Österreichs "oberster“ Ordensmann

Als ihn vor einigen Tagen der Telefonanruf ereilte, viele seiner Mitbrüder würden ihn gern als Vorsitzenden der Superiorenkonferenz sehen, sei er überrascht gewesen, erzählt Abt Christian Haidinger: "Mit fast 70 Jahren macht man normalerweise etwas anderes, als wieder ein Leitungsamt zu übernehmen …“ Dennoch wurde der Abt des Benediktinerstiftes Altenburg im Waldviertel am 25. November mit 41 von 52 Stimmen zum Nachfolger des Herzogenburger Propstes Maximilian Fürnsinn, der den Dachverband der Männerorden 15 Jahre lang geleitet hatte, gewählt.

Einen langgedienten Benediktiner - Abt Christian gehört bald 50 Jahre diesem Orden an - erschüttert nur mehr wenig: Er habe schon viele Aufgaben übertragen bekommen - und keine davon gewollt, schmunzelt er. Wenn so etwas wieder passiere, vergegenwärtige er sich das Wort des Propheten Jeremia: "Geh, wohin ich dich sende. Tu, was ich dich heiße. Und fürchte dich nicht!“

Nach dem Studium wurde Haidinger in seinem Heimatstift Kremsmünster Religionsprofessor, dann bis 2005 Pfarrer von Buchkirchen bei Wels, davon die letzten Jahre auch Generaldechant, also Vorsitzender der Dechanten der Diözese. 2004 bis 2012 war er Geistlicher Assistent der Katholischen Frauenbewegung Österreichs.

Das Jahr 2005 bildete eine große Zäsur im Leben des Pater Christian. Damals wählte ihn der kleine Konvent des Stiftes Altenburg zum Abt: Mit 61 verließ Haidinger sein Stift Kremsmünster, um fortan im Juwel des Waldviertels der dortigen Gemeinschaft vorzustehen. Altenburg ist für die Fresken von Paul Troger ebenso bekannt wie für seine Gärten; einer davon, der "Garten der Religionen“, will auch ein Zeichen für die Öffnung der katholischen Kirche nach dem Konzil sein. Als "Kind des II. Vatikanums“ bezeichnete sich Abt Christian auch bei seiner Vorstellung; dabei sind ihm zwei Aspekte besonders wichtig: Der eine ist, die "Zeichen der Zeit sehen, wahrnehmen und darauf Antworten suchen“. Und zum anderen ist er dem konziliaren Kirchenbild des pilgernden Volkes Gottes verpflichtet. In dieser Linie schließt er nahtlos an Propst Maximilian, seinem Vorgänger als "oberster“ Ordensmann Österreichs, an. Nun wird Abt Christian - er ist auf drei Jahre gewählt - dem Orden auf seine Weise eine "öffentliche Stimme“ verleihen.

Bereits seit 2009 steht er als Abtpräses den österreichischen Benediktinern vor, seine Amtsperiode dort geht noch vier Jahre. Im Stift Altenburg hingegen endet seine Amtszeit als Abt schon im nächsten Jahr.

Ein Thema. Viele Standpunkte. Im FURCHE-Navigator weiterlesen.

FURCHE-Navigator Vorschau