Benedikt XVI. und Bartholomaios I.

Benedikt XVI. und der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. haben letzten Donnerstag beim Besuch des Papstes im Phanar in Istanbul eine gemeinsame Erklärung unterzeichnet. Zentrale Passagen dieser Erklärung lauten:

"In Dankbarkeit haben wir der Begegnungen unserer [...] Vorgänger gedacht, die der Welt die Dringlichkeit der Einheit zeigten und den Weg bahnten, auf dem wir durch Dialog, Gebet und tägliches kirchliches Leben zu ihr gelangen werden. Gerade anlässlich des Besuches von Papst Johannes Paul II. [...] wurde die Einsetzung der Gemeinsamen Kommission des theologischen Dialogs zwischen der römisch-katholischen und der orthodoxen Kirche proklamiert.

Diese Kommission hat im Namen unserer Kirchen das erklärte Ziel, die vollkommene Gemeinschaft wiederherzustellen. Was die Beziehungen zwischen der Kirche von Rom und der Kirche von Konstantinopel anbelangt, so ist es uns unmöglich, den offiziellen kirchlichen Akt zu vergessen, wodurch die alten Kirchenbanne, die die Beziehungen zwischen unseren Kirchen Jahrhunderte lang negativ beeinflusst haben, dem Vergessen anheim gegeben wurden. Wir haben seitdem nicht alle aus diesem Akt sich ergebenden positiven Konsequenzen auf dem Weg zur vollendeten Einheit [...] ausgeschöpft. [...]

Als Hirten haben wir vorrangig unsere Sendung zur Verkündigung des Evangeliums in der heutigen Welt bedacht. Diese Sendung, ,gehet hin und lehret alle Völker' (Matthäus 28,19), ist heute wie eh und je aktuell und unverzichtbar, und das sogar in den traditionell christlichen Ländern. Überdies können wir auch das verstärkte Auftreten von Säkularismus, Relativismus und Nihilismus besonders in der westlichen Welt nicht ignorieren. All das erfordert eine erneuerte, massive Verkündigung des Evangeliums, die auf die heutigen kulturellen Tendenzen abgestimmt ist. Unsere Traditionen sind für uns ein Erbe, das wir miteinander teilen, manifestieren und beständig aktualisieren sollen. Darum müssen wir unsere Zusammenarbeit und unser gemeinsames Zeugnis vor allen Völkern stärken.

Den Weg zur Bildung der Europäischen Union haben wir positiv gewürdigt. Die Pioniere dieses bedeutenden Unterfangens werden gewiss nicht versäumen, alle Aspekte zu berücksichtigen, die die menschliche Person und ihre unveräußerlichen Rechte, insbesondere die Religionsfreiheit, die der Beweis und Garant des Respekts vor jeder anderen Freiheit ist, betreffen. Bei jeder Initiative, Einheit herzustellen, sollten die Minderheiten, ihre kulturellen Traditionen und ihre religiösen Besonderheiten, geschützt werden. In Europa müssen wir, ohne sich gegenüber den anderen Religionen und ihrem kulturellen Beitrag gegenüber zu verschließen, unsere Kräfte vereinen, um die Wurzeln, Überlieferungen und christlichen Werte zu bewahren, um den Respekt vor der Geschichte zu gewährleisten und zur Kultur des Europas von morgen, zur Qualität der menschlichen Beziehungen auf allen Niveaus beizutragen. [...]

Gesamttext der Erklärung:

www.patriarchate.org/press/ articles.php?id=99&lang=5

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