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Religion

Katechesemodelle (nur) für Insider

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Der Titel kann verärgern: mit dem "ABC des Glaubens. Den Glauben neu buchstabieren." liegt ein weiteres Buch vor, das inmitten "unserer säkularisierten und multireligiösen" Gesellschaft Möglichkeiten sucht, den christlichen Glauben weiterzugeben. Herausgegeben von Joachim Müller, Präsident der schweizerischen Katechetengemeinschaft, richtet es sich an Kirchen-"Insider". Leider legt der Titel nahe, es handle sich bei den Kirchen-"Outsidern" um Volksschulkinder in Sachen Glauben, die nichts vom Christentum verstünden.

Wenn der Ärger über den Titel einmal verflogen ist, wird man doch fündig. Neben der etwas abgestandenen Erkenntnis, daß Glaube auch eine Frage der sinnlichen Wahrnehmung ist, räumt der Neutestamentler Hermann-Josef Venetz mit der verbreiteten, naiven Vorstellung auf, die Aufforderung Jesu, wie Kinder zu werden, wäre gleichbedeutund mit dem Auftrag "lieb, unschuldig, herzig und glücklich" zu werden und zeigt, daß Kind-Sein im biblischen Zusammenhang bedeutet: "gering sein, gefährdet, mißachtet, mißhandelt sein, ausgesetzt, beschimpft, verfolgt und verleumdet sein."

Herausragend der Beitrag des Pastoralassistenten Christoph Schmitt. Er stimmt nicht in das Gejammer vieler Katecheten ein, "die Kinder bringen von zu Hause nichts mit!", sondern thematisiert die Schuldgeschichte der Kirchen dabei: die Katechese der Vergangenheit mit ihrem strafenden Gott hat den Boden, auf dem Glaube keimt, bis heute nachhaltig verdorben. Das Modell der "Familienkatechese" ist ein Versuch, diesen Boden wieder fruchtbar zu machen: Schweizer Kinder machen Erstkommunionsvorbereitung mit den eigenen Eltern. Und nicht, um letztere wieder in die Kirchen zu bekommen, sondern um Glaube als Beziehung erfahren zu können.

Traditioneller der Basler Bischof Kurt Koch: Er diagnostiziert "Glaubensanalphabetismus" in und außerhalb der Kirche. Deshalb würden auch die Anliegen des Kirchen-Volksbegehrens allein die Kirche nicht verlebendigen. Was ansteht: Gebetserziehung - denn Gebet ist der Ernstfall des Glaubens. Koch betont, daß Christentum immer einen Inhalt hat - was vermutlich der Grund der Ablehnung des Christentums auch von seiten vieler Katecheten sei; erkennbar sei dies an der Ablehnung des Weltkatechismus.

Ist Kochs Kritik an einem reinen, inhaltlich nicht weiter bestimmten Vertrauensglauben ernstzunehmen, wird man doch den Verdacht nicht los, diese Kritik habe eine andere Funktion - an den Inhalten nämlich nicht zu rütteln. Und: der Bischof träume von der Wiederkehr der guten, alten Volkskirche - und dann könne man die die Forderungen des Kirchenvolksbegehrens beruhigt wieder zur Seite legen.

Das ABC des Glaubens. Den Glauben neu buchstabieren.

Hg. von Joachim Müller. Paulusverlag, Freiburg/CH 1999, 160 Seiten, brosch.,öS 218,-/e 15,84