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Spital Corona - © Foto: APA / AFP / Piero Cruciatti
Religion

Covid-19 - die neue Religion

1945 1960 1980 2000 2020

Im Umgang und in der Wahrnehmung der Pandemie ist ein säkularisierter Messianismus zu finden. Anstelle der Wiederkunft Jesu erwarten wir mit Inbrunst den Messias „Impfung gegen Covid“. Theologische Anmerkungen zur Coronakrise.

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Im Umgang und in der Wahrnehmung der Pandemie ist ein säkularisierter Messianismus zu finden. Anstelle der Wiederkunft Jesu erwarten wir mit Inbrunst den Messias „Impfung gegen Covid“. Theologische Anmerkungen zur Coronakrise.

Unsere Gesellschaft ist religionskritisch. Aber in ihr verbergen sich neue Formen von Quasireligiosität, die oftmals Züge des Aberglaubens annehmen. Die aktuelle universale Religion könnte man Covid-19 nennen. Die derzeitige Situation hat in ihrer religiösen Erwartungshaltung gegenüber der Virologie etwas Wahnhaftes. Wir finden darin einen säkularisierten ­Messianismus: Anstelle der Erwartung der Wiederkunft Jesu erwarten wir mit Inbrunst den Messias „Impfung gegen Covid“, von dem niemand weiß, wann und ob er ­jemals kommt. Der Virologe Christian Dros­ten mahnt uns in der ZiB 2 entsprechend, doch Glauben an die Wissenschaft und ihren Heilsbringer, den Impfstoff, zu haben. Die Politik und alle Maßnahmen schärfen uns unentwegt ein, dass unser jetziges Leben ein uneigentliches ist, ein Leben im Ausnahmezustand zu sein hat, denn das wirkliche Leben wird dann beginnen, wenn uns die Pharmaindustrie mit einem Impfstoff beglückt haben wird.

Covid-19 hat auch einen Klerus: Es handelt sich dabei um die Virologen, die uns Tag für Tag verkünden, was wir nicht alles sein zu lassen haben, bis der Impfstoff kommt. Die Wirtschaft geht zugrunde: Macht nichts, wir leben von der Erwartung. Keine Schule und kein soziales Leben mehr: Aber es gibt doch E-Learning und die neue virtuelle Welt, die so viel besser ist als die Realität. Die Kultur geht zugrunde: Auch das kein Problem, wir haben ja an deren Stelle einen neuen Kult. Dieser Kult heißt „Social Distancing“. Verbunden ist er mit dem Opfer der jungen Generation, der jede Perspektive genommen wird, und den Masken als liturgischer Kleidung. Natürlich erfolgen Sanktionierungen bei Nichteinhaltung des Kultes, der hervorragend abgesichert ist durch den dogmatischen Hintergrund der neuen Religion: Diese ist eine Religion der Angst, und ihr Kern ist der Horror vor dem anderen, der als gemeinsame Stimmung die Gesundheit des Volkskörpers garantieren soll.

Sogar die Wirtschaft ist machtlos

Wie dilettantisch waren die Rechten, die uns zwar die Angst vor dem Fremden eingebläut haben, aber doch noch gewisse Ausnahmen konzedierten. Jetzt dagegen wissen wir, dass vom anderen Todesgefahr ausgeht – ausnahmslos; der andere ist die zu vermeidende Hölle – diese Botschaft muss schon den Kindern, die anachronistischerweise in der Schule auch körperlichen Kontakt suchen, vermittelt werden. Denn merke: Selbst wenn der andere den Virus hinter sich hat, kann er wieder gefährlich werden – er ist eine Granate, die jederzeit losgehen kann.

Und sollte es sich zeigen, dass man den Virus mit herkömmlichen Medikamenten zunehmend besser in den Griff bekommt, wie Erfahrungen in den Kliniken Bergamos zeigen, so darf man das nicht zu laut verkünden, denn das könnte den Glauben an den Messias abschwächen. Und jetzt ganz aufklärerisch gesagt: Nein, es geht nicht um Verschwörungstheorien oder um irrationale Impfgegnerschaft, es geht nicht darum, in den Chor jener einzustimmen, die Covid-19 verharmlosen, etwa indem sie diese Krankheit mit einer herkömmlichen Grippe vergleichen.