machtmissbrauch - © Privat

Klaus Kießlings Missbrauchs-Buch: Kompakt, konzise, klar

1945 1960 1980 2000 2020

Der Band "Geistlicher und sexueller Machtmissbrauch in der katholischen Kirche" ist ein notwendiges Vademecum für alle in der Kirche Lebenden und Tätigen.

1945 1960 1980 2000 2020

Der Band "Geistlicher und sexueller Machtmissbrauch in der katholischen Kirche" ist ein notwendiges Vademecum für alle in der Kirche Lebenden und Tätigen.

Die Missbrauchsthematik – von Polen bis Kanada – hält die katholische Kirche weiter in den Headlines. Umso wichtiger sind theologische Auseinandersetzungen mit diesen Fragen und Vorgängen. Der schmale, aber informative und wichtige Band „Geistlicher und sexueller Machtmissbrauch“ des Theologen, Psychologen und Psychotherapeuten Klaus Kießling versucht dabei, die Verbindungen wie die Unterscheidungen von geistlichem und sexuellem Machtmissbrauch in der katholischen Kirche zu analysieren.

Kießling, Professor für Religionspädagogik und Pastoralpsychologie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Frankfurt/St. Georgen zeigt darin auch auf, dass geistlicher Machtmissbrauch nicht nur durch Geistliche geschieht – er kann, muss aber nicht, mit sexuellem Missbrauch einhergehen, und die spirituelle wie emotionale Vernachlässigung, die Kießling in derartigen Fällen ortet und aufzeigt, muss in größerem Zusammenhang in den Blick genommen werden. Unter anderem tut dies Kießling mit der Begrifflichkeit der „Kollusion“, die das Zusammenspiel der Beziehungen von Täter(in) und Opfer beschreibt.

Auch die Sündenbockmechanismen – die Schuld am Missbrauchskandal werden da der Homosexualität, dem Zölibat, der Kirche, der Gesellschaft, den Medien zugewiesen – spricht der Autor an.

Neben Analysen zu Gewalt in vielen Beziehungskonstellationen kommt Kießling bei der Erkenntnis an, dass nicht nur rund um die Priester und deren Ausbildung die nötige Prävention ansetzen muss, sondern in allen Bereichen der Kirche.

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