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Religion

Bomben auch auf Ökumene

1945 1960 1980 2000 2020
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Die Fronten klären sich auch in der Schreibzunft: auf der einen Seite die selbstbewußten Kriegshandwerker, auf der anderen die Rückblick-Besserwisser und Träumer. Wahr aber ist: Alle Alternativen waren, sind und bleiben schrecklich.

Das Ergebnis müßte sich im Tonfall der Kriegsberichterstattung ausdrücken. Das Ergebnis nüchterner Analysen auch. Eine bisher nicht angestellte Analyse betrifft die Auswirkungen des Kosovo-Krieges auf die Ökumene. Das Verhältnis zwischen Katholiken und Protestanten auf der einen und den Orthodoxen auf der anderen Seite ist nachhaltig gestört.

Westchristen haben in dieser Sicht der Dinge Ostchristen niedergebombt, und nur Wetterwerte haben die Intensität der Einsätze beeinflußt, nicht etwa die Termine des Osterfestes. Daß diese Sicht der Dinge falsch ist, weil andere als religiöse Motive für die Entscheidungen ausschlaggebend waren, ändert am Ergebnis wenig. Emotionen verbinden, verstärken, vereinfachen.

Deshalb ist es so wichtig, daß (was ohnehin Pflicht einer moralischen Instanz ist) Papst und katholische wie evangelische Bischöfe den orthodoxen Christen klarmachen: Zerstörer der Menschenrechte sollen bestraft werden, nicht deren Völker! Wir sind dagegen, daß ihr Opfer verbrecherischer Führer werdet! Wir fordern verstärkte Bemühungen um Wiederherstellung des Friedens!

Aber was wir im Westen als Beweis für die Moralität der NATO-Einsätze ansehen - daß ihre Nutznießer die muslimischen Albaner sein sollen -, halten viele orthodoxe Serben (und deren orthodoxe Gesinnungsgenossen in Nachbarländern, auch im NATO-Staat Griechenland) für das Gegenteil: "Selbst mit unseren Glaubensfeinden verbünden sich die Christen des Westens, um uns zu schaden ...!"

Eins nur wird in Hinkunft schwerer argumentierbar sein: die türkische Behauptung, daß die Europäische Union als Bollwerk gegen den Islam aufgebaut und die Türkei aus diesem Grund von ihr ferngehalten werden soll.

Ein schwacher Trost in schweren Zeiten.