Ein Gespräch unter Freunden

Der Grazer emeritierte Bischof Egon Kapellari und ich trafen vergangene Woche im Wiener Schottenstift zusammen. Auf Einladung des Dr. Karl-Kummer-Instituts ging es auch darum, an 50 Jahre "Nostra Aetate" zu erinnern, jener Erklärung des II. Vatikanums, die von Kardinal König maßgeblich beeinflusst worden war und zu einer Annäherung von Juden und Katholiken geführt hat. Die Formulierung einer neuen Karfreitagsfürbitte für den außerordentlichen Messritus durch Benedikt XVI. hatte 2008 zur erheblichen Eintrübung dieser Beziehungen geführt. Dort heißt es: "Lasst uns auch beten für die Juden, auf dass Gott, unser Herr, ihre Herzen erleuchte, damit sie Jesus Christus erkennen, den Retter aller Menschen."

Bedeutendes war von Kapellari zu hören: Christlicher Antijudaismus habe den Widerstand gegen NS-Rassenwahn entscheidend geschwächt. Der Bischof zitierte Kurienkardinal Kurt Koch, demzufolge der Widerstand der Christen gegen den nationalsozialistischen Antisemitismus deshalb so schwach gewesen sei, "weil ein über Jahrhunderte hin wirksamer christlich-theologischer Antijudaismus eine weit verbreitete Antipathie gegen Juden begünstigt habe".

Davon ausgehend nahm Kapellari zu christlicher Judenmission Stellung: Der Begriff "Mission" gegenüber dem Judentum sei verletzend. Denn der Bund Gottes mit Abraham sei nicht aufgehoben und könne "für das Judentum durch den neutestamentlichen Bund nicht relativiert" werden. Als wertvoll Erkanntes auch anderen mitzuteilen, habe mit Mission nichts zu tun und bezieht sich aufs Christuszeugnis der Kirche. Andererseits trenne die christliche Sicht auf Jesus beide Religionen "in einer Differenz, die wohl bis zum Ende der Geschichte bleiben wird". Mit dieser klaren Aussage gelingt Kapellari, die Distanz von 2008 in große Nähe zu verwandeln. Er sagt das, was man sich unter Freunden sagen kann.

Der Autor ist Rabbiner und Direktor der School of Jewish Theology an der Universität Potsdam

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