Ein Anschlag auf Israels Ansehen

Avi Primor, der frühere Botschafter Israels in Deutschland, kritisiert in der „Süddeutschen“ die Fixierung seines Landes auf Geheimdienst-Methoden.

Das Attentat auf den Hamas-Funktionär Mahmud al-Mabhuh, das weltweit Israel zugeschrieben wird, ist weitgehend als ein Scheitern des israelischen Geheimdienstes Mossad dargestellt worden. In Anlehnung an die Watergate-Affäre wurde die Aktion in manchen Medien schon „Mossad-Gate“ genannt. Von den israelischen Medien wird sie unterschiedlich bewertet. Manche sprechen von einer erfolgreichen Aktion, denn letztlich wurde doch das Ziel erreicht: Ein Hamas-Terrorist, der unter anderem für den Waffenschmuggel aus Iran in den Gaza-Streifen zuständig war, wurde tatsächlich beseitigt, und die Attentäter konnten allesamt unbeschadet entkommen.

Zwar hat das für Israel im Hinblick auf den Missbrauch von Passdaten europäischer Bürger durch die Attentäter zu diplomatischen Unannehmlichkeiten geführt. Mit diplomatischen Reibereien dieser Art sah Israel sich jedoch in der Vergangenheit schon mehrmals konfrontiert und hat sie am Ende stets gut überstanden. In der Tat ähneln sich die Methoden der Geheimdienste weltweit, und der Protest ist nur eine diplomatische Notwendigkeit. Für den Mossad hat es in der Vergangenheit schon so manche Fehlschläge gegeben – erfolglose Anschlagsversuche, Anschläge, die die Falschen trafen, und andere, nach denen die Geheimagenten verhaftet worden sind. So war es diesmal in Dubai nicht. Und dennoch war es kein Erfolg. Die Umgangsmethoden der Israelis mit arabischen Angriffen oder Bedrohungen haben sich im Laufe der Jahre gewandelt. Dabei wurde das Gewicht zunehmend von Verteidigungs- oder Vorbeugungsmaßnahmen gegen Aggressionen arabischer Armeen auf gezielte Schläge gegen Terroristen oder mutmaßliche Terroristen gelegt.

Die Theorie lautet, man müsse mittels geduldiger Spionagearbeit im arabischen Raum die Terroristen, die Israel bedrohen, entdecken und sie dann mit Hilfe der Streitkräfte oder Geheimagenten gezielt beseitigen. So sollen fundamentalistische und terroristische Bewegungen führungslos gemacht und lahmgelegt werden. Auf die Weise, glaubt man, würden der Terrorismus effizient bekämpft und Kollateralschäden weitgehend vermieden, sodass auch Israels Ansehen auf internationaler Ebene keinen Schaden nehmen würde. Doch die Richtigkeit dieser Theorie ist bereits seit Jahrzehnten fraglich. […]

Die Souveränität eines arabischen Landes verletzt

Wenn man heute in Israel von einem Scheitern des Attentats auf Mahmud al-Mabhuh spricht, so geht es nicht nur um erhebliche technische und methodische Fehler in der Vorgehensweise des Geheimdienstes bei der Aktion in Dubai. Es geht auch darum, dass Israel den Weltmedien zufolge die Souveränität eines freundlichen arabischen Landes gefährlich verletzt hat. Noch mehr geht es darum, dass die Aktion Israels weltweit in den letzten Jahren schon schwer angeschlagenes Ansehen weiter empfindlich beeinträchtigt hat – und all dies, ohne den Terror eindeutig zu behindern. In der Hauptsache aber geht es um die wesentlichere Frage, ob dieser Sonderkrieg, den Israel seit Jahrzehnten führt, für Israel von Vorteil oder ein Hindernis ist. […]

Falls das so bleiben sollte, wird auch das Westjordanland nicht auf Dauer zur Ruhe kommen. Die echte Methode der Terrorbekämpfung ist eine koordinierte, parallel geführte Arbeit: Die gezielte geheimdienstliche Bekämpfung des Terrorismus muss mit einer politischen Lösung einhergehen, die die Bevölkerung, aus der die Terroristen kommen, befriedigen kann. Das eine oder das andere alleine kann keine Lösung sein. Beides zusammen würde Israel Erfolge bescheren – sowohl in seinem Streben nach Sicherheit wie auch in einer Stärkung seiner politischen Position im Nahen Osten und weltweit.

* Süddeutsche Zeitung, 23. Februar 2010

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