Kommunion im Lockdown - © Foto: Imago-Images / Hans Lucas

Kommunion im Lockdown: "... im Geist dich zu empfangen"

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Im Lockdown ist Essen des eucharistischen Brots meist nicht möglich. In der katholischen Kirche wird da die „geistige Kommunion“ empfohlen. So muss sich trotz aller Umstände nichts ändern …

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Im Lockdown ist Essen des eucharistischen Brots meist nicht möglich. In der katholischen Kirche wird da die „geistige Kommunion“ empfohlen. So muss sich trotz aller Umstände nichts ändern …

Was haben katholische Laien in unseren Breiten und in Zeiten von Corona mit Laien gemeinsam, die an entlegenen Orten leben, wo praktisch nie ein Priester vorbeikommt, oder mit Laien überall in der Welt vor dem 20. Jahrhundert? Man könnte ihnen empfehlen, die Kommunion „geistig“ zu empfangen.

Eine andere Frage: Haben Sie schon einmal in einer katholischen Kirche zur Kommunion gesungen: „O stille mein Verlangen, du Seelenbräutigam, dich würdig zu empfangen, … dich wahres Osterlamm“ (Gotteslob [Österreich] 710.9)? In früheren Versionen des Liedes hieß es: „… im Geist dich zu empfangen …“. Nach der älteren Version rechnen die Gläubigen nicht damit, eucharistisches Brot zu essen. Nachdem sich im Lauf des 20. Jahrhunderts die kirchlich empfohlene Praxis des häufigen Kommunionempfangs durchgesetzt hatte, wurde im Lied die Bitte um „geistigen“ Kommunionempfang durch die um „würdigen“ ersetzt.

„Geistige Feier“ der Messe?

Die katholische Diaspora oder das 19. Jahrhundert sind räumlich oder zeitlich weit von uns entfernt. Mit den Versammlungsverboten zur Pandemie betrifft die Empfehlung zur geistigen Kommunion jedoch alle Laien. Schließlich legt die katholische Kirche Wert darauf, dass Laien die Messe mitfeiern, dass der Empfang der Kommunion fast nur (mit Ausnahmen wie der Krankenkommunion) innerhalb der Messe geschieht und dass dieser Messe ein Priester vorstehen muss.

Die Kirche konnte und kann aber die Umsetzung der von ihr selbst vorgeschriebenen Praxis an fernen Orten oder früher aus internen Gründen und hier und jetzt aus externen Gründen nicht bieten. Einfache Lösungsversuche wie eine Fernkonsekration von Brot über den Bildschirm schließt sie aus. Wer Messe und Kommunionempfang eng zusammendenkt und aus widrigen Umständen von beidem ausgeschlossen ist, kann mit der Empfehlung zur geistigen Kommunion auch so etwas wie eine geistige Feier der Messe verbinden.

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