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Ökumene im Schlechtwetter

Anstatt hunderttausender Gläubiger kamen nur etliche Zehntausend zu den beiden Gottesdiensten am Kiewer Flughafen: Der erste Teil der Ukraine-Reise Papst Johannes Paul II. stand - nicht nur wettermäßig - unter keinem guten Stern.

Anders als in Griechenland vor sechs Wochen gelang es dem Papst nicht, durch spektakuläre Gesten und Aussagen orthodoxe Vorbehalte gegen sein Kommen zu zerstreuen. Die Vergebungsbitte an die Adresse der Orthodoxen, die Johannes Paul II. auch in Kiew sprach, reichte diesmal nicht für ein Tauwetter zwischen West und Ost - im Gegenteil: Viele Kommentatoren prognostizieren erst recht eine Eiszeit zwischen den vom Moskauer Patriarchen Aleksij II. geführten Russisch-Orthoxen und den Katholiken.

Wenige Stunden vor der Ankunft des Papstes in Kiew hatte Aleksij II. bekräftigt: "Die Reise des Papstes beruhigt die Konflikte in der Ukraine nicht, sondern verschärft die Lage." Die moskautreue Orthodoxie in der Ukraine, die größte Konfession im Land, verweigerte sich: Am Vorabend der Papstankunft entschied der Kiewer Metropolit Wolodymyr endgültig, an einer Begegnung mit dem Papst nicht teilzunehmen: Es wäre ein "Verrat an der Orthodoxie", wenn er, Wolodymyr, und der Papst einander umarmen und küssen würden, "während die Probleme bleiben und das Volk leidet".

Am zweiten Besuchstag des Papstes fand daher das Treffen mit den Mitgliedern des "Allukrainischen Rates der Kirchen und religiösen Gemeinschaften" ohne den Vertreter der größten Glaubensgemeinschaft im Lande statt. Was Rom so zu vermeiden trachtete, trat somit ein: Nur der von Moskau exkommunizierte "Patriarch von Kiew", Filaret, dessen ukrainisch-orthodoxe Kirche die zweitgrößte orthodoxe Gemeinschaft im Lande darstellt, und die ebenfalls nicht anerkannte autokephale Orthodoxie begrüßten den Papst. Moskau hatte den römischen Pontifex mehrere Male gewarnt, mit den "schismatischen" orthodoxen Hierarchen zusammenzutreffen. Das Fernbleiben Wolodymyrs führte nun dazu, dass genau dies geschah.

Dem Affront Wolodymyrs gegenüber dem Papst folgte der Affront des "abtrünnigen" ukrainischen Patriarchen gegenüber Moskau: Filaret, der bei der Wahl zum Moskauer Patriarchen vor einigen Jahren gegen Aleksij unterlegen war, und dessen "Kiewer Patriarchat" sich 1995 abspaltete, nahm vor dem Papst die Gelegenheit wahr, Moskau der Hartherzigkeit und der Verstockung zu zeihen.

Am Montagabend reiste Johannes Paul II. nach Lemberg in die Westukraine, die Hochburg der Katholischen unierten Ukrainer, weiter: Der Konflikt zwischen Unierten und Orthodoxen gehört zu den größten Problembrocken zwischen Rom und Moskau. Ob dem römischen Pontifex in Lemberg noch ein Schritt zur Entspannung möglich wurde, war bei Redaktionsschluss dieser furche aber noch nicht abzusehen.

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