Guggenberger - Solidaritätskundgebung für Engelbert Guggenberger (l.) am 3. Juli 2019 im Klagenfurter Dom
Religion

Das Image der Kirche im Sturzflug

1945 1960 1980 2000 2020

Die Diözese Gurk-Klagenfurt kommt nicht zur Ruhe, die jüngsten Entwicklungen sorgen für Wut, Empörung und Unverständnis bei den Gläubigen.

1945 1960 1980 2000 2020

Die Diözese Gurk-Klagenfurt kommt nicht zur Ruhe, die jüngsten Entwicklungen sorgen für Wut, Empörung und Unverständnis bei den Gläubigen.

Die Kirche müsse sich schämen, mit dieser Aussage ließ letzte Woche der Dompropst von Klagenfurt, Engelbert Guggenberger, in einem News-Interview aufhorchen. Er hat damit auf den Punkt gebracht, was unzählige Menschen in und außerhalb Kärntens empfinden und viele veranlasst, der Kirche ade zu sagen. Wohlgemerkt der Kirche als Institution, nicht ihrem Glauben, schon gar nicht ihrem Gott.
Die Glaubwürdigkeit der Kirche befindet sich im Sturzflug und wird demnächst eine riskante Bruchlandung hinlegen, weil sie bei der Aufarbeitung der Causa Schwarz total versagt und die Gläubigen für dumm verkauft. Für diesen Sturzflug verantwortlich sind jene, die im Cockpit schalten und walten, ohne auf das Bodenpersonal und deren verzweifelte Versuche, die Katastrophe doch noch abzuwenden, zu achten: ein Nuntius, der die Situation „witzig“ findet, sich im Zentrum des Geschehens wähnt und die ihm geschenkte Aufmerksamkeit genießt; ein Kardinal, der geknebelt und gefesselt scheint, seinen Mund nicht auftut und den Eindruck erweckt, dass ihm jede Bewegung selbst ins Fleisch schneiden würde; VIPs aus Politik und Wirtschaft, die an allen Schalthebeln herumhantieren, ohne zu wissen, was sie damit auslösen, aber laut, selbstsicher, machtgewohnt und in alter Verbundenheit mit denen, deren Jagdleidenschaft sie teilen, ihren Kurs durchsetzen wollen. Längst haben Medienverantwortliche kritischen Journalisten einen Maulkorb verpasst, die erprobten Verbindungen und Netzwerke funktionieren eben doch.
Es tröstet nicht zu wissen, dass es solche Flugzeuge und Bruchpiloten auch anderswo in unserer Kirche gibt. Es erklärt allenfalls, warum der Papst nicht überall gleichzeitig den Schalthebel an sich reißen kann, vor allem dann nicht, wenn er von der Mannschaft mit unzureichenden oder falschen Informationen versorgt wird. Und es verstärkt den Eindruck, dass die Kirche tief in einer Krise steckt, die wir nicht so schnell hinter uns lassen werden.

Wider das Unterdrücken der Wahrheit

Vielleicht trägt diese Krise aber auch die Handschrift des Heiligen Geistes. Vielleicht wird jetzt alles, was unsere Kirche verunreinigt und vergiftet hat, an die Oberfläche gespült, vor aller Augen entblößt, an Land geschwemmt. Vielleicht kommt jetzt endlich die Stunde derer, die gegen das Vertuschen, Verdrängen, das Unterdrücken der Wahrheit aufstehen und gegen die monarchischen Machtstrukturen in der Kirche ankämpfen. Die Kirche ist krank. Sonst könnte nicht ein Bischof mit seiner Lebefrau unbeeindruckt von allen Vorwürfen, was Machtmissbrauch und wirtschaftliches Fehlverhalten anbelangt, in einer anderen Diözese sein Werk unter dem Applaus seiner Freunde und einiger Ahnungsloser fortsetzen. Die Kirche ist krank. Sonst könnte nicht der Mann, der den Scherbenhaufen in Kärnten aufgearbeitet hat und im letzten Jahr zur Symbolfigur für den aufrechten Gang in der Kirche geworden ist, plötzlich abgesetzt und durch den Militärbischof ersetzt werden. Engelbert Guggenberger hat das Vertrauen so vieler Gläubiger in Kärnten wieder zurückgewonnen, seine Absetzung ist nicht nur ein Willkür­akt, sondern eine Demütigung der gesamten Diözese Gurk-Klagenfurt. Wer meint, mit diesem Schachzug zu punkten, hat von diesem Brettspiel keine Ahnung. Denn nun ist Bewegung ins Spiel gekommen. Spätes­tens jetzt sind viele aufgewacht und laufen für Guggenberger. Gestartet wurde die Petition www.pro-guggenberger.at. Dort heißt es unmissverständlich: Engelbert Guggenberger soll Kärntner Bischof werden. In den ersten 24 Stunden haben 1000 Menschen diese Petition, die weder territorial noch konfessionell begrenzt ist, sondern sich an alle mündigen Christen wendet, unterschrieben. Das „Forum mündige Christen“ hat dazu aufgerufen. Die Ortskirche erhebt ihre Stimme, sie will bei der Bestellung des nächsten Bischofs gehört werden. Sie ist lauter als je zuvor und nicht schachmatt.
Das alte Prinzip „Brav sein, Hände falten, Goschn halten“ hat ausgedient. Auf die mögliche Frage „Ja, dürfen’s denn das?“ gibt es nur eine Antwort: Ja! Im Zweiten Vatikanum wird klargestellt, dass alle Getauften am gemeinsamen Priestertum Anteil haben und berufen sind, an der Sendung der Kirche mitzuwirken. Was kann dies anderes bedeuten, als dass wir berufen sind, unseren Mund weit aufzumachen, wenn der Glaubwürdigkeit unserer Kirche eine Bruchlandung bevorsteht? Wir dürfen nicht nur aufstehen und aufschreien, wir müssen es sogar. Wir sind dazu berufen, von Christus selbst. Kein Nuntius, kein Kardinal, kein Dechant und kein Priester kann uns diese Berufung nehmen.

Die Kirche müsse sich schämen, mit dieser Aussage ließ letzte Woche der Dompropst von Klagenfurt, Engelbert Guggenberger, in einem News-Interview aufhorchen. Er hat damit auf den Punkt gebracht, was unzählige Menschen in und außerhalb Kärntens empfinden und viele veranlasst, der Kirche ade zu sagen. Wohlgemerkt der Kirche als Institution, nicht ihrem Glauben, schon gar nicht ihrem Gott.
Die Glaubwürdigkeit der Kirche befindet sich im Sturzflug und wird demnächst eine riskante Bruchlandung hinlegen, weil sie bei der Aufarbeitung der Causa Schwarz total versagt und die Gläubigen für dumm verkauft. Für diesen Sturzflug verantwortlich sind jene, die im Cockpit schalten und walten, ohne auf das Bodenpersonal und deren verzweifelte Versuche, die Katastrophe doch noch abzuwenden, zu achten: ein Nuntius, der die Situation „witzig“ findet, sich im Zentrum des Geschehens wähnt und die ihm geschenkte Aufmerksamkeit genießt; ein Kardinal, der geknebelt und gefesselt scheint, seinen Mund nicht auftut und den Eindruck erweckt, dass ihm jede Bewegung selbst ins Fleisch schneiden würde; VIPs aus Politik und Wirtschaft, die an allen Schalthebeln herumhantieren, ohne zu wissen, was sie damit auslösen, aber laut, selbstsicher, machtgewohnt und in alter Verbundenheit mit denen, deren Jagdleidenschaft sie teilen, ihren Kurs durchsetzen wollen. Längst haben Medienverantwortliche kritischen Journalisten einen Maulkorb verpasst, die erprobten Verbindungen und Netzwerke funktionieren eben doch.
Es tröstet nicht zu wissen, dass es solche Flugzeuge und Bruchpiloten auch anderswo in unserer Kirche gibt. Es erklärt allenfalls, warum der Papst nicht überall gleichzeitig den Schalthebel an sich reißen kann, vor allem dann nicht, wenn er von der Mannschaft mit unzureichenden oder falschen Informationen versorgt wird. Und es verstärkt den Eindruck, dass die Kirche tief in einer Krise steckt, die wir nicht so schnell hinter uns lassen werden.

Wider das Unterdrücken der Wahrheit

Vielleicht trägt diese Krise aber auch die Handschrift des Heiligen Geistes. Vielleicht wird jetzt alles, was unsere Kirche verunreinigt und vergiftet hat, an die Oberfläche gespült, vor aller Augen entblößt, an Land geschwemmt. Vielleicht kommt jetzt endlich die Stunde derer, die gegen das Vertuschen, Verdrängen, das Unterdrücken der Wahrheit aufstehen und gegen die monarchischen Machtstrukturen in der Kirche ankämpfen. Die Kirche ist krank. Sonst könnte nicht ein Bischof mit seiner Lebefrau unbeeindruckt von allen Vorwürfen, was Machtmissbrauch und wirtschaftliches Fehlverhalten anbelangt, in einer anderen Diözese sein Werk unter dem Applaus seiner Freunde und einiger Ahnungsloser fortsetzen. Die Kirche ist krank. Sonst könnte nicht der Mann, der den Scherbenhaufen in Kärnten aufgearbeitet hat und im letzten Jahr zur Symbolfigur für den aufrechten Gang in der Kirche geworden ist, plötzlich abgesetzt und durch den Militärbischof ersetzt werden. Engelbert Guggenberger hat das Vertrauen so vieler Gläubiger in Kärnten wieder zurückgewonnen, seine Absetzung ist nicht nur ein Willkür­akt, sondern eine Demütigung der gesamten Diözese Gurk-Klagenfurt. Wer meint, mit diesem Schachzug zu punkten, hat von diesem Brettspiel keine Ahnung. Denn nun ist Bewegung ins Spiel gekommen. Spätes­tens jetzt sind viele aufgewacht und laufen für Guggenberger. Gestartet wurde die Petition www.pro-guggenberger.at. Dort heißt es unmissverständlich: Engelbert Guggenberger soll Kärntner Bischof werden. In den ersten 24 Stunden haben 1000 Menschen diese Petition, die weder territorial noch konfessionell begrenzt ist, sondern sich an alle mündigen Christen wendet, unterschrieben. Das „Forum mündige Christen“ hat dazu aufgerufen. Die Ortskirche erhebt ihre Stimme, sie will bei der Bestellung des nächsten Bischofs gehört werden. Sie ist lauter als je zuvor und nicht schachmatt.
Das alte Prinzip „Brav sein, Hände falten, Goschn halten“ hat ausgedient. Auf die mögliche Frage „Ja, dürfen’s denn das?“ gibt es nur eine Antwort: Ja! Im Zweiten Vatikanum wird klargestellt, dass alle Getauften am gemeinsamen Priestertum Anteil haben und berufen sind, an der Sendung der Kirche mitzuwirken. Was kann dies anderes bedeuten, als dass wir berufen sind, unseren Mund weit aufzumachen, wenn der Glaubwürdigkeit unserer Kirche eine Bruchlandung bevorsteht? Wir dürfen nicht nur aufstehen und aufschreien, wir müssen es sogar. Wir sind dazu berufen, von Christus selbst. Kein Nuntius, kein Kardinal, kein Dechant und kein Priester kann uns diese Berufung nehmen.

Vielleicht trägt diese Krise aber auch die Handschrift des Heiligen Geistes. Vielleicht wird jetzt alles, was die Kirche vergiftet hat, an die Oberfläche gespült.