40-Jahrfeier IGGÖ - © Kathpress (6.v.re.:IGGÖ-Präsident Ümit Vural)
Religion

IGGÖ feierte 40-Jahr-Jubiläum

1945 1960 1980 2000 2020
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Vor 40 Jahren wurde die Islamische Glaubensgemeinschaft in Öster­reich (IGGÖ) errichtet. Damals galt Österreich als Vorreiter einer auch rechtlichen Integration des Islam. Seit 1979 hat sich viel verändert – von einer Vorreiterrolle redet heute niemand mehr.

Die IGGÖ feierte dennoch ihr Jubiläum: Am letzten Sonntag kamen Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Wiens Bürgermeister Michael Ludwig sowie Vertreter der anerkannten Religionsgemeinschaften ins Wiener Rathaus gekommen. Van der Bellen nahm dort auf das Jahr 1912 Bezug, als der Islam in der Donaumonarchie anerkannt wurde und wodurch Öster­reich eine Pionierrolle im Umgang mit dem Islam eingenommen habe. 107 Jahre später sei es nun „an der Zeit, Muslime und Musliminnen nicht als das ewig Fremde in Österreich anzusehen“, so der Bundespräsident. Wiens Bürgermeister Michael Ludwig erinnerte daran, dass vor 40 Jahren auch die erste Moschee in Wien auf der Donauinsel „mit Minarett“ errichtet wurde. Als ein „Vorzeigeprojekt“ für gelingende Kooperation und Zusammenleben nannte Ludwig den geplanten „Campus der Religion“ in der Seestadt Aspern, an dem sich auch die IGGÖ beteiligt. In Wien leben rund 300.000 der rund 500.000 Muslime in Österreich.

IGGÖ-Präsident Ümit Vural sprach von „Einheit in Vielfalt. Stärke im Zusammenhalt. Der österreichische Weg zu einer europäischen muslimischen Identität“. In einem Interview mit der Presse hatte Vural unterstrichen, den Islam stärker als Teil Öster­reichs zu positionieren und dazu auch Imame als Vermittler eigens ausbilden sowie repräsentative Moscheen in allen Bundesländern errichten zu wollen. Diese Aussagen veranlassten den Wiener FPÖ-Vizebürgermeister Dominik Nepp, die Auflösung der IGGÖ und die Aberkennung als offizielle Vertretung der österreichischen Muslime ins Spiel zu bringen. Denn, so Nepp, die IGGÖ habe sich in den letzten Jahren zunehmend radikalisiert.
Demgegenüber hatte Bürgermeister Ludwig schon bei der Feier im Rathaus gemeint, in Österreich versuchten Kräfte, die Vorurteile gegenüber Muslimen zu schüren. Ludwig: „Ich werde allen Versuchen von Rassismus und Islamfeindlichkeit in Wien eine Absage erteilen.“ (ofri/KAP)