Frauen(rechte) im schiitischen Islam

Diskussionen um die Stellung der Frau und die Rechte von Minderheiten sind keineswegs rein akademische Themen. Es geht um unterschiedliche Kulturen des Umgangs miteinander, um Anerkennung und Menschlichkeit. Was Fundamentalisten aller Lager eint, ist die Überzeugung, dass Frauen und Minderheiten weniger Rechte, weniger Anerkennung, weniger Status zukommt und die bisherige hierarchische Ordnung die richtige ist.

Was hierzulande mit einiger Vehemenz auf verbaler Ebene ausgetragen wird, kann sich rasch in pure Gewalt und Bosheit verwandeln. Das zeigt der Krieg in Syrien, in dem es nicht nur um Ressourcen wie Öl und Wasser geht, sondern auch um einen innerislamischen Kulturkampf. Islamistische Fundamentalisten verneinen die Existenzrechte von religiösen Minderheiten und die Rechte von Frauen. Dass es in den islamischen Kulturen ganz andere, komplex und vielschichtig die Diskussion um Frauenrechte, aber auch um die Stellung von Minderheiten gibt und gab, bleibt in der aktuellen Berichterstattung fast immer ausgeblendet.

Eine reich bebilderte Studie

Das Buch der Islamwissenschaftlerin und Journalistin Liselotte Abid füllt hier auf feine Art eine große Lücke. Der Titel "Als Fatima ihre Rechte forderte" macht deutlich, dass die Frage der Rechte der Frauen schon in der Frühzeit des Islam als Gefahr für die Macht der Männer galt. Fatima ist die Tochter des Propheten, und bereits ihr werden Rechte, die sie von ihrem Vater erhielt, von dessen Nachfolgern verweigert.

Abids reich bebilderte Studie stellt die Frage nach den Rechten der Frauen im Kontext der iranischen Schia, also einer islamischen Minderheit. Die Spaltung zwischen Schia und Sunnis, die unter anderem heute das Kriegsgeschehen im Nahen und Mittleren Osten bestimmt, stammt ebenfalls aus der Frühzeit des Islam. Diese komplexen Vorgeschichten sowohl in Sachen Frauenrechte als auch in Sachen Schia als religiöse Minderheit erzählt Abid mit großer Kenntnis und Gelassenheit.

Spannend macht das Buch zudem der zeitgenössische Fokus. Abid untersucht die bildliche Darstellung der Dimension des Weiblichen im heutigen Iran. Auch daran zeigt sich im Übrigen die Vielgestaltigkeit des Islam -das "Bilderverbot" gilt in der Schia nicht. Sowohl im Iran als auch in Indien gibt es reiche Bild-Traditionen, in denen Frauen eine wichtige Rolle spielen. Diese Repräsentationen des Weiblichen sind bis heute ambivalent. Abid zeigt so deutlich, wie lebendig die Diskussion um Frauenrechte und auch um Demokratie in der Islamischen Republik Iran geführt wird.

Als Fatima ihr Recht forderte Weibliche Symbolik im schiitischen Islam. Von Liselotte Abid. Verlag Holzhausen 2013.322 Seiten, zahlr. Farb-Abb., brosch., € 42,-

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