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Frau - Partnerin in der Kirche!?

Was sich vor zwanzig Jahren für Frauen in der katholischen Kirche längst anbahnte, muss heute neu und mit einem "zweiten" Mut erkämpft werden.

Die Frage des Amtes der Frau bedarf noch sorgfältiger theologischer Studien und ökumenischer Gespräche. Kaum ein theologischer Zweifel besteht darin, dass Frauen zum Amt des Diakonates zugelassen werden könnten. Die deutschsprachigen Synoden haben sich daher mit großen Mehrheiten dafür ausgesprochen, dass in unseren Ländern Frauen wieder zum Diakonat zugelassen werden, wie dies in Teilen der alten Kirche Jahrhunderte hindurch selbstverständlich war.

Dieses Zitat stammt nicht etwa aus einer Presseaussendung der Katholischen Frauenbewegung, es ist vielmehr wortgetreu einer offiziellen, von der Österreichischen Bischofskonferenz für Seelsorger empfohlenen Handreichung der Pastoralkommission Österreichs entnommen, die 1986 zum Thema Frau - Partnerin in der Kirche herausgegeben wurde.

Überlebensfrage für Kirche

Bereits 1963 hatte Papst Johannes XXIII. die "Frauenfrage" als Überlebensfrage für Kirche und Gesellschaft erkannt, als "Zeichen der Zeit", das keinesfalls als bloße Modeerscheinung abgetan werden dürfe. Dementsprechend haben sich Gesellschaft und Kirche zur gleichen Zeit auf den Weg der sogenannten 2. Frauenbewegung begeben. Die späten siebziger und die frühen achtziger Jahre sahen die Kirche zwar nicht an der Spitze des Umbruchs, der Konzilsgeist mit seiner Ermutigung zum Öffnen der Fenster war aber eine starke Triebfeder für die Verantwortlichen, sich für die Gleichberechtigung im gesellschaftlichen Bereich einzusetzen und auch in der Kirche Schritte zu tun, um der "Magna Charta der Gleichberechtigung unter Christen", dem Pauluswort, dass es "nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau gibt", verstärkt Rechnung zu tragen. In der Gesellschaft wurde kontinuierlich an diesem Prozess weiter gearbeitet, wurden Fortschritte erzielt, wenn auch immer wieder von Rückschlägen begleitet, wo aber ist er innerkirchlich geblieben?

Freilich, Frauen dürfen Theologie studieren, ihr Dienst als Ministrantinnen ist längst zur Gewohnheit geworden, sie haben hohe Positionen in der Verwaltung und es ist ihnen selbstverständlich weiterhin gestattet, durch ihren - hauptsächlich ehrenamtlichen - Einsatz auf allen Ebenen, den kirchlichen Alltag erst zu ermöglichen. Jedoch die derzeit spürbare Rückname von gemeinsamer Verantwortung, die verstärkte Tabuisierung der Amtsfrage, das rigorose "Schluss der Debatte", das viele Verletzungen hervorrief, viel Erklärungsbedarf nach sich zieht, lässt schmerzhaft bewusst werden, dass die Schere zwischen gesellschaftlichem und kirchlichem Bemühen mehr auseinanderklafft als "damals", wirft die Frage auf: "Waren wir da nicht schon einmal weiter?"

Vergangene Ermunterung?

Das führt mich zurück zur eingangs zitierten Handreichung. Wie hoffnungsvoll klingt es doch dort, wo sehr detailliert und praxisbezogen zu lesen ist, welche Einstellung zur gleichen Würde von Mann und Frau uns die Bibel zeigt. Es wird sogar bedauert, dass im Lauf der Kirchengeschichte Frauen den Männern nachgeordnet wurden, obwohl biblische Aussagen von Mann und Frau zu anderen Konsequenzen gedrängt hätten. Das Dokument ist eine wahre Fundgrube für Vorschläge, wie wir als Kirche in unserem Handeln dieses biblische Grundverständnis ausstrahlen können, damit es nicht bei einem bloßen Lippenbekenntnis bleibt.

Es ermutigt Frauen und Männer, die Dienste in Liturgie und Pastoral, die heute für Laien offen sind auch tatsächlich auszuüben (LektorInnen, KantorInnen, KommunionspenderInnen, Leitung und Mitarbeit in Gremien, Bildungsarbeit), und wir lesen weiter über die Wichtigkeit, dass Frauen ihre Sicht und ihr Verständnis der frohen Botschaft in ihrer Weise artikulieren als wertvolle Ergänzung zur weithin männlich geprägten traditionellen Theologie!

Augenmerk auf die Sprache

Der Sprache wird bei allen Anregungen besonderes Augenmerk geschenkt, dass die Anrede "Brüder", wenn auch Frauen angesprochen werden sollen, sinnvollerweise durch "Schwestern und Brüder" zu ersetzen ist und der Ausdruck "Geschwisterlichkeit" statt "Brüderlichkeit" empfohlen wird, ist zu lesen, und dass die oft verwendete Anrede "Frauen und Mütter" als allgemeine Anrede für Frauen unpassend ist, da sie ehe- und kinderlose Frauen nicht einzubeziehen scheint, und Wert und Würde der Person Vorrang vor den jeweiligen Formen der Lebensverwirklichung haben.

Diese äußerst sensiblen Vorschläge tragen der wichtigen Rolle der Sprache Rechnung, um die sich auch die Bibel in gerechter Sprache in vielfältiger Hinsicht bemüht hat, die in ihren Formulierungen Diskriminierungen verschiedenster Art zu verhindern sucht. Viele Menschen, viele Frauen haben diese Bibelausgabe daher besonders begrüßt, natürlich nicht, um sie als offizielle liturgische Bibel zu verwenden, sondern als Anstoß, sich mit erneuter Aufmerksamkeit der Frohbotschaft zuzuwenden, wie schade, dass es seitens der Kirchenleitung scharfen Gegenwind gibt.

Die Handreichung enthält eine Vielzahl von Anregungen zum partnerschaftlichen Miteinander in der Kirche, deren Umsetzung mit hoher Selbstverständlichkeit vorausgesetzt wird. Sie trägt aber auch Meinungsunterschieden und wichtigen Lernschritten Rechnung, indem sie das nötige Umdenken fordert und zwar bei Frauen und Männern, Laien und Priestern: Insbesondere die Priester sollen auf die Erfahrungen, Einsichten und Erkenntnisse der Frauen wie der Männer hören. Sie sollen in allen Bereichen partnerschaftlich handeln und die Würde der Getauften und Gefirmten hoch achten.

"Zweiter" Mut der Frauen

So weit die hoffnungsvolle Theorie, die dann nicht "grau" bleibt, wenn wir alle, besonders auch wir Frauen, uns immer wieder auf das Warum unseres Engagements besinnen. Wir handeln, weil uns diese Kirche wichtig ist, weil wir glauben und Jesu Botschaft als heilend und als Aufruf erleben und leben. Als Aufruf, uns nicht mit Kuschelecken zufrieden zu geben, sondern hörbar und spürbar zu sein.

Seit dem Zweiten Vatikanum übt nun das Volk Gottes und verstärkt wir Frauen - mit guten biblischen Gründen - den aufrechten Gang. Der ist freilich schwer zu lernen und kaum ohne Stürze zu haben, ja ohne Abstürze ins Weglose. Wir brauchen daher heute nach dem "ersten Mut" des Aufbruchs den "zweiten Mut", den Mut zur konkreten Phantasie, zum konkreten Engagement mit der "Kennmelodie des Evangeliums" im Ohr und der "Kraft der Frauen". Die Geistkraft unseres Gottes ist uns dabei immer wieder Quelle und Ruhepol.

Nützen wir die vielen Nuancen dieser Kraft, die uns Jammern und Verbissenheit überwinden lässt und immer wieder das nötige Augenzwinkern bewahrt, um "am Ball" zu bleiben.

Dazu haben uns die österreichischen Bischöfe schon vor zwanzig Jahren mit der mehrfach genannten Handreichung ermutigt, deren Schlusswort lautet:

Gleichberechtigung und Partnerschaft sind nicht Forderungen einer Modeströmung und noch weniger Zugeständnisse an den Zeitgeist, sie sind Früchte der Erlösung und Inhalt des Evangeliums. Ihre Verwirklichung ist für Frauen und Männer, für Gesellschaft und Kirche eine große Bereicherung und eine Hilfe für Gerechtigkeit und Frieden.

Die Autorin ist Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung Österreichs sowie Präsidentin der Katholischen Aktion der Diözese Linz.

Ende der Serie.

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