Für die Islamstunde längst gerüstet

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Dass der Islam in Österreich "ankommt", zeigt auch seine Integration ins Schulsystem. Ausbildung und Ausstattung für den Religionsunterricht machen große Fortschritte.

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Dass der Islam in Österreich "ankommt", zeigt auch seine Integration ins Schulsystem. Ausbildung und Ausstattung für den Religionsunterricht machen große Fortschritte.

Wenn rund um die Diskussionen zum Islamgesetz ein "österreichischer" Islam beschworen wird - gemeint ist ein von hierzulande Lebenden geprägter Islam -, dann sollte weniger von juristischen Fesseln die Rede sein, die die muslimische Seite dem vorliegenden Gesetzesentwurf ankreidet, sondern von einer erneuerten Praxis. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf dem islamischen Religionsunterricht, der ja an einer Schnittstelle zwischen der Religion und der säkularen Gesellschaft tätig ist. Auch der Religionsunterricht stand und steht wie der Islam überhaupt "unter Verdacht" - sowohl was die Inhalte, als auch was die Auswahl der Religionslehrer(innen) betrifft. Von daher gehört es zu den Geboten der Stunde, hier zu professionalisieren und Qualitätsstandards, die den islamischen Religionsunterricht jenen der christlichen Konfessionen vergleichbar machen, zu erreichen.

Lehrplan, Studiengänge, Schulbücher

Seit 2011 gibt es so einen neuen Lehrplan für den Religionsunterricht, und auch die Religionslehrer-Ausbildung hat längst ein höheres Niveau erreicht, als noch vor wenigen Jahren denkbar schien. Der bei der IGGiÖ angesiedelte "Private Studiengang für das Lehramt für islamische Religion an Pflichtschulen"(IRPA) ist ebenso etabliert wie die universitäre Ausbildung für Religionslehrer an höheren Schulen - an der Universität Wien gibt es dazu einen Master-Studiengang und seit kurzem ein Bachelor-Studium an der Universität Innsbruck.

Einen Meilenstein stellen auch die Neufassungen von Unterrichtsmaterialien dar. Seit 2013/14 sind islamische Religionsbücher für die Volksschule in Verwendung, fürs laufende Schuljahr sind zumindest zwei weitere Werke für die Sekundarstufe 2 in Arbeit.

Die im Oldenbourg Verlag erschienenen Bände "Islamstunde" 1 bis 4, die von Amena Shakir, der Direktorin der IRPA, herausgegeben wurden, sind so etwas wie ein Vorzeigeprojekt für einen ins österreichische Schulsystem integrierten Islamunterricht. Auffallend - und vorbildlich -, dass auch christliche Experten den islamischen Autorinnen und Autoren zur Seite standen. So sitzen im wissenschaftlichen Beirat, der das Projekt begleitet, auch der Wiener katholische Religionspädagoge Martin Jäggle sowie seine evangelische Kollegin Susanne Heine, die sich schon lange auch im christlich-muslimischen Gespräch engagieren. Heine, seit kurzem auch Vorsitzende der "Plattform Christen und Muslime"(vgl. unten), ist auch selber Autorin in der "Islamstunde": In Band 4 erklärt sie den muslimischen Schüler(inne)n das Christentum, ein analoger Text übers Judentum stammt aus der Feder des Wiener Gemeinderabbiners Schlomo Hofmeister.

Die neuen Schulbücher, zu denen es neben Lehrer-Begleitbüchern auch jeweils eine CD gibt, sind prototypisch für die "Ankunft" des Islam im heimischen Schulsystem. Man muss derartige Aktivität wohl kaum in ein Gesetz hineinschreiben. Was der Islamgesetzentwurf implizit fordert, ist jedenfalls in diesem Schulbuch-Projekt längst Wirklichkeit.

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