Ein Gespräch über Leben und Tod

Als Henri Antoine Grouès zehn Jahre alt ist, stirbt sein Großvater. Zu diesem Zeitpunkt kommt er zum ersten Mal in Kontakt mit dem Tod. Der Großvater war ein wichtiger Mensch im Leben des Buben, doch er ist nicht traurig, denn Henri ist sich sicher: Der Großvater ist gut im Himmel aufgenommen worden.

Während des Zweiten Weltkriegs wird Henri Grouès als Abbé Pierre bekannt. Er verhilft Juden und politisch Verfolgten zur Flucht, wird "Vater der Armen“ und Gründer der bekannten Emmaus-Bewegung. Die Organisation gibt heute in über 36 Ländern Hilfe zur Selbsthilfe. Schließlich wird Abbé Pierre Nationalratsabgeordnter in Frankreich und führt 30 Jahre lang die Liste der beliebtesten Franzosen an. Im Jahr 2007 stirbt der französische Priester hochgeehrt.

Mit 87 Jahren, knapp 80 Jahre nach dem ersten Kontakt mit dem Tod, hat Abbé Pierre ein Gespräch mit einem fiktiven Kind über das Sterben geführt. Nun, zu seinem 100. Geburtstag, hat der Tyrolia-Verlag das Gespräch erstmals in deutscher Sprache herausgebracht. "Was ist das, der Tod? - Ein Gespräch über den Sinn des Lebens“ lautet der Titel des schmalen Bandes, in dem es auch um Themen wie Suizid, Angst vor dem Tod und Trauer geht. Anhand von Anekdoten aus seinem Leben beantwortet Abbé Pierre auf einfühlsame Weise Kinderfragen: Weiß man, wann man stirbt? Warum lässt Gott Leid zu? Was passiert mit uns nach dem Tod? Er erzählt dem Kind von einem Schiffsunglück, bei dem unzählige Menschen gestorben sind. Er erzählt ihm vom Tod einer sehr wichtigen Freundin. Und Abbé Pierre erzählt ihm, warum es sich trotzdem zu leben lohnt. Während er sich mit dem Kind über Tod und Trauer austauscht, erklärt er freilich nicht nur, warum man davor keine Angst zu haben braucht, sondern nähert sich dabei auch der Frage nach dem Sinn des Lebens. Der 87-Jährige sagt: "Vom Tod sprechen, heißt auch vom Leben sprechen.“

Was ist das, der Tod?

Ein Gespräch über den Sinn des Lebens. Von Abbé Pierre

Tyrolia Verlag 2012, 77 S., geb., € 12,95

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