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Religion

"Nichts ist so süß wie das Verbrechen …"

1945 1960 1980 2000 2020
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Eine Frau erzählt über Missbrauch und Kindeswegnahme. Im Hintergrund bestreicht eine Kollegin Palatschinken mit Marmelade wie am Fließband. Fast ungerührt verfolgt sie die Erzählungen der anderen über ihre tragische Lebensgeschichte, während sie streicht und die süße Nachspeise faltet.

Immer wieder werden im Dokumentarfilm "Gangster Girls" Erzählende und scheinbar unberührte Zuhörende in Szene gesetzt. Es scheint fast wie ein Symbol für die Gesellschaft, die diese Straftäterinnen weggesperrt hat und vergessen will. Nun ist der Scheinwerfer auf sie gerichtet. Ausgangspunkt war ein Theaterprojekt im Frauengefängnis Schwarzau. Diese Bühnenarbeit begleitet Leisch mit der Kamera. So entstand der Film "Gangster Girls", der bereits bei der Viennale im Herbst Premiere hatte und ab 27. März ins Kino kommt.

Während die Frauen auf der Bühne ganz andere Rollen einnehmen, treten sie im Film als sie selber, als Täterinnen in den Vordergrund. Zum ihrem eigenen Schutz wurden die Frauen stark geschminkt.

Die Maske lenkt den Blick auf die Augen der Protagonistinnen, wenn sie über ihre Tat, die Hintergründe und das Leben im Gefängnis sprechen. Leisch lässt ausschließlich die Frauen selbst erzählen - im Kontext des Theaterstückes, das für sie einen gewissen Freiraum vom Haft-Alltag bedeutet. Der Film bleibt immer auf einer Augenhöhe, er verzichtet auf den moralischen Zeigefinger, dennoch werden Fragen der Schuld und Reue angesprochen, aber auch der Sinnhaftigkeit der Haft. Berührend wird der Film vor allem da, wo man das Gefühl bekommt, hinter die Masken zu sehen; wenn etwa zwei Frauen über ihre Freundschaft sprechen.

Man sieht die Frauen bei den Theaterproben in fremden Rollen oder bei monotonen Tätigkeiten in der Großküche, Nähwerkstatt oder Wäscherei als sie selbst. Man sieht die Fröhlichkeit auf der Bühne, aber auch nachgestellte Szenen vom harten Alltag im Knast. Dem gegenüber steht die Nachdenklichkeit, wenn sie ihre Geschichte erzählen. Immer dabei ein Lächeln, selbstironisch, fast trotzig. Es ist genau diese Miene, die perfekt zum provokanten Leitspruch des Filmes passt, der gleich zu Beginn fällt und einem fast im Hals stecken bleibt: "Nichts ist so süß wie das Verbrechen, so lange man nicht selbst das Opfer ist." Recht schnell "schluckt" man diese ironische Aussage runter und meint, den Satz umdrehen zu müssen: Nichts ist so süß wie ein Verbrechen, das man nicht selbst begangen hat: Wir alle schauen zwar gerne hinter Gefängnismauern, um uns darüber zu freuen, selbst nicht dort drinnen zu stecken. Genau mit dieser angenehmen Distanzierung bricht der Film. Denn es wird einem klar: Wir könnten alle dort landen, wenn es blöd zugeht.

Gangster Girls

A 2008, Dokumentarfilm. Regie: Tina Leisch. Verleih: Stadtkino, 79 Min.

Eine Frau erzählt über Missbrauch und Kindeswegnahme. Im Hintergrund bestreicht eine Kollegin Palatschinken mit Marmelade wie am Fließband. Fast ungerührt verfolgt sie die Erzählungen der anderen über ihre tragische Lebensgeschichte, während sie streicht und die süße Nachspeise faltet.

Immer wieder werden im Dokumentarfilm "Gangster Girls" Erzählende und scheinbar unberührte Zuhörende in Szene gesetzt. Es scheint fast wie ein Symbol für die Gesellschaft, die diese Straftäterinnen weggesperrt hat und vergessen will. Nun ist der Scheinwerfer auf sie gerichtet. Ausgangspunkt war ein Theaterprojekt im Frauengefängnis Schwarzau. Diese Bühnenarbeit begleitet Leisch mit der Kamera. So entstand der Film "Gangster Girls", der bereits bei der Viennale im Herbst Premiere hatte und ab 27. März ins Kino kommt.

Während die Frauen auf der Bühne ganz andere Rollen einnehmen, treten sie im Film als sie selber, als Täterinnen in den Vordergrund. Zum ihrem eigenen Schutz wurden die Frauen stark geschminkt.

Die Maske lenkt den Blick auf die Augen der Protagonistinnen, wenn sie über ihre Tat, die Hintergründe und das Leben im Gefängnis sprechen. Leisch lässt ausschließlich die Frauen selbst erzählen - im Kontext des Theaterstückes, das für sie einen gewissen Freiraum vom Haft-Alltag bedeutet. Der Film bleibt immer auf einer Augenhöhe, er verzichtet auf den moralischen Zeigefinger, dennoch werden Fragen der Schuld und Reue angesprochen, aber auch der Sinnhaftigkeit der Haft. Berührend wird der Film vor allem da, wo man das Gefühl bekommt, hinter die Masken zu sehen; wenn etwa zwei Frauen über ihre Freundschaft sprechen.

Man sieht die Frauen bei den Theaterproben in fremden Rollen oder bei monotonen Tätigkeiten in der Großküche, Nähwerkstatt oder Wäscherei als sie selbst. Man sieht die Fröhlichkeit auf der Bühne, aber auch nachgestellte Szenen vom harten Alltag im Knast. Dem gegenüber steht die Nachdenklichkeit, wenn sie ihre Geschichte erzählen. Immer dabei ein Lächeln, selbstironisch, fast trotzig. Es ist genau diese Miene, die perfekt zum provokanten Leitspruch des Filmes passt, der gleich zu Beginn fällt und einem fast im Hals stecken bleibt: "Nichts ist so süß wie das Verbrechen, so lange man nicht selbst das Opfer ist." Recht schnell "schluckt" man diese ironische Aussage runter und meint, den Satz umdrehen zu müssen: Nichts ist so süß wie ein Verbrechen, das man nicht selbst begangen hat: Wir alle schauen zwar gerne hinter Gefängnismauern, um uns darüber zu freuen, selbst nicht dort drinnen zu stecken. Genau mit dieser angenehmen Distanzierung bricht der Film. Denn es wird einem klar: Wir könnten alle dort landen, wenn es blöd zugeht.

Gangster Girls

A 2008, Dokumentarfilm. Regie: Tina Leisch. Verleih: Stadtkino, 79 Min.