war. Der Gottesname stand ursprünglich im Strahlenkranz an der Altarspitze: der Name, der über allen und über allem steht. So wäre es theologisch und ikonografisch korrekt.

Ambivalente Symboliken

In der katholischen Pfarrkirche Salzburg-Gneis steht am Altar eine unübersehbare Menora am Altar. Der siebenarmige Leuchter ist ebenfalls eine Tradition von Bundeszelt und Tempel und hat als Wappen des Staates Israel hohe symbolische Bedeutung für das Judentum. In der Gneiser Pfarre ist dies auch ein Zeichen des bußfertigen Gedenkens an die Opfer des Kirchenpatrons Johannes Capistran: 1453 ordnete dieser als Inquisitor in Breslau an, 41 Jüdinnen und Juden am Scheiterhaufen zu verbrennen und die übrige Gemeinde aus der Stadt zu vertreiben. Im Mittelpunkt der Basilika Maria Puchheim (OÖ) finden wir am höchsten Punkt der Vierung ebenfalls eine Menora, als Hintergrund des Tempelgangs der Heiligen Familie, „um alles zu tun, was das Gesetzt des Herrn vorschreibt“ (Lukas 2). Eine Symbolik, die entdeckt werden will.

In den Krippen des Salzkammerguts ist auch die Beschneidung Jesu dargestellt, durch die das Jude-Sein Jesu seinen sichtbaren Ausdruck findet. Der Theologe Norbert Reck schreibt dazu: „Dass Jesus Jude war, ist nichts Neues. Aber seine Treue zur Tora, die keine Abstriche am Judentum machte, war für die christliche Theologie immer ein Problem. Sie versuchte, Jesus aus dem Judentum herauszuheben, und schuf einen immer abstrakteren Christus, der mit dem irdischen Jesus kaum noch etwas zu tun hatte. Die spirituelle Kraft der Quellen, aus denen Jesus schöpfte, blieb dabei immer mehr auf der Strecke.

Wenn hier das Motiv des „Zwölfjährigen Jesus im Tempel“ in Erinnerung gerufen wird, haben alle dasselbe Bild im Kopf: ein Kind im Licht, erhöht sitzend, die erschreckten und verwirrten Schriftgelehrten belehrend. Und das, obwohl der Evangelist Lukas genau das Gegenteil schreibt: Jesus „saß mitten unter den Lehrern, hörte ihnen zu“! Die Abwertung der Tora findet ihren Ausdruck in der Gegenüberstellung von „Gesetz und Gnade“, wie es Lucas Cranach als Lehrbild dargestellt hat. Dieses reformatorische Motiv ist etwa in Hörsching und Obernberg am Inn (OÖ) zu finden, in der Salzburger Stiftskirche St. Peter als Grabmal des Wilhelm Alt und ein großes Fresko an der Bartholomäuskirche Ranten (ST). Drastisch ist die Ablehnung der Tora auf einem Flügelaltar in der evangelischen Peter und Paul-Kirche in Schladming: Paulus durchtrennt sie mit einem Schwert.

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