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Man fühlt sich nutzlos, wie weggeworfen...

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Eine Kündigung bewirkt meist Wut und Trauer. Das Leben erscheint auf einmal sinnlos und ohne Perspektive. Jetzt gilt es, aus dieser tristen Situation etwas Positives zu machen.

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Eine Kündigung bewirkt meist Wut und Trauer. Das Leben erscheint auf einmal sinnlos und ohne Perspektive. Jetzt gilt es, aus dieser tristen Situation etwas Positives zu machen.

Auch wenn Sie es schon lange vorausgesehen haben, der Augenblick, da die Kündigung auf dem Tisch liegt, ist ohne Zweifel ekelhaft. Da steht es schwarz auf weiß: sie brauchen mich nicht mehr. Und selbst wenn einen die Arbeit schon längst nicht mehr freute, auch weil man ahnte, daß sowieso alles für die Katz' sein würde, man fühlt sich nutzlos, wie weggeworfen.

Manche und zunehmend mehr Firmen versuchen es ja von vornherein schon andersherum. Auf die heimtückische Tour, sie ekeln ihre überzähligen Mitarbeiter einfach hinaus. Damit sie von selber kündigen, und der Betrieb sich die Abfindung sparen kann.

Besonders Frauen, die bekanntlich oft ein starkes Harmoniebedürfnis haben, reagieren darauf empfindlich, bis hin zu schweren psychosomatischen Störungen.

Untüchtige Versager?

Doch bei allem berechtigten Schmerz, bei aller Wut und Enttäuschung, verfallen Sie jetzt bitte nicht in den Fehler, Ihre Situation als persönliches Versagen zu sehen. Lassen Sie sich von der zugegeben schwierigen Lage bloß nicht Ihr Selbstwertgefühl rauben. Isolieren Sie sich nicht, weder mental noch in der Realität. Führen Sie sich vor Augen, daß Sie keineswegs schuld an der allgemein schlechten Arbeitsmarktlage sind. Bedenken Sie, bevor Sie sich in den Abgrund von Selbstvorwürfen, Verzweiflung oder gar Depression fallen lassen: In den letzten fünf Jahren wurde jeder fünfte Österreicher mindestens einmal gekündigt; rund 705.000 Menschen waren im Jahr 1998 einmal arbeitslos! Und das sind keineswegs alles untüchtige Versager.

Wovon Sie sich überzeugen können, wenn Sie bereit sind, nach der ersten Trauerphase, sich bei einer der inzwischen sehr zahlreichen (Selbsthilfe-) Gruppen zum Thema Arbeit umzuschauen. Es gibt Gruppen und Kurse in allen Schattierungen, beim Arbeitsmarktservice, beim Berufsförderungsinstitut, beim Wirtschaftsförderungsinstitut, auch immer mehr freie Institutionen, wie beispielsweise das sogenannte FrauenBusinessCenter in Wien, bieten Seminare und Schulungen für Berufsumsteiger an.

Wobei die Zielsetzungen recht verschieden sein können, von der Weiterbildung zur Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt über Kreativtraining und Seminare zur Steigerung des Selbstvertrauens, bis hin zu Kursen und Beratungen für Arbeitnehmer, die den Schritt in die Selbständigkeit wagen wollen. Ja, Arbeitslosigkeit ist inzwischen derartig verbreitet, daß es ein eigenes Förderungsprogramm vom Arbeitsmarktservice für Unternehmensgründer gibt, besonders für die Gruppe der schwer vermittelbaren, älteren Frauen. Man hofft, durch die Hilfe zur Gründung innovativer Kleinunternehmen vor allem im Dienstleistungsbereich, auch schwer vermittelbaren Arbeitnehmern lukrative Betätigungsmöglichkeiten zu verschaffen.

Doch bevor und während Sie noch die zahlreichen Angebote sichten - zögernd vielleicht, weil es auch schwerfallen mag, sich auf diese Weise gleichsam öffentlich zur augenblicklichen Arbeitslosigkeit zu bekennen -, würde es Ihnen sicherlich gut tun, wenn Sie sich einmal wieder die Erfolge Ihrer Berufstätigkeit und Ihres Lebens überhaupt vergegenwärtigen würden. (Ganz dasselbe gilt übrigens auch für Frauen, die bisher vorwiegend im Haus gearbeitet haben, und die jetzt verzweifelt im leeren Nest sitzen, weil ihre Kinder selbständig geworden sind.) Betrachten Sie, was Ihnen in all den Jahren gut gelungen, was Ihnen geglückt ist. Stärken Sie sich an der Anerkennung, die Sie manches Mal geerntet haben, richten Sie Ihr Selbstbewußtsein auf, indem Sie sich klar machen, was Sie alles können.

Denn das ist der erste und allerwichtigste Schritt überhaupt nach dem Kündigungstief, daß Sie Ihr Selbstvertrauen bewahren und kräftigen.

Und auch wenn es für Sie jetzt zynisch klingen mag, nutzen Sie die Ihnen auferzwungene Muße, um sich selbst neu zu definieren. Wie steht es mit Ihrer Partnerschaft? Mit Ihrer Familie und mit Ihren Freunden? Wo werden Sie gebraucht? Wo können Sie Ihre Fähigkeiten sinnvoll für andere Menschen einsetzen? Es gibt gerade im zwischenmenschlichen und sozialen Bereich, wie auch im Dienstleistungssektor einen hohen Bedarf an sowohl ehrenamtlich wie hauptamtlich Tätigen. Und gerade in sozialen Tätigkeiten kann man tiefe, vielleicht bisher ganz ungewohnte Sinnerfüllung finden.

Haben Sie nicht ohnehin schon öfter das Gefühl gehabt, daß Sie viel zu wenig Zeit für die wirklich wesentlichen Dinge im Leben haben?

Denn so bedrohlich auch der Verlust des Arbeitsplatzes sein mag, vielleicht können Sie sich trotzdem auch die Frage nach dem Positiven dieser Situation stellen. Jede Krise kann auch eine Chance bedeuten. Vielleicht die Chance, jetzt endlich ihre eigenen Ziele zu entdecken, die Ziele, die Sie vielleicht - unbewußt? - immer schon verwirklichen wollten.

Um sich selbst aber, Ihrem möglicherweise noch tief im eigenen Inneren verborgenen Lebenssinn auf die Spur zu kommen, ist es hilfreich - träumen zu lernen. Gönnen Sie sich Zeit, zu phantasieren und Ihren Tagträumen nachzuhängen. Sehr oft enthalten gerade die phantastischsten Bilder die bedeutsamste Wahrheit. Wie zum Beispiel eine meiner Klientinnen davon träumte, als Schloßherrin viele Gäste zu empfangen. Heute besucht sie eine Hotelfachschule, um später an der Rezeption eines (Schloß-)Hotels zu arbeiten. Also nehmen Sie Ihre Träume ernst, damit sie Wirklichkeit werden können.

Trommeln & tanzen Und dann gibt es natürlich auch die vielen Möglichkeiten, Neues zu lernen. Was nicht nur berufliche Weiterbildung im strengen Sinn bedeuten soll. Alles, was Ihre Selbstachtung und auch Ihre Kreativität fördert, ist gerade jetzt gefragt. Das kann vom exotischen Kochkurs bis zur Mal- und Schreibwerkstatt gehen, alles, was Ihnen neue Perspektiven öffnet, hilft ihnen, auch in beruflicher Hinsicht innovativ zu werden.

Ein Grund dafür, daß jetzt auch in den Kursen des Arbeitsmarktservice getrommelt und getanzt wird. Das bisher Ungewohnte wirkt in jedem Fall anregend, auch auf allen anderen Gebieten.

Und wenn Sie so vielleicht auch nicht sofort eine fixe Anstellung finden mögen, einen neuen Sinn können Sie Ihrem Leben sicherlich geben, und dann zeigen sich auch Ihre ureigensten Ziele, wie von selbst.

Die Autorin ist Kreativtrainerin und Karrierecoach, Lebens- und Sozialberaterin.

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