Religion

Ehrenamtliche Priester für engagierte christliche Gemeinden

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

Was Pastoraltheologe Paul Zulehner in seinem Beitrag zur Amazonien-Synode nur kurz ansprechen kann, faltet er in seinem neuen Buch „Naht das Ende des Priestermangels?“ aus. Der vom Autor als „Essay“ titulierte Band nimmt das von Zulehner bereits wiederholt thematisierte Modell des südafrikanischen Bischofs Fritz Lobinger auf, dessen Chancen auf kirchliche Akzeptanz im derzeitigen Pontifikat und speziell der Amazonien- Synode er wesentlich chancenreicher beurteilt als zuvor. Der heute 90-jährige gebürtige Deutsche Lobinger war von 1987 bis 2004 Bischof von Aliwal North in Südafrika. Um 2000 entwickelte er, theologisch begleitet von Zulehner und dem Münchner Dogmatiker Peter Neuner, ein Modell für funktionierende christliche Gemeinden, die keinen Pries ter haben bzw. wo ein Priester nur selten hinkommt. Lobinger schlägt vor, dass diese Gemeinden mindestens drei erfahrene Personen (personae probatae) wählen, denen nach einer pastoraltheologischen Ausbildung ehrenamtlich die Leitung der Eucharistie und die Spendung des Bußsakraments übertragen wird.

Zulehner buchstabiert historisch, theologisch und pastoral die Berechtigung (und Notwendigkeit) dieses Modells durch, seine Argumente sind ebenso einfach wie bestechend. Der Autor führt auch Beispiele an – etwa aus der französischen Diözese Poitiers –, wo Elemente des Lobinger-Vorschlags bereits auf dem Weg sind. Und natürlich setzt er das Ganze in den Kontext der Amazonien-Synode, die wie geschaffen scheint, ein derartiges Modell ad experimentum auszuprobieren. Natürlich weiß Zulehner um die innerkirchlichen Widerstände, die sich da nach wie vor auftun. Aber auch kirchliche Gegner werden ihre Argumentation gut begründen müssen, denn das, was der Pastoraltheologe hier vorlegt, hat schon Hand und Fuß. Offen bleibt, ob sich die „Panikzentralisten“ (© Zulehner) innerkirchlich durchsetzen werden, oder ob doch neue Wege auch in Bezug aufs Priestertum beschritten werden können. Angesichts der „eucharistischen Not“, die ja auch Papst Franziskus ortet, wäre letzteres mehr als wünschenswert.