Sosa - Arturo Sosa Abascal SJ: Der studierte Politikwissenschafter und Theologe aus Caracas wurde 2016 zum 31. Generaloberen der Jesuiten gewählt. - © Foto: Franziska Fleischer
Religion

Kirche ins Heute

1945 1960 1980 2000 2020

Mit Franziskus wurde erstmals ein Jesuit zum Papst gewählt. Und Arturo Sosa Abascal ist der erste Nichteuropäer an der Spitze der „Gesellschaft Jesu“: Der „Jesuitengeneral“ im FURCHE-Gespräch.

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Mit Franziskus wurde erstmals ein Jesuit zum Papst gewählt. Und Arturo Sosa Abascal ist der erste Nichteuropäer an der Spitze der „Gesellschaft Jesu“: Der „Jesuitengeneral“ im FURCHE-Gespräch.

Man nennt ihn – ob seines kirchlichen Einflusses – auch den „Schwarzen Papst“. Der Generalobere des Jesuitenordens leitet den größten Männerorden in der katholischen Kirche. Seit 2016 steht mit dem Venezolaner Arturo Sosa Abascal, 70, der erste Nichteuropäer an der Spitze der „Gesellschaft Jesu“.

DIE FURCHE: Franziskus ist der erste Jesuit auf dem Stuhl Petri. Wie erfahren Sie als Generaloberer des Jesuitenordens das, was dieser Papst macht?
Arturo Sosa Abascal: Die erste Priorität des Papstes ist, das Evangelium von Jesus Christus zu verkünden – auf eine sehr persönliche Art und Weise, aber man merkt, das geschieht aus einer persönlichen Erfahrung mit Jesus Christus, die er weitergibt in sehr einfachen Worten, die immer auch von seiner eigenen Erfahrung ausgehen. Er hat sicher ganz klar als Ziel, sowohl als Papst, als Priester, als Mensch, Jesus Christus und sein Evangelium zu verkünden. Von daher kommt auch seine Priorität, die Kirche zu verändern, die Kirche an die aktuelle Zeit anzupassen. Das Evangelium zu verkünden ist ja die eigentliche Aufgabe, der Seinszweck der Kirche. Von daher stammen sein Wunsch und seine Anstrengung, die Kirche so zu verändern, dass sie eben genau das tut.

DIE FURCHE: Anliegen von Franziskus sind besonders Menschen „an den Rändern“.
Sosa: Wenn wir auf Jesus am Kreuz schauen, dann sehen wir in ihm auch die Gekreuzigten der Welt. Wenn wir also auf diese Menschen mit den Augen Jesu schauen, dann ist es einfach keine Option, nichts zu tun. Dann müssen wir uns engagieren, um Leid zu verringern, um den Menschen ein Leben in Würde zu ermöglichen.

DIE FURCHE: Franziskus möchte die Kirche also in die Jetzt-Zeit führen. Es gibt aber auch Opposition gegen diesen Papst – eine starke Opposition wie nie in den letzten Jahrzehnten. Wie nehmen Sie das wahr?
Sosa: Er hat sehr, sehr viel Opposition. Aber ich sehe das als ein gutes Zeichen – und zwar dafür, dass der Papst versucht, Wege zu öffnen. Opposition gibt es ja immer nur dann, wenn man die bequemen Pfade verlässt. Ich sehe eine zweifache Bewegung der Erneuerung durch den Papst – auf die Welt hin, und innerhalb der Kirche in die Tiefe, die spirituelle Tiefe. Die Opposition hat auch damit zu tun, dass sich einige Leute damit schwertun, wenn Religion plötzlich nicht mehr bequem ist. Derartige Spannungen gibt es in der Kirche ja schon seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil, das eben die Möglichkeit zu Veränderungen aufgetan hat – sowohl in Richtung Welt als auch in Richtung Kirche. Auch Paul VI., Johannes Paul II. und Benedikt XVI. haben in diesen Spannungen gelebt. Diese werden auch nicht aufhören. Und wenn dieses Spannungsfeld nicht mehr da wäre, dann wäre die Kirche auch begraben.

DIE FURCHE: Im Herbst findet in Rom eine Bischofssynode über die Region Amazonien statt. Dabei werden auch pastorale Nöte wie die Frage nach Eucharistiefeiern, wenn keine oder zu wenig Priester da sind, diskutiert werden. Glauben Sie, dass die Synode da Veränderungen und neue Lösungen, etwa bei den Zulassungsbedingungen zum Priesteramt, bringen wird?
Sosa: Die Amazoniensynode wird sicher ein Schritt sein, aber kein Ergebnis. Es geht um Prozesse, das betont der Papst auch. Es geht nicht um einzelne Events, die einen Anfang und ein Ende haben, und wenn dann nicht das passiert, was man wollte, ist man enttäuscht. Die Amazonien-Synode ist ein Schritt innerhalb dieses Prozesses, in dem Schritt für Schritt Alternativen möglich werden. Da geht es um Veränderungen, da geht es um Aufzeigen von Alternativen, um Veränderung von Mentalität. Ich erinnere an das Treffen zum Schutz von Minderjährigen …

DIE FURCHE: … wo sich im Februar in Rom die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen der ganzen Welt mit dem Thema Missbrauch befasst haben …
Sosa: … auch das war Teil eines Prozesses, in dem langsam und partizipativ Dinge verändert werden. Auch da steht die Kirche heute ganz anders da als noch vor ein, zwei Jahren. Es sind also Prozesse, die man bewerten muss, nicht einzelne Events.