Alte Worte, neues Medium - Der moderne Kontext zeigt, dass der Koran nicht mehr als Buch zwischen zwei Deckeln gelesen wird, sondern via Display eines Smartphones. Die historische Kontextualisie­rung soll dazu dienen, die Dialogizität zwischen Offen­barung und der Lebenswirklichkeit im Kontext der Verkündigung des Korans aufzuzeigen. - © Getty Images / Fred de Noyelle / Godong
Religion

Offenbarung und Leben: ein Dialog

1945 1960 1980 2000 2020

Für Muslime ist der Koran die Offenbarung Gottes. Kann diese aber Menschenwort sein? Mouhanad Khorchide sagt: Ja. In seinem Korankommentar will er eine Brücke zwischen Tradition und Moderne bauen.

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Für Muslime ist der Koran die Offenbarung Gottes. Kann diese aber Menschenwort sein? Mouhanad Khorchide sagt: Ja. In seinem Korankommentar will er eine Brücke zwischen Tradition und Moderne bauen.

Ein Korankommentar in deutscher Sprache ist im Begriff zu entstehen und der erste Band, der ein Programm für die kommenden 16 weiteren Bände vorstellt, ist vor Kurzem erschienen mit dem Titel: „Gottes Offenbarung in Menschenwort. Der Koran im Licht der Barmherzigkeit.“

Ein Korankommentar in deutscher Sprache ist im Begriff zu entstehen und der erste Band, der ein Programm für die kommenden 16 weiteren Bände vorstellt, ist vor Kurzem erschienen mit dem Titel: „Gottes Offenbarung in Menschenwort. Der Koran im Licht der Barmherzigkeit.“

Es handelt sich dabei um einen thematischen Korankommentar, der nicht Sure für Sure nachgeht, sondern er setzt sich mit allen Versen zu einem bestimmten Thema auseinander (z. B. Gottesbild, Menschenbild, Andersgläubige, Frau, Gewalt, Schöpfung, gesetzliche Normen (Scharia), Prophetenerzählungen, religiöse Rituale usw.). Klassische Exegesen werden zwar im Kommentar konsultiert, diese blicken allerdings auf den Koran in der Regel als abgeschlossenen Text, der als göttlicher Monolog verkündet wurde.

Dem Exegeten bleibt hier nicht mehr viel Spielraum, außer an erster Stelle zu versuchen, mittels philologischer Werkzeuge, die Worte Gottes zu verstehen und zu decodieren. Das heißt, die meisten dieser klassischen exegetischen Werke nehmen kaum Rücksicht auf den historischen Kontext der Verkündigung des Korans bzw. den historischen Kontext der späteren Rezipienten.

Die Forderung nach einem rein historisch-kritischen Zugang zum Koran hingegen, der vor allem nach der Bedeutung des Korans für die ersten Hörer fragt, klingt heute nach einer reizvollen Alternative, um den Koran in die Moderne zu bringen, ist jedoch ebenfalls nicht ausreichend, weil diese Ansätze meist Gott ausklammern. Man spricht von einem methodischen Atheismus. Und so nimmt man den Gläubigen Gott weg. Der angestrebte Korankommentar versucht hier eine Brücke zwischen beiden Perspektiven aufzubauen: der historisch-kritischen, die in der Regel Gott ausklammert, und der theologischen, die Gott als (Mit-)Akteur im Offenbarungsgeschehen berücksichtigt.
Allerdings muss unterstrichen werden, dass wir heute den Koran nicht wirklich verstehen können, ohne eine historische Kontextualisierung bzw. ohne die historisch-kritische Methode anzuwenden.

Mein Anliegen ist es, diese Methoden nicht als Instrument des Verschließens des Korans anzuwenden, sodass am Ende eine einzige möglichst wahre Auslegung des Korans herauskommt. Die historische Kontextualisie­rung und historisch-kritische Methode sollen vielmehr dazu dienen, die Dialogizität zwischen Offenbarung und der Lebenswirklichkeit im Kontext der Verkündigung des Korans aufzuzeigen und den gegenseitigen Einfluss zu rekonstruieren, um so die Geschichte der Offenbarung als die Geschichte Gottes mit dem Menschen offenzulegen.

Es geht im Korankommentar um einen ­theologischen Zugang zum Koran, der den Koran als Selbstoffenbarung Gottes, als seine Selbstgegenwart würdigt. Diese Offenbarung ereignet sich in der und durch die Ge­schichte, daher ist die Geschichte des Korans die Geschichte Gottes mit dem Menschen.
Demnach stellt der Koran viel mehr dar als nur eine Mitteilung, einen Brief Gottes an die Menschen. Im Koran teilt Gott sich selbst mit; es ist Gott, der dem Rezipienten im Koran begegnet. Daher wird im ersten Band „Gottes Offenbarung in Menschenwort“ eine erste Grundlage für eine theologische Hermeneutik des Korans entwickelt, die in
der Frage nach dem Verstehen des Korans mehr sieht als eine Frage nach dem Umgang mit einem Text, nämlich darüber hinaus eine Frage nach der Begegnung mit Gott selbst.

Diese Unterscheidung zwischen der Auffassung des Korans als von Gott mitgeteilte Instruktion/Botschaft auf der einen Seite und seiner Auffassung als die Gegenwart Gottes, der sich selbst im Koran offenbart, ist für den ganzen Korankommentar zentral. Um dies zu verdeutlichen, muss man sich in den Kontext der Offenbarung des Korans im 7. Jahrhundert auf der arabischen Halbinsel hineinversetzen. Wie haben Mohammed und die Erstadressaten den Koran wahrgenommen?

Der Koran wurde bekanntlich nicht auf einmal, sondern sukzessive innerhalb von 23 Jahren (610 bis 622 mekkanische Phase und 622 bis 632 medinensische Phase) in verschiedenen zeitlichen, räumlichen, politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Kontexten offenbart. Der Koran begleitete die Menschen über diesen Zeitraum unmittelbar und reagierte auf deren Anliegen. Im Bewusstsein der Erst­adressaten war der Koran kein abstraktes, von ihrem Leben unabhängiges Buch, das ihnen irgendwelche Lehrsätze vermitteln wollte, sondern eine ständige Präsenz Gottes in ihrem Leben, und zwar als ein bekümmerter, betroffener, sorgender und besorgter Gott. Sie haben nicht im Koran gelesen, wie wir ­dies heute tun, denn der Koran wurde später und erst nach dem Tod des Propheten Mohammed zu einem Buch schriftlich fixiert, wie wir es heute zwischen zwei Buchdeckeln in den Händen halten. Im Bewusstsein der Erst­adressaten des Korans war es eigentlich nicht der Koran, der sie begleitete, sondern Gott selbst. Im Koran hat sich ihnen ein mit einer liebenden Barmherzigkeit zugewandter Gott offenbart, der sich allen Menschen zuwendet und sie zur Beziehung mit ihm einlädt.

Im Bewusstsein der Erstadressaten war der Koran kein abstraktes, von ihrem Leben unabhängiges Buch.

Diese liebende Barmherzigkeit manifestierte sich für die Erstadressaten im begleiteten Klang des Korans, durch den Gottes „Emotionen“ realisierbar wurden.
Diese drückten an erster Stelle Gottes Sorge um die Unterdrückten, die Bedürftigen, die Leidenden, aber auch um diejenigen, die „Nein“ zur Annahme von Gottes liebender Barmherzigkeit gesagt haben, aus. Der Koran stellte daher für die Erstadressaten die Beziehungszusage Gottes schlechthin dar: „Er liebt sie und sie lieben ihn“ (5:45). Gott lädt den Menschen ein, sein Leben auf ihn hin auszurichten, und sagt ihm zu, ihm in dieser Ausrichtung immer neu entgegenzukommen.

Eine – auch unter Muslimen – verbreitete Vorstellung vom Koran bezieht sich primär auf juristische Aspekte; dieser Vorstellung nach ist der Koran primär ein Gesetzesbuch, das ein möglichst alle Lebensbereiche der Menschen umfassendes juristisches Schema entwirft. Demnach gehe es im Islam um die Befolgung von klaren Gesetzen, die der Koran explizit aufführt und für alle Zeiten und Orte verbindlich vorschreibt. Dieses Islamverständnis dominiert heute und führt zu einer konfliktträchtigen Situation: Einerseits stehen viele Muslime vor dem Dilemma, dass sie alle juristischen Regelungen des Korans wortwörtlich ins Hier und Jetzt übertragen wollen, diese sich jedoch nicht mit ihrer Lebenswirklichkeit vereinbaren lassen. Andererseits haben viele Menschen in Europa Angst vor einer Religion, die den Anspruch hat, eigene – zu dem im jeweiligen Nationalstaat geltenden Recht zum Teil in Konkurrenz oder Widerspruch stehende – Gesetze einzuführen.

Barmherzigkeit wird im Koran im Sinne der syro-aramäischen Deutung des koranischen Wortes für die Beschreibung des Wesen Gottes ar-rah˙mān (der liebende Barmherzige) „liebende Barmherzigkeit“ bezeichnet, um sie von einer bloß vergebenden Barmherzigkeit abzugrenzen. Mit der liebenden Barmherzigkeit ist hier die bedingungslose Zuwendung Gottes dem Menschen gegenüber und seine Entschiedenheit für ihn und somit für seine Freiheit zu verstehen. Diese koranische Kategorie der Barmherzigkeit entspricht der Rede von Freiheit als Bestimmungsmoment der Beziehung zwischen Gott und dem Menschen. Im Zentrum der Rede Gottes steht daher die menschliche Freiheit. Die Offenbarung Gottes auf eine Weise, die die Freiheit des Menschen berücksichtigt, ist als Freiheitsgeschehen zu denken. Im Geschehen der Liebe als freiem Entgegenkommen bleibt und wird die andere Freiheit anerkannt, der Mensch wird darüber hinaus ermutigt, sich aus dieser zuvorkommenden Liebe heraus selbst neu zu bestimmen.

Offenbarung Gottes in Menschenwort

Wenn der Koran das Ziel göttlichen Schöpfungshandelns als Suche nach Mitliebenden bestimmt hat, „er liebt sie und sie lieben ihn“ (5:54), dann ist damit Freiheit bereits mitgedacht. Und so ist die Geschichte Gottes mit den Menschen – und damit eng verbunden sein Selbstoffenbarungsgeschehen – notwendigerweise eine Freiheitsgeschichte und ein Freiheitsgeschehen, denn Liebe setzt wirkliche Freiheit voraus, Freiheit ist das Gesetz der Liebe. Daher be­schreibt der Koran das höchste Ziel der Verkündigung Mohammeds: „Wir [Gott] haben dich [Mohammed] ausschließlich als Barmherzigkeit für alle Welten entsandt.“ (21:107)
Um die Freiheit des Menschen zu schützen, greift Gott nämlich in die Welt nur auf eine Weise ein, die diese Freiheit des Menschen nicht beeinträchtigt und daher hauptsächlich durch den Menschen selbst, der sich in Freiheit für die Freisetzung von Freiheit, also für die Liebe, einsetzt. Und das ist genau die Geschichte der Offenbarung des Korans. Sie ist eine Geschichte, deren Hauptakteure Gott und Mensch sind. In ihr vergegenwärtigt sich Gott in menschlichen Kategorien, und somit ist der Koran die Offenbarung Gottes in Menschenwort.

Denn die Offenbarung Gottes als Freiheitsgeschehen will die Adressaten des Korans zur Freiheit ermutigen und keinesfalls aus ihnen unbeteiligte Empfänger und somit lediglich Objekte von Gottes Barmherzigkeit machen. Zugleich bezeugt der Koran das Risiko, das Gott eingeht, seine Beziehung zu den Menschen als Freiheitsbeziehung zu bestimmen und daher dem Menschen Freiheit zu schenken. Sehr oft hat der Mensch die ihm geschenkte Freiheit missbraucht und so auch für andere nachhaltig verstellt. Er tut dies auch heute noch. Der Koran als Selbstoffenbarung Gottes in menschlichen Kategorien bezeugt diese Relationalität zwischen Gott und Mensch. Daher zeichnet der Koran keine heile Welt ohne Leid, Krieg und Egoismus, sondern beschreibt diese Defizite, die meist aus dem Missbrauch menschlicher Freiheit und somit der Zurückweisung von Freiheit resultieren. Er will, vor allem durch seinen ergreifenden und bewegenden Klang, die Erstadressaten wie auch die heutigen Rezipienten des Korans dazu ermutigen, durch ihr eigenes Handeln und durch ihren Einsatz in der Welt ein Medium der Verwirklichung göttlicher liebender Barmherzigkeit zu sein, um dadurch sich selbst und seiner eigenen Freiheit zu entsprechen. Durch den Klang des Korans geschieht Gottes Selbst­offenbarung in jedem Akt der Rezitation und des Hörens des Korans.

In einem zweiten Schritt geht es darum, die heutigen Rezipienten des Koran für die Begegnung mit dem Koran als Begegnung mit der liebenden Barmherzigkeit Gottes zu sensibilisieren.

Der Korankommentar zeichnet sich durch einen historisch-theologischen Zugang aus. Historisch deshalb, weil er den Koran in seinem Entstehungskontext im 7. Jahrhundert auf der arabischen Halbinsel verortet und zu rekonstruieren bemüht. Theologisch deshalb, weil er, entsprechend dem muslimischen Glauben, von der Prämisse ausgeht, der Koran sei die Selbstoffenbarung Gottes, im Sinne seiner Selbstgegenwart in der Geschichte.

Dies darf allerdings nicht in die Richtung missverstanden werden, dass der Koran einen Monolog Gottes darstellt, denn die Anliegen der Erstadressaten des Korans im 7. Jahrhundert, ihre Ängste, Hoffnungen, Sorgen, Narrative, ihre linguistischen sowie kulturellen Sprache usw. waren konstitutiv für die koranische Rede. Daher ist der Koran nach dieser Auffassung Gottes Menschenwort. Gott kommuniziert im Koran mit und vor allem durch den Menschen selbst. Und daher stellt der Koran die Involviertheit Gottes in der Geschichte des Menschen dar, um seine liebende Barmherzigkeit, also seine Zusage, den Menschen zu offenbaren.
Daher besteht die Aufgabe einer historisch-theologischen Hermeneutik darin, im ersten Schritt, das Zeugnis dieser liebenden Barmherzigkeit Gottes in der Geschichte der Offenbarung aufzudecken, also danach zu fragen, wo sie konkret Wirklichkeit wird. Wo hat die Begegnung mit dem Koran die Erstrezipienten zur Zeit Mohammeds zur Liebe entzündet? Welchen Wandel der Geschichte der Erstrezipienten in Richtung der Freisetzung von Freiheit und somit der Entfaltung von liebender Barmherzigkeit hat die Begegnung mit dem Koran angestoßen?

In einem zweiten Schritt geht es darum, die heutigen Rezipienten des Koran für die Begegnung mit dem Koran als Begegnung mit der liebenden Barmherzigkeit Gottes zu sensibilisieren. Auf diese Weise soll ihnen die Möglichkeit eröffnet werden, die liebende Barmherzigkeit Gottes in dieser Begegnung für sich neu zu entdecken und zwar entsprechend den jeweiligen Rahmenbedingungen und historischen Kontexten, um diese liebende Barmherzigkeit dann in das eigene Leben zu tragen und zu einer erfahrbaren Wirklichkeit zu machen.

Damit bleibt der Koran auch für seine heutigen Rezipienten als Ereignis der Begegnung mit Gottes liebender Barmherzigkeit lebendig. Da der Koran weniger über Lehrsätze und juristische Regelungen informieren, sondern zur Liebe entzünden will, macht er aus seinen Rezipienten keine Objekte der Hörigkeit. Sie sind immer zugleich die Subjekte des Korans, die sich mit ihrer Lebenswirklichkeit in eine offene Kommunikation mit dem barmherzigen Gott einbringen, um die Frage an sich zu stellen, wie sie die Liebe, die sich in ihnen durch die Begegnung mit dem Koran entzündete, in ihrem jeweiligen Lebensentwurf verwirklichen können.

Die Rezeption in der islamischen Welt

Es ist keine Frage, dass die herrschende Lesart des Korans in den islamischen Ländern die wortwörtliche ist. Viele moderne hermeneutische Methoden werden abgelehnt und zwar mit der Begründung, dass das Gotteswort nicht relativiert werden darf, es gilt ahistorisch, also unabhängig von historischen Kontexten und vom gesellschaftlichen Wandel.
Dennoch darf man nicht pauschalieren. Ich habe in den vergangenen Wochen die Idee des Kommentars sowohl im Libanon als auch in Tunesien vorgestellt und in beiden Ländern eine ähnlich Erfahrung gemacht: Die Gelehrten an den traditionellen theologischen Fakultäten sind noch skeptisch, andere Gelehrte an philosophischen bzw. literaturwissenschaftlichen Fakultäten waren viel offener und viele haben das Vorhaben mit Nachdruck begrüßt.

Die Herausforderung liegt in der Bereitschaft der theologischen Fakultäten, sich anderen Zugängen als den Klassischen zu öffnen. Es ist in meinen Augen eine intellektuelle Frage, die die Bildungsinstitutionen in den islamischen Ländern betrifft.

Der Autor leitet das Zentrum für Islamische Theologie an der Universität Münster

Fakt

Zur Debatte: Bitter nötige, geistige Auseinandersetzung

Islamkritiker von Thilo Sarrazin abwärts sehen in seinen Versuchen, an europäischen Universitäten selbstverständliche Methoden, mit alten (religiösen) Texten umzugehen, auch auf den Koran anzuwenden, untaugliche Mittel, eine gewalttätige und rückständige Religion salonfähig zu machen. Und ein Gutteil muslimischer Kritiker, nicht zuletzt aus konservativen Islamverbänden, unterstellen Mouhanad Khorchide, den Koran als absolutes Gotteswort zu leugnen.

Dass die FURCHE dem großen Korankommentar-Projekt ihres Kolumnisten in dieser Ausgabe Raum schenkt, bedeutet keine Stellungnahme zur theologischen oder exegetischen Qualität des Unterfangens. Sehr wohl aber soll aufgezeigt werden, dass es aktuell muslimische Denker gibt, die versuchen, aus dem – auch intellektuellen – Patt herauszufinden, in das sich konservative Islam­bewahrer wie säkulare Islamkritiker in Euro­pa verstrickt haben: Wenn es keinen Dia­log­versuch zwischen den verschiedenen religiö­sen und kulturellen Sphären gibt, die hier aufeinandertreffen, dann wird ein gedeihliches Zusammenleben in Europa wie auch im globalen Maßstab unmöglich.

Wer dem Islam jede Bewegungsmöglichkeit abspricht, wird durch obige Überlegungen zwar kaum von festgefahrenen Überzeugungen ablassen, desgleichen diejenigen Muslime, die in Religionsdingen den „Westen“ als verstocktes Heidentum denunzieren. Die FURCHE, die sich geistiger Auseinandersetzung und dem Dialog verpflichtet weiß, mag dem keinen Vorschub leisten – sie will zeigen, wo weiter gedacht wird, auch wenn es sich dabei um denkerische Sisyphusarbeit handelt. Im Übrigen können Katholiken ja mit ihrer jüngeren Geschichte aufwarten: Noch vor weniger als 100 Jahren galt ja historisch-kriti­sche Bibelexegese als Teufelsding und glaubenszersetzend. Warum wollte man Muslimen nicht zubilligen, dass auch in ihren Reihen nachgedacht wird, wie aus religions-ideologi­schen Sackgassen herauszukommen wäre? (ofri)

Gottes Offenbarung in Menschenwort - © Herder
© Herder
Buch

Gottes Offenbarung in Menschenwort

Der Koran im Licht der Barmherzigkeit

Von Mouhanad Khorchidee

Herder 2018

352 Seiten, geb.

€ 30,90.-