Papyrusfragment aus dem vierten Jahrhundert mit einer Kindheitserzählung Jesu - Papyrusfragment aus dem vierten Jahrhundert mit einer Kindheitserzählung Jesu - © Foto: Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg/Public Domain Mark 1.0

Papyrologie: Problematischer "Sensationsfund"

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Ein kleines Papyrusstück mit Teilen eines "Evangeliums" über die Kindheit Jesu sorgte weltweit für mediale Aufregung. Diese angeblich sensationelle Nachricht zeigt, dass die heute so stark propagierte Wissenschaftskommunikation durchaus auch problematische Seiten haben kann.

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Ein kleines Papyrusstück mit Teilen eines "Evangeliums" über die Kindheit Jesu sorgte weltweit für mediale Aufregung. Diese angeblich sensationelle Nachricht zeigt, dass die heute so stark propagierte Wissenschaftskommunikation durchaus auch problematische Seiten haben kann.

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Das „älteste Manuskript des Evangeliums über die Kindheit Jesu“ sorgte kürzlich für weltweite Schlagzeilen. Medien von der deutschen Bild bis hin zur angesehenen Washington Post feierten den angeblichen „Sensationsfund“. Auch in österreichischen Medien fand die Entdeckung einer Handschrift aus der Frühzeit des Christentums Beachtung. Diese angeblich sensationelle Nachricht zeigt, dass die heute so stark propagierte Wissenschaftskommunikation durchaus auch problematische Seiten hat. Denn es werden Erwartungen geweckt, die wissenschaftlich nicht gedeckt sind. Ein Papyrusfragment, das in Hamburg aufbewahrt wird, wurde mittels moderner technischer Hilfsmittel als Fragment einer griechischen Überlieferung über die Kindheit Jesu identifiziert, die in der wissenschaftlichen Community mit gutem Grund nicht als „Evangelium“, sondern als „Kindheitserzählung des Thomas“ bezeichnet wird. Eine „Kindheitserzählung“ schlägt natürlich weniger Wellen als ein scheinbar unbekanntes „Evangelium“, das plötzlich entdeckt wird.

Grundsätzlich berichten nur zwei der vier Evangelien des neuen Testaments überhaupt über einige wenige Dinge aus der Kindheit Jesu, hier geht es vor allem um seine Geburt und die Flucht nach Ägypten. Es sind Themen, die auch in der bildenden Kunst häufig dargestellt wurden. Über die frühe Kindheit Jesu und seine Jugend ist aus diesen Evangelien fast nichts bekannt. Einzig das Lukasevangelium erwähnt noch, dass Jesus im Alter von zwölf Jahren einen Besuch der Familie in Jerusalem dazu genutzt habe, im Tempel zu lehren. Es handelt sich also um Leerstellen. Derartige Leerstellen sind für Menschen immer eine Versuchung. Dies gilt beispielsweise auch für zahlreiche ehemals weiß gestrichene Hauswände, auf denen Graffiti angebracht wurden. Diese Bemalungen wurden lange als Sachbeschädigung abgetan, spätestens wenn der mysteriöse Künstler Banksy als Urheber im Gespräch ist, gelten sie als Kunstwerk.

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