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Buddhismus und Shinto mit vielen Einflüssen

"Die meisten Japaner besuchen sowohl buddhistische Tempel als auch shintoistische Schreine und praktizieren dort die jeweiligen religiösen Riten“, schreibt Bernhard Scheid. Der Mitarbeiter des Instituts für Kultur- und Geistesgeschichte Asiens an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) beschäftigt sich in dem vorliegenden Web-Handbuch mit den beiden Hauptreligionen Japans, dem Buddhismus und dem Shintoismus. Viele Japaner besitzen eigene Hausaltare und Hausschreine der zwei Religionen, aus deren Sicht es keinerlei Problem mit dem Ausüben des jeweils anderen Glaubens gebe.

Daneben spielen aber auch religiöse Strömungen wie der Konfuzianismus und der Daoismus bzw. die Yin-Yang-Philosophie, die in China begründet worden sind, eine wichtige Rolle in der japanischen Kultur. Allerdings haben die Japaner entsprechende Riten einfach in den Buddhismus und den Shintoismus eingebunden.

"Etwa 2,5 Prozent der Japaner bekennen sich zum Christentum“, so Scheid: "Eine verhältnismäßig kleine religiöse Minderheit“, die daher auf der Website nur marginal behandelt wird. Jedoch bietet das Kapitel über die Religionsgeschichte eine Seite über die Anfänge der christlichen Missionierung sowie die anschließenden Christenverfolgungen im 16. und 17. Jahrhundert.

Eine im Vergleich größere Bedeutung kommt gegenwärtig verschiedenen neureligiösen Bewegungen und Sekten zu, "die sich seit dem 19. Jahrhundert in mehreren Wellen in der modernen Gesellschaft ausgebreitet haben“. Obwohl diese Bewegungen teils extremistische Ansichten und Praktiken propagieren und deshalb immer wieder im Blickpunkt der Öffentlichkeit stehen, und obwohl sie "durchaus einen signifikanten Aspekt der modernen Religionsausübung in Japan darstellen“, legt der Autor den Schwerpunkt auf die traditionellen Glaubensformen: "Dies vor allem deshalb, weil auch die meisten neuen Religionen nur verständlich werden, wenn man den religiösen und mentalen Grundstock, auf dem sie gedeihen, besser kennt.“

Aufgeteilt in (u. a.) "Tempel und Schreine“, "Alltag und Praxis“, "Ikonographie“, "Mythen“ sowie "Lehren und Schriften“, bietet das Web-Handbuch der ÖAW einen faszinierenden Einblick in die traditionsreiche japanische Kultur- und Religionsgeschichte. Zudem ist der Leser eingeladen, eigenes Wissen einzubringen und sich an dem als "Wiki“ aufgezogenen Projekt zu beteiligen.

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