#Sexueller Missbrauch

Missbrauch in der Kirche

Religion

Der Kardinal als Täter

1945 1960 1980 2000 2020

Der Missbrauchsskandal um Kardinal Groër stürzte Österreichs katholische Kirche in eine schwere Krise.

1945 1960 1980 2000 2020

Der Missbrauchsskandal um Kardinal Groër stürzte Österreichs katholische Kirche in eine schwere Krise.

Der 18. Juli 1986 war ein heißer Sommertag. Die Nachricht, die an diesem Tag wie ein Donnerschlag über Österreichs Katholizismus hereinbrach, hatte es in sich: Hans Hermann Groër, der bis dahin nur im Kreis der Legion Mariens und ähnlichen Segmenten des konservativen Spektrums bekannt war, sollte neuer Erzbischof von Wien werden. Selbst Kardinal Franz König hatte von nichts gewusst. Viele Katholiken fühlten sich vor den Kopf gestoßen - speziell jene Generation, die den Aufbruch des II. Vatikanums mitgestaltet hatte.

Eine Weichenstellung in Richtung Krise für Österreichs katholische Kirche, die noch drei Jahre zuvor beim Katholikentag und ersten Papstbesuch in Österreich sich als große, bunte, vitale Kraft präsentiert hatte. Was die konzilsbewegte große Mehrheit der Katholiken (dass es sich tatsächlich um eine solche Mehrheit handelte, zeigte sich noch Jahre später sowohl beim Kirchenvolks-Begehren 1995 als auch beim "Dialog für Österreich" 1998) aber unterschätzt und auch versäumt hatte, war, das Augenmerk auf die Aktivitäten einer kleinen, aber hochaktiven Gruppe zu richten, die Österreichs moderaten Kirchenkurs der Ära König in Rom anschwärzte - und zwar so erfolgreich, dass Österreich nach den Niederlanden das zweite Land war, in dem der kirchliche Aufbruch von oben ruiniert wurde.

Spürbarer Widerstand

Der Juli 1986 war aber auch ein Fanal dafür, wie gründlich das intransparente und die Ortskirche ausschließende Geheimverfahren der Bischofsernennungen danebengehen kann: Hans Hermann Groër war als Spiritus Rector unter anderem für den Aufstieg des Weinviertler Dorfes Roggendorf zum Marienwallfahrtsort verantwortlich. Seine schrullige Spiritualität stand aber in scharfem Kontrast zur Ära des weltläufigen Kardinals König. Groër entpuppte sich als Speerspitze der erzkonservativen Reconquista, andere (Weih-)Bischofsernennungen - Alfred Kostelecky (Militär), Kurt Krenn (Wien, dann St. Pölten), Georg Eder und Andreas Laun (Salzburg), Klaus Küng (Feldkirch) - komplettierten den Rückschlag, von dem sich Österreichs katholische Kirche nicht mehr erholt hat, auch wenn der Widerstand zunächst noch spürbar war: So musste Kurt Krenn bei seiner Weihe zum Wiener Weihbischof 1987 noch über einen Menschenteppich in den Stephansdom getragen werden.

Konservativer Putsch

Der konservative Putsch von oben wirbelte zwar Österreichs Kirche durcheinander, das eigentliche Dunkel der Ära Groër waren aber die Sex-Affären, die dem Kardinal später zur Last gelegt wurden. Österreichs Kirche kommt dabei eine zweifelhafte "Vorreiterrolle" zu: Jahre bevor die katholische Kirche in den usa, in Irland, Großbritannien und anderen Weltgegenden durch Missbrauchsskandale desavouiert wurde, stand Österreich diesbezüglich im Rampenlicht. Dazu kam, dass es in den späteren Fällen ums Versagen von Bischöfen in ihrer Leitungsaufgabe ging: des Missbrauchs verdächtige Priester waren von ihren Bischöfen etwa lediglich versetzt worden. Im Fall Groër hingegen stand ein Kardinal-Erzbischof selbst als "Täter" da - ein in der jüngeren Kirchengeschichte unerhörter Vorgang.

Auch dies stellt dem römischen Auswahlverfahren für Bischöfe ein Armutszeugnis aus, außerdem hätte nur der Papst klärend eingreifen können, denn die Angelegenheiten von Kardinälen sind in der katholischen Kirche Chefsache. Johannes Paul II. beschränkte sich aber darauf, halbherzige Maßnahmen zu setzen.

Das österreichische Sittenbild rund um den Fall Groër war kaum erfreulicher: Schon in den Julitagen 1986 gab es erste Missbrauchs-Gerüchte aus der Zeit, als Groër noch Pädagoge im Knabenseminar Hollabrunn gewesen war. Hinter vorgehaltener Hand erzählten ehemalige Hollabrunn-Zöglinge von seltsamen Spielen und Begebenheiten mit Groër, Journalisten, die die Ex-Seminaristen zur Öffentlichmachung solcher Vorgänge drängten, blitzten jedoch ab: ein Schutzreflex gegenüber der mächtigen Kirche, die Scham, an die Öffentlichkeit zu gehen sowie eine generelle Tabuisierung des Themas bauten die Mauer des Schweigens auf.

Forderung nach Reformen

Erst 1995 fiel diese Mauer in sich zusammen: Groër hatte zur Fastenzeit 1995 das kirchliche Kommunionsverbot für wiederverheiratete Geschiedene bekräftigt und dies mit dem Bibelzitat "Täuscht euch nicht! Weder Unzüchtige noch Götzendiener, weder Ehebrecher noch Lustknaben werden das Reich Gottes erben." unterstrichen. Angesichts solcher Worte hielt der Ex-Hollabrunner Josef Hartmann nicht mehr still und erzählte dem Nachrichtenmagazin profil seine Missbrauchsgeschichte mit Groër. profil machte den Skandal Ende März 1995 öffentlich; Groër selbst weigerte sich, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen (eine Verhaltensweise, die er bis zu seinem Tod beibehielt), juristisch war die Angelegenheit verjährt. Ein Sturm der Entrüstung folgte, auf der strukturellen Ebene passierte einiges - unüblich schnell: Groër trat als Vorsitzender der Bischofskonferenz zurück, der Wiener Weihbischof Christoph Schönborn wurde sein Koadjutor, im August 1995 wurde Schönborn Erzbischof von Wien. In den Apriltagen 1995 entstand in Tirol auch das "Kirchenvolks-Begehren", eine Initiative mit innerkirchlichen Reformforderungen, die von mehr als einer halben Million Österreicher unterschrieben wurde.

Die 1995er Ereignisse hatten die Kirche arg gebeutelt, was sich nicht zuletzt an den Austrittszahlen ablesen ließ. Der neue Bischofskonferenzvorsitzende, Johann Weber, setzte Initiativen zur Befriedung dieser Kirchenlage - etwa die Wallfahrt der Vielfalt nach Mariazell unter dem Motto "Beten und streiten" oder der für 1998 geplante "Dialog für Österreich".

Eingeständnis ohne Folgen

Zur Jahreswende 1997/98 - Groër hatte sich längst in "seinen" Wallfahrtsort Maria Roggendorf zurückgezogen - brach dann die zweite Affäre Groër auf. Diesmal ging es nicht um Missbrauch, sondern um homosexuelle Beziehungen zu Erwachsenen - etwa Mönchen des Stiftes Göttweig, dem Groër vor seiner Bischofszeit angehört hatte; einige Vorwürfe bezogen sich auch auf Groërs Zeit als Erzbischof von Wien. Auch diesmal eskalierte die öffentliche Kritik dermaßen, dass sich am 27. Februar 1998 die (Erz-) Bischöfe Schönborn (Wien), Eder (Salzburg), Weber (Graz) und Kapellari (Klagenfurt) zur Erklärung genötigt sahen: "Wir sind nun zu der moralischen Gewissheit gelangt, dass die gegen Alterzbischof Kardinal Hans Hermann Groër erhobenen Vorwürfe im Wesentlichen zutreffen." Solches Eingeständnis war in der Kirchengeschichte bislang unerhört, aber da Groër weiter schwieg und keine strafrechtlichen Vorwürfe vorlagen, konnte nichts weiter geklärt werden; auch der Papst machte keine Anstalten, den Kardinal zu sanktionieren; nur zu einer nebulosen Verzeihungsbitte zeigte sich Groër bereit - und zog sich als gebrochener Mann ins Zisterzienserinnenkloster Marienfeld zurück, wo er unverstanden und ohne Verständnis 2003 starb.

Der von Bischof Weber initiierte "Dialog für Österreich", der im Herbst 1998 mit einer Delegiertenversammlung in Salzburg abgeschlossen wurde, erhielt eine noch einmal aufbäumende Dynamik, zumal Reformgruppen wie die Proponenten des Kirchenvolks-Begehrens eingebunden wurden. Die Delegierten von Salzburg einigten sich mit riesigen Mehrheiten auf gemäßigte Forderungen zur Kirchenreform - darunter etwa das Überdenken des Plichtzölibats. Keiner dieser Forderungen wurde von Rom entsprochen. "Der Dialog ist tot." Mit diesem Ausspruch qualifizierte Kurt Krenn wenig später die Ergebnisse von Salzburg in unfreundlichem Ton, aber in der Sache treffend, ab.

"Der Dialog ist tot"

Der Fall Groër war für Österreichs Kirchensituation in mehrfacher Weise exemplarisch: Zum einen offenbarte sich darin die fundamentale Leitungskrise der katholischen Kirche: Die inferiore Auswahl ihrer Leitungsorgane fiel der heimischen Kirche auf den Kopf. Als zweites stellen die Affären die Kulmination der Unfähigkeit der katholischen Kirche dar, mit Fragen der Sexualität produktiv und menschlich umzugehen. Den latenten Hautgout des Missbrauchs hat die Kirche nicht mehr losbekommen. Zum dritten zeigte die Causa Groër, dass eine vitale Ortskirche von oben zerrüttet werden kann. Man mag einwenden, die Decke dieser "Vitalität" sei dünn gewesen, wenn Rom durch ein paar Bischofsernennungen den Kirchenkurs umdrehen konnte. Solche Einschätzung mag stimmen - oder auch nicht. Auch wenn unter Kardinal Schönborn eine atmosphärische Beruhigung eingetreten ist, bleibt die Tatsache: Die konservative Gegenreform von oben in der katholischen Kirche Österreichs ist gelungen.

Der 18. Juli 1986 war ein heißer Sommertag. Die Nachricht, die an diesem Tag wie ein Donnerschlag über Österreichs Katholizismus hereinbrach, hatte es in sich: Hans Hermann Groër, der bis dahin nur im Kreis der Legion Mariens und ähnlichen Segmenten des konservativen Spektrums bekannt war, sollte neuer Erzbischof von Wien werden. Selbst Kardinal Franz König hatte von nichts gewusst. Viele Katholiken fühlten sich vor den Kopf gestoßen - speziell jene Generation, die den Aufbruch des II. Vatikanums mitgestaltet hatte.

Eine Weichenstellung in Richtung Krise für Österreichs katholische Kirche, die noch drei Jahre zuvor beim Katholikentag und ersten Papstbesuch in Österreich sich als große, bunte, vitale Kraft präsentiert hatte. Was die konzilsbewegte große Mehrheit der Katholiken (dass es sich tatsächlich um eine solche Mehrheit handelte, zeigte sich noch Jahre später sowohl beim Kirchenvolks-Begehren 1995 als auch beim "Dialog für Österreich" 1998) aber unterschätzt und auch versäumt hatte, war, das Augenmerk auf die Aktivitäten einer kleinen, aber hochaktiven Gruppe zu richten, die Österreichs moderaten Kirchenkurs der Ära König in Rom anschwärzte - und zwar so erfolgreich, dass Österreich nach den Niederlanden das zweite Land war, in dem der kirchliche Aufbruch von oben ruiniert wurde.

Spürbarer Widerstand

Der Juli 1986 war aber auch ein Fanal dafür, wie gründlich das intransparente und die Ortskirche ausschließende Geheimverfahren der Bischofsernennungen danebengehen kann: Hans Hermann Groër war als Spiritus Rector unter anderem für den Aufstieg des Weinviertler Dorfes Roggendorf zum Marienwallfahrtsort verantwortlich. Seine schrullige Spiritualität stand aber in scharfem Kontrast zur Ära des weltläufigen Kardinals König. Groër entpuppte sich als Speerspitze der erzkonservativen Reconquista, andere (Weih-)Bischofsernennungen - Alfred Kostelecky (Militär), Kurt Krenn (Wien, dann St. Pölten), Georg Eder und Andreas Laun (Salzburg), Klaus Küng (Feldkirch) - komplettierten den Rückschlag, von dem sich Österreichs katholische Kirche nicht mehr erholt hat, auch wenn der Widerstand zunächst noch spürbar war: So musste Kurt Krenn bei seiner Weihe zum Wiener Weihbischof 1987 noch über einen Menschenteppich in den Stephansdom getragen werden.

Konservativer Putsch

Der konservative Putsch von oben wirbelte zwar Österreichs Kirche durcheinander, das eigentliche Dunkel der Ära Groër waren aber die Sex-Affären, die dem Kardinal später zur Last gelegt wurden. Österreichs Kirche kommt dabei eine zweifelhafte "Vorreiterrolle" zu: Jahre bevor die katholische Kirche in den usa, in Irland, Großbritannien und anderen Weltgegenden durch Missbrauchsskandale desavouiert wurde, stand Österreich diesbezüglich im Rampenlicht. Dazu kam, dass es in den späteren Fällen ums Versagen von Bischöfen in ihrer Leitungsaufgabe ging: des Missbrauchs verdächtige Priester waren von ihren Bischöfen etwa lediglich versetzt worden. Im Fall Groër hingegen stand ein Kardinal-Erzbischof selbst als "Täter" da - ein in der jüngeren Kirchengeschichte unerhörter Vorgang.

Auch dies stellt dem römischen Auswahlverfahren für Bischöfe ein Armutszeugnis aus, außerdem hätte nur der Papst klärend eingreifen können, denn die Angelegenheiten von Kardinälen sind in der katholischen Kirche Chefsache. Johannes Paul II. beschränkte sich aber darauf, halbherzige Maßnahmen zu setzen.

Das österreichische Sittenbild rund um den Fall Groër war kaum erfreulicher: Schon in den Julitagen 1986 gab es erste Missbrauchs-Gerüchte aus der Zeit, als Groër noch Pädagoge im Knabenseminar Hollabrunn gewesen war. Hinter vorgehaltener Hand erzählten ehemalige Hollabrunn-Zöglinge von seltsamen Spielen und Begebenheiten mit Groër, Journalisten, die die Ex-Seminaristen zur Öffentlichmachung solcher Vorgänge drängten, blitzten jedoch ab: ein Schutzreflex gegenüber der mächtigen Kirche, die Scham, an die Öffentlichkeit zu gehen sowie eine generelle Tabuisierung des Themas bauten die Mauer des Schweigens auf.

Forderung nach Reformen

Erst 1995 fiel diese Mauer in sich zusammen: Groër hatte zur Fastenzeit 1995 das kirchliche Kommunionsverbot für wiederverheiratete Geschiedene bekräftigt und dies mit dem Bibelzitat "Täuscht euch nicht! Weder Unzüchtige noch Götzendiener, weder Ehebrecher noch Lustknaben werden das Reich Gottes erben." unterstrichen. Angesichts solcher Worte hielt der Ex-Hollabrunner Josef Hartmann nicht mehr still und erzählte dem Nachrichtenmagazin profil seine Missbrauchsgeschichte mit Groër. profil machte den Skandal Ende März 1995 öffentlich; Groër selbst weigerte sich, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen (eine Verhaltensweise, die er bis zu seinem Tod beibehielt), juristisch war die Angelegenheit verjährt. Ein Sturm der Entrüstung folgte, auf der strukturellen Ebene passierte einiges - unüblich schnell: Groër trat als Vorsitzender der Bischofskonferenz zurück, der Wiener Weihbischof Christoph Schönborn wurde sein Koadjutor, im August 1995 wurde Schönborn Erzbischof von Wien. In den Apriltagen 1995 entstand in Tirol auch das "Kirchenvolks-Begehren", eine Initiative mit innerkirchlichen Reformforderungen, die von mehr als einer halben Million Österreicher unterschrieben wurde.

Die 1995er Ereignisse hatten die Kirche arg gebeutelt, was sich nicht zuletzt an den Austrittszahlen ablesen ließ. Der neue Bischofskonferenzvorsitzende, Johann Weber, setzte Initiativen zur Befriedung dieser Kirchenlage - etwa die Wallfahrt der Vielfalt nach Mariazell unter dem Motto "Beten und streiten" oder der für 1998 geplante "Dialog für Österreich".

Eingeständnis ohne Folgen

Zur Jahreswende 1997/98 - Groër hatte sich längst in "seinen" Wallfahrtsort Maria Roggendorf zurückgezogen - brach dann die zweite Affäre Groër auf. Diesmal ging es nicht um Missbrauch, sondern um homosexuelle Beziehungen zu Erwachsenen - etwa Mönchen des Stiftes Göttweig, dem Groër vor seiner Bischofszeit angehört hatte; einige Vorwürfe bezogen sich auch auf Groërs Zeit als Erzbischof von Wien. Auch diesmal eskalierte die öffentliche Kritik dermaßen, dass sich am 27. Februar 1998 die (Erz-) Bischöfe Schönborn (Wien), Eder (Salzburg), Weber (Graz) und Kapellari (Klagenfurt) zur Erklärung genötigt sahen: "Wir sind nun zu der moralischen Gewissheit gelangt, dass die gegen Alterzbischof Kardinal Hans Hermann Groër erhobenen Vorwürfe im Wesentlichen zutreffen." Solches Eingeständnis war in der Kirchengeschichte bislang unerhört, aber da Groër weiter schwieg und keine strafrechtlichen Vorwürfe vorlagen, konnte nichts weiter geklärt werden; auch der Papst machte keine Anstalten, den Kardinal zu sanktionieren; nur zu einer nebulosen Verzeihungsbitte zeigte sich Groër bereit - und zog sich als gebrochener Mann ins Zisterzienserinnenkloster Marienfeld zurück, wo er unverstanden und ohne Verständnis 2003 starb.

Der von Bischof Weber initiierte "Dialog für Österreich", der im Herbst 1998 mit einer Delegiertenversammlung in Salzburg abgeschlossen wurde, erhielt eine noch einmal aufbäumende Dynamik, zumal Reformgruppen wie die Proponenten des Kirchenvolks-Begehrens eingebunden wurden. Die Delegierten von Salzburg einigten sich mit riesigen Mehrheiten auf gemäßigte Forderungen zur Kirchenreform - darunter etwa das Überdenken des Plichtzölibats. Keiner dieser Forderungen wurde von Rom entsprochen. "Der Dialog ist tot." Mit diesem Ausspruch qualifizierte Kurt Krenn wenig später die Ergebnisse von Salzburg in unfreundlichem Ton, aber in der Sache treffend, ab.

"Der Dialog ist tot"

Der Fall Groër war für Österreichs Kirchensituation in mehrfacher Weise exemplarisch: Zum einen offenbarte sich darin die fundamentale Leitungskrise der katholischen Kirche: Die inferiore Auswahl ihrer Leitungsorgane fiel der heimischen Kirche auf den Kopf. Als zweites stellen die Affären die Kulmination der Unfähigkeit der katholischen Kirche dar, mit Fragen der Sexualität produktiv und menschlich umzugehen. Den latenten Hautgout des Missbrauchs hat die Kirche nicht mehr losbekommen. Zum dritten zeigte die Causa Groër, dass eine vitale Ortskirche von oben zerrüttet werden kann. Man mag einwenden, die Decke dieser "Vitalität" sei dünn gewesen, wenn Rom durch ein paar Bischofsernennungen den Kirchenkurs umdrehen konnte. Solche Einschätzung mag stimmen - oder auch nicht. Auch wenn unter Kardinal Schönborn eine atmosphärische Beruhigung eingetreten ist, bleibt die Tatsache: Die konservative Gegenreform von oben in der katholischen Kirche Österreichs ist gelungen.