Schnabel - © ZDF / Fr. Simon Stubbs OSBDC

Nikodemus Schnabel: Ein „cooler Typ“ im Mönchsgewand

1945 1960 1980 2000 2020

Wenn sich ein Ordensmann wie der Benediktiner Nikodemus Schnabel unter #FragEinenMönch auf die Kommunikationsweise der Social Media einlässt, muss er kurz und peppig antworten. Das Ergebnis davon gibt es jetzt auch in Buchform.

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Wenn sich ein Ordensmann wie der Benediktiner Nikodemus Schnabel unter #FragEinenMönch auf die Kommunikationsweise der Social Media einlässt, muss er kurz und peppig antworten. Das Ergebnis davon gibt es jetzt auch in Buchform.

Habit und Vollbart: Das macht schon etwas her! Damit kann ich als Jesuit nicht aufwarten: kein Ordensgewand, Bart steht mir nicht. Schon öfters habe ich mir gedacht: Anselm Grün, der Bestsellerautor aus dem fränkischen Münsterschwarzach, oder Nikodemus Schnabel aus der „Dormitio“ in Jerusalem wirken schon durch ihr Outfit. Unabhängig vom Inhalt.

Hashtag und Stakkato-Titel, das erregt Aufmerksamkeit. So ist es von Verlag und Autor wohl gedacht: „#FragEinenMönch“. Auch der Untertitel lockt: „100 Fragen (und unzensierte Antworten)“. Man kann also querbeet fragen und kriegt auf alles eine Antwort, „unzensiert“, was insinuiert, dass das sonst der Fall sein kann, wenn nicht die Regel ist. Das Buchcover zeigt einen lächelnden Mönch, bereit, sich befragen zu lassen, dazu ausgewählte (Reiz-)Fragen, die erahnen lassen, was einen erwartet: „Was trägst du unter der Kutte?“ – „Was stört dich an deiner Kirche am meisten?“ – „Hattest du schon mal Zweifel?“ – „Wie stellst du dir Gott vor?“ – „Nutzt ihr das Internet?“.Manche Antworten fallen ganz kurz aus, wie etwa die auf die Frage 73 („Hattest du schon mal Sex?“), die alle Schlüssellochfetischisten enttäuschen muss: „Auf diese Frage antworte ich immer: Was vor dem Kloster war, spielt keine Rolle …“

Kurz, aber keineswegs unreflektiert

Die Offenheit, die Direktheit, die Ehrlichkeit und der Humor werden die einen erstaunen. Andere werden Tiefgang vermissen, der aber nicht fehlt, auch wenn viele Antworten kurz ausfallen, aber keineswegs unreflektiert sind. Die Fragen wurden von Jugendlichen gestellt. Offenbar nicht selten von solchen, die mit der Kirche nicht viel am Hut haben, aber neugierig sind. ­Voyeurismus wird nicht bedient. Im Hintergrund steht das fünfzehn Minuten dauernde YouTube-Video „#FragEinenMönch“, das im Dezember 2019 erschien und über eine Million Zuschauer hatte. Es motivierte offensichtlich zu diesem Buch.

In der Zeit-Beilage Christ & Welt (28/2021) meinte der Literatursoziologe und Redakteur Andreas Öhler, das Buch sei „niederschwellig angelegt“: „Ziel war es ganz offensichtlich, ein junges Publikum anzusprechen, das sich unter so einem komischen Mischwesen aus Fülle und Verzicht im Mönchsgewand nichts vorstellen kann.“ Das ist gut auf den Punkt gebracht. Ich habe mich gefragt: Wie hätte ich geantwortet? Wie direkt, wie offen, wie ehrlich? Oder wie ausweichend, wie diplomatisch, wie nichtssagend? Das gibt es ja auch.

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