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Religion

Integration: Es muss gelingen

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Nur mit Mühe und langsam werden die Folgen der lange und hart geführten | Ausländerdebatte überwunden. Ein Schritt ist, Integration für sich zu nehmen.

Allein ein erster Blick auf die zahlreichen Initiativen und Projekte für die Integration von Zuwanderern in Österreich ließe dieses Land in blühender Vielfalt, in würdigem Respekt vor dem Fremden und in religiöser Toleranz erscheinen. Ein vollständiger Überblick ist ohnedies nicht möglich. Dennoch: Der Schein könnte trügen, denn das Meinungsbild stellt der Integration noch kein all zu gutes Zeugnis aus. Selbst wenn es zu Integration keine, zumindest keine wünschenswerte Alternative gibt.

Bücher und Bühnen, Projekte und Podien, Wettbewerbe und Wirtschaftskapitäne - vieles stellt sich hierzulande in den Dienst der Integration. Zum vierten Mal wird heuer der Integrationspreis Sport vergeben, zum dritten Mal werden vom Verein "Wirtschaft für Integration“ Dutzende junger Musiker aller EU-Länder zum Musiksommer nach Grafenegg eingeladen, erstmals vergab das Forum Katholischer Erwachsenenbildung seinen Preis an ein Integrationsprojekt "Die ganze Welt trifft sich in Osttirol“. Das Volkstheater in Wien holt junge Migranten auf die Bühne, um sie dort ihr Leben erzählen zu lassen (siehe unten links), START Wien lässt Schüler nach Migrantengeschichten recherchieren. Damit nicht genug.

Mit einem Etat von 8,6 Millionen Euro betreut der Österreichische Integrationsfonds vier Zentren und das Habibi in Wien, um Zuwanderern zu Sprachkenntnis, Bildung und Beruf zu verhelfen. In der Kooperation mit dem AKH wurden Sprachkurse für Kranken- und Altenpfleger entwickelt, in Absprache mit Spediteuren solche für angehende Lkw-Lenker. "Wer sich das entsprechende Fachvokabular aneignet, erhält rascher einen Ausbildungsplatz und eine qualifizierte Tätigkeit“, sagt Ursula Schallaböck, Kommunikations-Chefin des Integrationsfonds. Da helfen auch Unternehmen mit, denn es ist durchaus in deren Interesse, nicht nur keine Konflikte im Team sondern qualifizierte Mitarbeiter im Einsatz zu haben.

Anpassung an Fasten und Feste

Wie die Lebensmittelkette M-Preis in Tirol bietet auch Metallverarbeiter Berndorf in Niederösterreich Sprachkurse an (siehe rechts). Einmal mehr sind es vor allem Frauen, die die Kurse besuchen; dafür werden diese an die Arbeitszeiten angepasst, gleich nach den Schichten angeboten, um Wegzeiten zu vermeiden. Angepasste Modelle an Dienste und Dienstzeiten je nach Religion, Fasten- und Festzeiten haben sich in Industrie und Rund-um-die-Uhr-Betrieben, etwa Krankenhäusern, längst durchgesetzt. Und dennoch: In Meinungsumfragen wird der Integrationsprozess von Einheimischen eher skeptisch beurteilt, wie der Berichtsteil des Datenbandes "migration & integration 2011“ zeigt (siehe rechts unten).

Für den von sechs Partnern getragenen Bericht fragte das Institut GfK bei Einheimischen und bei Zuwanderern nach der Integration und deren Einschätzung dazu.

Die erste Frage, so heißt es in dem Bericht, zielte auf die Erfassung eines allgemeinen Stimmungsbildes ab: "Ganz allgemein: Glauben Sie, dass die Integration von Migranten in Österreich sehr oder sehr schlecht funktioniert?“ Zu den Antworten heißt es wörtlich: "Das Ergebnis ist weiterhin ernüchternd. Nur 3,4% der Österreicherinnen und Österreicher empfinden die Integration als ‚sehr gut‘ funktionierend, umgekehrt sagten 13,1%, dass diese ‚sehr schlecht‘ funktioniere.“ Und zusammenfassend formulieren die Autoren: "Rechnet man dazu die 51,5%, die ein ‚eher schlecht‘ bekundet haben, sind knapp zwei Drittel mit dem Integrationsprozess unzufrieden.“ Ein Quantum Trost ist allerdings enthalten.

Im Vergleich zur Vorjahresbefragung zeige sich eine leichte - und vor allem nicht zufallsbedingte - Verbesserung der Einschätzung. Vor allem in Bevölkerungsgruppen mit niedriger Qualifikation und geringem Einkommen habe die Integrationsskepsis abgenommen. Gründe für den vorherrschenden Pessimismus wurden nicht erhoben. Die Fremdenfeindlichkeit jedoch geht zurück, erhob GfK anhand knapp eintausend befragter Österreicher.

Rund 17% aller Österreicher lehnen fremdenskeptische bis fremdenfeindliche Aussagen strikt ab. Allerdings befürwortet eine Mehrheit von 51,3% eine "bessere Anpassung des Lebensstils an den der Österreicher“. Im Falle von knapp werdenden Arbeitsplätzen würden nur 15% die Rückkehr der Ausländer in ihre Heimat unterstützen, gut 45% lehnen dies ab. Eine politische Betätigung der hier lebenden ausländischen Staatsangehörigen würden nur 19% untersagen, aber 47% würden dies zulassen. Und nur 12% würden die Verpflichtung für Ausländer befürworten, Ehepartner nur unter Landsleuten zu suchen.

Damit habe sich "ein neues Meinungsbild verfestigt“, das auf die gesellschaftliche Realität reagiere: Die Bevölkerung hat zur Kenntnis genommen, dass das alte Modell der Gastarbeit - Menschen kommen, arbeiten, kehren zurück - nicht mehr aktuell sei. Wörtlich heißt es dazu in dem Bericht: "Österreich ist eine Einwanderungsgesellschaft geworden, und die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung sieht das auch so.“

Die Unzufriedenheit mit dem Verlauf von Integration könne auch eine Konsequenz dieser Änderung sein. Denn bei einer Zuwanderung auf Zeit stellte sich die Fragen nach dem Ausmaß der Integration nicht. Diese trete eben erst jetzt auf, womit sich jene nach der Fremdenfeindlichkeit neu stellt. Auch dazu gibt es eine Antwort in dem Band:

"Wer männlich ist, alt ist, wenig verdient, eine geringe Schulbildung aufweist und vermeintlich oder real Gefahr läuft, sozialen Status an zugewanderte Bevölkerung zu verlieren, ist eher anfällig für Fremdenfeindlichkeit.“

Nur mit Mühe und langsam werden die Folgen der lange und hart geführten | Ausländerdebatte überwunden. Ein Schritt ist, Integration für sich zu nehmen.

Allein ein erster Blick auf die zahlreichen Initiativen und Projekte für die Integration von Zuwanderern in Österreich ließe dieses Land in blühender Vielfalt, in würdigem Respekt vor dem Fremden und in religiöser Toleranz erscheinen. Ein vollständiger Überblick ist ohnedies nicht möglich. Dennoch: Der Schein könnte trügen, denn das Meinungsbild stellt der Integration noch kein all zu gutes Zeugnis aus. Selbst wenn es zu Integration keine, zumindest keine wünschenswerte Alternative gibt.

Bücher und Bühnen, Projekte und Podien, Wettbewerbe und Wirtschaftskapitäne - vieles stellt sich hierzulande in den Dienst der Integration. Zum vierten Mal wird heuer der Integrationspreis Sport vergeben, zum dritten Mal werden vom Verein "Wirtschaft für Integration“ Dutzende junger Musiker aller EU-Länder zum Musiksommer nach Grafenegg eingeladen, erstmals vergab das Forum Katholischer Erwachsenenbildung seinen Preis an ein Integrationsprojekt "Die ganze Welt trifft sich in Osttirol“. Das Volkstheater in Wien holt junge Migranten auf die Bühne, um sie dort ihr Leben erzählen zu lassen (siehe unten links), START Wien lässt Schüler nach Migrantengeschichten recherchieren. Damit nicht genug.

Mit einem Etat von 8,6 Millionen Euro betreut der Österreichische Integrationsfonds vier Zentren und das Habibi in Wien, um Zuwanderern zu Sprachkenntnis, Bildung und Beruf zu verhelfen. In der Kooperation mit dem AKH wurden Sprachkurse für Kranken- und Altenpfleger entwickelt, in Absprache mit Spediteuren solche für angehende Lkw-Lenker. "Wer sich das entsprechende Fachvokabular aneignet, erhält rascher einen Ausbildungsplatz und eine qualifizierte Tätigkeit“, sagt Ursula Schallaböck, Kommunikations-Chefin des Integrationsfonds. Da helfen auch Unternehmen mit, denn es ist durchaus in deren Interesse, nicht nur keine Konflikte im Team sondern qualifizierte Mitarbeiter im Einsatz zu haben.

Anpassung an Fasten und Feste

Wie die Lebensmittelkette M-Preis in Tirol bietet auch Metallverarbeiter Berndorf in Niederösterreich Sprachkurse an (siehe rechts). Einmal mehr sind es vor allem Frauen, die die Kurse besuchen; dafür werden diese an die Arbeitszeiten angepasst, gleich nach den Schichten angeboten, um Wegzeiten zu vermeiden. Angepasste Modelle an Dienste und Dienstzeiten je nach Religion, Fasten- und Festzeiten haben sich in Industrie und Rund-um-die-Uhr-Betrieben, etwa Krankenhäusern, längst durchgesetzt. Und dennoch: In Meinungsumfragen wird der Integrationsprozess von Einheimischen eher skeptisch beurteilt, wie der Berichtsteil des Datenbandes "migration & integration 2011“ zeigt (siehe rechts unten).

Für den von sechs Partnern getragenen Bericht fragte das Institut GfK bei Einheimischen und bei Zuwanderern nach der Integration und deren Einschätzung dazu.

Die erste Frage, so heißt es in dem Bericht, zielte auf die Erfassung eines allgemeinen Stimmungsbildes ab: "Ganz allgemein: Glauben Sie, dass die Integration von Migranten in Österreich sehr oder sehr schlecht funktioniert?“ Zu den Antworten heißt es wörtlich: "Das Ergebnis ist weiterhin ernüchternd. Nur 3,4% der Österreicherinnen und Österreicher empfinden die Integration als ‚sehr gut‘ funktionierend, umgekehrt sagten 13,1%, dass diese ‚sehr schlecht‘ funktioniere.“ Und zusammenfassend formulieren die Autoren: "Rechnet man dazu die 51,5%, die ein ‚eher schlecht‘ bekundet haben, sind knapp zwei Drittel mit dem Integrationsprozess unzufrieden.“ Ein Quantum Trost ist allerdings enthalten.

Im Vergleich zur Vorjahresbefragung zeige sich eine leichte - und vor allem nicht zufallsbedingte - Verbesserung der Einschätzung. Vor allem in Bevölkerungsgruppen mit niedriger Qualifikation und geringem Einkommen habe die Integrationsskepsis abgenommen. Gründe für den vorherrschenden Pessimismus wurden nicht erhoben. Die Fremdenfeindlichkeit jedoch geht zurück, erhob GfK anhand knapp eintausend befragter Österreicher.

Rund 17% aller Österreicher lehnen fremdenskeptische bis fremdenfeindliche Aussagen strikt ab. Allerdings befürwortet eine Mehrheit von 51,3% eine "bessere Anpassung des Lebensstils an den der Österreicher“. Im Falle von knapp werdenden Arbeitsplätzen würden nur 15% die Rückkehr der Ausländer in ihre Heimat unterstützen, gut 45% lehnen dies ab. Eine politische Betätigung der hier lebenden ausländischen Staatsangehörigen würden nur 19% untersagen, aber 47% würden dies zulassen. Und nur 12% würden die Verpflichtung für Ausländer befürworten, Ehepartner nur unter Landsleuten zu suchen.

Damit habe sich "ein neues Meinungsbild verfestigt“, das auf die gesellschaftliche Realität reagiere: Die Bevölkerung hat zur Kenntnis genommen, dass das alte Modell der Gastarbeit - Menschen kommen, arbeiten, kehren zurück - nicht mehr aktuell sei. Wörtlich heißt es dazu in dem Bericht: "Österreich ist eine Einwanderungsgesellschaft geworden, und die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung sieht das auch so.“

Die Unzufriedenheit mit dem Verlauf von Integration könne auch eine Konsequenz dieser Änderung sein. Denn bei einer Zuwanderung auf Zeit stellte sich die Fragen nach dem Ausmaß der Integration nicht. Diese trete eben erst jetzt auf, womit sich jene nach der Fremdenfeindlichkeit neu stellt. Auch dazu gibt es eine Antwort in dem Band:

"Wer männlich ist, alt ist, wenig verdient, eine geringe Schulbildung aufweist und vermeintlich oder real Gefahr läuft, sozialen Status an zugewanderte Bevölkerung zu verlieren, ist eher anfällig für Fremdenfeindlichkeit.“