Ramadan, der "Sultan der Monate", neigt sich dem Ende zu. Die letzten Tage bringen spirituell noch einmal konzentriert einen besonderen Ansporn, alle Aspekte des Fastenmonats auszuschöpfen: Soziale Gerechtigkeit nicht nur als Anspruch zu bejahen, sondern ein Stück in die eigene Lebenswirklichkeit zu übertragen.

*Wem der Magen knurrt, erinnert sich eher der Gnade, ausreichend versorgt zu sein. Wird Solidarität mit den Armen körperlich spürbar, öffnet sich hoffentlich nicht nur das Herz, sondern auch die Geldbörse selbstverständlich.

*Geduld zu üben, weil Fasten mehr bedeutet als auf den Sonnenuntergang zu warten, wenn Essen und Trinken wieder erlaubt sind. Mäßigung heißt auch Selbstbeherrschung. Eigenes Handeln soll in seiner sozialen Wirkung so reflektiert werden, dass sich Gezänk und Unfrieden stiften von selbst verbietet, Versöhnung in den Vordergrund rückt.

*Vertrauen zu können. Vorgeschrieben nur jenen Muslimen, die körperlich dazu in der Lage sind, ist das Fasterlebnis gänzlich von jeder Diäterfahrung zu unterscheiden. Hier geht es nicht ums Abnehmen, sondern um ein Zunehmen des persönlichen Glaubens, der in dem sich Anvertrauen an eine im Koran offenbarte Übung innere Stärkung erhält.

Motor sein für den Rest des Jahres - das kann der Ramadan. Oft mit leiser Wehmut nehmen jene ca. 80% Muslime in Österreich, die ihn einhalten, darum auch Abschied, wenn sich am Montag, dem 23. Oktober die Feiertage anschließen. Schließlich bietet die Besinnung auf das Wesentliche in diesem Monat auch ein Stück Geborgenheit in einer schrillen und oft unfriedlichen Zeit. So wie Hingabe an Gott Verantwortung für die Menschen einschließen soll, liegt darin kein Rückzug, sondern ein Auftanken für das sich Einsetzen in der Gesellschaft.

Die Autorin ist Medienreferentin der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich.

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