Eklat um die Bibel

Künftig wird es keine offizielle deutschsprachige ökumenische Übersetzung der Bibel mehr geben. Der Rat der Evangelischen Kirche (ekd) erklärte letzte Woche, dass sich die Protestanten nicht mehr an einer Überarbeitung der von katholischer und evangelischer Kirche 1979 herausgegebenen "Einheitsübersetzung" der Bibel beteiligen würden. Kardinal Karl Lehmann, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, warf der ekd vor, "einseitig und ohne weitere Rücksprache eine abschließende negative Entscheidung" getroffen zu haben.

Seit Jahren arbeiten evangelische und katholische Kirche an einer Überarbeitung der "Einheitsübersetzung". Als entscheidendes Hindernis für evangelische Beteiligung nennt die ekd die vatikanische Instruktion "Liturgiam authenticam" aus 2001, an die sich die katholischen Vertreter der Revision halten müssten. Dieses Dokument enthalte Kriterien, die von evangelischer Seite nicht mitgetragen werden könnten, so ekd-Ratsvorsitzender und Berliner Bischof Wolfgang Huber. So werde dort betont, dass bei einer Übersetzung auch die katholische Glaubenslehre berücksichtigt werden muss. Im Protestantismus dagegen gilt allein die Heilige Schrift als Grundlage des Glaubens. In der Instruktion heißt es auch, es dürfe kein Wortschatz übernommen werden, den "das katholische Volk mit dem Sprachgebrauch nichtkatholischer kirchlicher Gemeinschaften oder anderer Religionen verwechseln könnte". Von evangelischer Seite wird zudem kritisiert, dass protestantische Vertreter in strittigen Übersetzungsfragen überstimmt werden könnten. Nach Abschluss der Revision wird die "Einheitsübersetzung" nur noch von katholischer Seite verantwortet.

Kardinal Lehmann nannte es eine "erhebliche Belastung", wenn gerade im Land der Reformation "das Zeugnis der gemeinsamen Bibelübersetzung unterbrochen wird", während in vielen Nachbarländern inzwischen ökumenisch vereinbarte Übersetzungen geschaffen wurden. Die Schwierigkeiten wären zu überwinden gewesen, betonte der Vorsitzende der Bischofskonferenz. Auch Hamburgs Erzbischof Werner Thissen wertet die Entwicklung als "fatales Zeichen" und "enormen Rückschritt für die Ökumene". Diese Trennung hätte er beim heutigen Stand der ökumenischen Gemeinsamkeit in Deutschland nicht für möglich gehalten. KAP, epd

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