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Der Befreiungstheologe aus Forchtenstein

Als ihn jetzt seine Pfarren feierten - genau zur Stunde, zu der Mutter Teresa in den Kreis der Heiligen erhoben wurde -, da ließ Jakob Mitterhöfer ganz ausnahmsweise etwas von seinem spannenden "Vorleben" spüren: Er erzählte von Begegnungen mit dem "Engel von Kalkutta". Gemeinsam seien sie einmal durch eines ihrer Sterbehäuser gegangen. Wie Teresa denn so viel Schreckliches ertragen könne, wollte er dabei wissen. Ihre Antwort machte ihn sprachlos: "Es ist ja auch etwas Schönes im Leid -so wie im Kreuz Christi!" 28 Jahre lang war der aus dem burgenländischen Forchtenstein stammende Steyler Missionar, spätere Dogmatikprofessor und Dekan der Theologischen Hochschule St. Gabriel Jakob Mitterhöfer als Generalsekretär der Päpstlichen Missionswerke ("Missio Austria") in den Dunkelzonen der Welt unterwegs gewesen, um zu helfen. Es war ein endloser, bitterer Lokalaugenschein in den Zentren von Hunger, Gewalt und Ausbeutung. Geholfen haben ihm dabei die eigenen Kindheits-Erlebnisse in Krieg und Not -und eine weltoffene, zuhörende Theologie, geprägt von den drei großen "K's" der heimischen Kirche: König, Krätzl und Kuntner. Was er von seinen Weltreisen mit nach Hause nahm, war vor allem Lateinamerikas "Befreiungstheologie", für die er seit Jahrzehnten beharrlich einsteht. Und wofür er - trotz sieben Studienjahren an der elitären römischen "Gregoriana" - auch manch kirchlichen Unwillen auf sich gezogen hat. Welterfahren, theologisch wissend und widerständig - so ausgerüstet stand Mitterhöfer zunächst ratlos vor dem Angebot, für den damals über 90-jährigen, legendären Priester-Philosophen Franz Jantsch "vorübergehend" die Doppelpfarre Hinterbrühl/Maria Enzersdorf-Südstadt zu übernehmen. Aus geplanten zehn Monaten wurden zehn Jahre -"der Höhepunkt meines Lebens", wie er dieser Tage anlässlich seines 80. Geburtstags den gratulierenden Gemeinden zurief. Pfarrer sei er geworden, weil ihn sein Umfeld dazu geformt habe, "mit jedem Sonntag ein wenig mehr ", verriet er jetzt. Sein Erfolgsrezept aber hatte er wohl aus fernen Ländern mitgebracht: Offenheit, Geschwisterlichkeit und Bescheidenheit. Das Bild vom "Hirten" und der "Herde" war nie das seine. Dieses Kirchen-und Gottesbild hat viele enttäuschte Katholiken durch finstere Jahre der heimischen Kirche hindurchgetragen. Seit seinem Rückzug 2013 werkt der pfeifenrauchende und Mate-Tee liebende Jubilar als profunder Bibel-Exeget in seiner Gemeinschaft, dem Missionshaus St. Gabriel.

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