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Die Verwirrung der Ökonomie

Unabhängig davon, wie präzise die mathematischen Modelle der Ökonomie sind, müssen wir doch immer wieder erkennen, dass ihre Resultate nur auf einem Bein stehen, weil wir entscheidende Werte übersehen, jene Werte, die nicht gezählt und gemessen werden können. Die Verwirrung unserer Modelle bedeutet auch, dass wir weder eine gegenwärtige noch eine zukünftige Entwicklung voraussagen können. Wir müssen also die Unsicherheit zugeben und uns Reserven für unerwartete Ereignisse schaffen. Genau das Gegenteil ist in den vergangenen Jahren aber geschehen.

Ökonomen sind nicht wertneutral, wie allgemein gesagt wird. Im Gegenteil: Sie schaffen und propagieren eine ökonomische Ethik und ökonomischen Glauben. Und gerade diese Glaubenssätze schlagen sich dann in der Wirklichkeit nieder. Wir sollten also mit unseren Modelle, Prophetien, unseren Rat als Ökonomen keine Alleinstellung beanspruchen. Die Ökonomie kann nur Werte sehen, die kalkulierbar und berechenbar sind, was auch heißt, dass wir einige wichtige Werte niemals zu Gesicht bekommen. Wir könnten sogar soweit gehen, zu behaupten, dass wir in einem Zeitalter leben, in dem nur jene Werte überleben, die von ökonomischem Nutzen sind und einer ökonomischen Logik entsprechen.

Ökonomie sollte dagegen wie eine Geisteswissenschaft gelehrt werden und mit anderen Wissenschaften in einen intensiven Dialog treten. Und während wir also versuchen, ein besseres System zu schaffen, müssen wir uns immer gewiss sein, dass wir kein perfektes System schaffen können und uns damit auseinandersetzen, was eigentlich zu tun wäre, wenn dieses System an einen Nullpunkt kommt. Wie man also die Volkswirtschaften wieder aufbauen kann, und zwar nachhaltig, und nicht unsystematisch, wie wir das nach der letzten Krise getan haben.

Der Autor ist Professor für Ökonomie an der Karlsuniversität Prag

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