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Bilanz eines Kirchen-Jahres

eisenberger weihnachten - © Lena Deinhartstein
Religion

Provokationen und Spirituelles

1945 1960 1980 2000 2020

Buch-Tipps – nicht nur für den Gabentisch: ein provokativ-theologischer Zugang zu Weihnachten, Lyrik und Prosa über einen „aushaltenden“ Glauben, Interreligiöses zu den 99 Gottesnamen sowie Prägnantes zur Bibel.

1945 1960 1980 2000 2020

Buch-Tipps – nicht nur für den Gabentisch: ein provokativ-theologischer Zugang zu Weihnachten, Lyrik und Prosa über einen „aushaltenden“ Glauben, Interreligiöses zu den 99 Gottesnamen sowie Prägnantes zur Bibel.

Weihnachten als Provokation“: Diesen Untertitel gibt der Freiburger Moraltheo­loge Eberhard Schockenhoff seinem neuen Buch. Und mit dem Titel „Frieden auf Erden?“ zeigt er, was er meint: In der Weihnachtserzählung singen die Engel vom Frieden auf Erden, und in der messianischen Hoffnung bei den Propheten des Alten Bundes ist von einem Friedensreich die Rede, davon, dass die Welt gut wird, die Gewalt an ihr Ende kommt und die Menschen in Gerechtigkeit miteinander leben.

Der christliche Glaube geht davon aus, dass sich diese Vision erfüllt hat. Oder? Von Frieden keine Spur, die Ungerechtigkeit grassiert weiter – in diesem Sinn muss die Weihnachtsbotschaft als Provokation empfunden werden. Schockenhoff nimmt diese an: In 14 Kapiteln stellt er der Botschaft von der Menschwerdung Gottes die unwirtliche Realität entgegen, er beleuchtet die jüdische wie christliche messianische Tradition und legt sie im Heute aus: Es handelt sich um Verheißungen und Weissagungen, die die Bibel anbietet, aber nicht um etwas wie Wettervorhersagen, die vorgeben, zu wissen, wie es morgen sein wird. In diese Überlegungen fließen auch politische und gesellschaftliche Umstände der Gegenwart ein – und auch der je persönliche Lebensstil, der von der Botschaft der Menschwerdung Gottes als Kind bis heute betroffen ist. Lesenswert.

Die burgenländische Schriftstellerin Ana Schoretits legt im Band „aushalten“ Gedichte und spirituelle Annäherungen an Gott vor. In der Sprache ihrer Lyrik und Kurzprosa hält sich die Autorin an Karl Rahners Diktum: „Glauben heißt nichts anderes als die Unbegreiflichkeit Gottes ein Leben lang aushalten.“ Kein geringer Anspruch, dem Schoretits erkennbar nachgeht. Die Texte sind nicht für die Ewigkeit verfasst, wohl aber fürs religiö­se Lebensgefühl von heute, wenn Schoretits in einem der Gedichte etwa schreibt, dass Weder Priester, die es nicht schaffen, / über den eigenen Schatten zu springen / noch das Gold der Jahrhunderte […] / noch pathetisch rezitierte Bibeltexte die Frage beantworten können, wo sich der Glaube jenseits von skurrilen Begleiterscheinungen / engstirnig praktizierter Frömmigkeit verbirgt. Die Antwort: Sterndeuter sind gefragt, Magier des Lichtes, / auf dem sicheren Weg zum guten Stern / und ein Glaube ohne Wenn und Aber … – Auch ein kleines orthografisches Zeichen wie der Dreipunkt am Schluss des Gedichts macht glaubhaft, was da mit dem „Aushalten“ gemeint ist.