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Intoleranz in der Kirche

In Ahaus fand im vergangenen Oktober ein ehrendes Symposium statt, um einen der größten lebenden Theologen des deutschen Sprachraums zu ehren: Johann Baptist Metz. Die Reden und Diskussion sind soeben im Grünewaldverlag Mainz erschienen und werden allein wegen ihres Themas "Ende der Zeit? Die Provokation der Rede von Gott" unter den nachdenklichen Zeitgenossen eine breite Leserschaft finden. Die Dokumentation zeigt auch, daß Theologie nicht out sondern in ist, und daß sie schon gar nicht langweilig ist.

Im Tagungsbericht finden sich freilich seltsam anmutende Aussagen. So im Vorwort: "Niemand Geringerer als der Präfekt der Vatikanischen Kongregation für die Glaubenslehre, Kardinal Joseph Ratzinger, hatte seine Teilnahme zugesagt und war auch erschienen - zur Empörung vieler, die nicht gekommen waren: Sollte Johann Baptist Metz, der Protagonist einer kritischen Linken in Theologie und Kirche, im Ernst gemeinsame Sache mit dem umstrittenen höchsten Glaubenshüter machen, dazu in einer Zeit kirchenpolitischer Spannungen und Gereiztheiten." Und ein wenig weiter: "Es ist befremdlich, wenn sich der Protagonist einer neuen Politischen Theologie mit dem einflußreichsten Kritiker seiner Theologie, Kardinal Ratzinger, zusammensetzt ..."

Wir haben es weit gebracht. Leute bleiben weg, weil sich in einer Kirche des Dialogs Spitzenleute zum Dialog treffen. Es sind die Gleichen, die lautstark den Dialog in der Kirche fordern. Da wird Spitzenleuten innerhalb der Kirche vorgeworfen, daß sie "im Ernst gemeinsame Sache" machen. Ja, was sonst sollen Leute machen, die in der Nachfolge Jesu stehen und eben für diese "Sache", besser für die Person Jesu und sein Uranliegen, den Menschen, stehen?

Daß es dabei auch unterschiedliche wissenschaftliche Ansichten gibt, daß nicht immer der sogenannte "Glaubenshüter", aber ebenso wenig der "Theologe", die "Theologin" die Fülle der reinen Wahrheit besitzt, ist für die zu vielen Unfehlbarkeitsbedürftigen nicht leicht hinzunehmen.

Es ist eine bittere Tatsache, daß die Linke in der Kirche keineswegs toleranter ist als die Rechte. Und das alles im Namen des Dialogs.

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