Reliunterrricht - © iStock/clu
Religion

Religionsunterricht „ins rechte Licht rücken“

1945 1960 1980 2000 2020

Abmeldemöglichkeit, die neue alternative Ethik und immer mehr Kinder ohne Bekenntnis: Der katholische Religionsunterricht steht vor Herausforderungen – und kämpft in einer Kampagne für ein zeitgemäßes Bild in der öffentlichen Wahrnehmung.

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Abmeldemöglichkeit, die neue alternative Ethik und immer mehr Kinder ohne Bekenntnis: Der katholische Religionsunterricht steht vor Herausforderungen – und kämpft in einer Kampagne für ein zeitgemäßes Bild in der öffentlichen Wahrnehmung.

Die erste Schulwoche ist eine Woche der Entscheidung – für oder gegen den Religionsunterricht. In Österreich hauptsächlich davon betroffen ist das Fach katholische Religion: 64 Prozent aller Schüler haben ein römisch-katholisches Bekenntnis, das sind 616.000 Kinder und Jugendliche. 8,7 Prozent davon machten im Vorjahr von der Abmeldung Gebrauch. Umgekehrt besuchten ungefähr 24.000 Schüler(innen) ohne Bekenntnis den katholischen Unterricht als Freigegenstand. In diesem Spannungsfeld muss ein Unterricht geschaffen werden, der auf die Lebenswelten aller eingeht. Das bestätigt auch Andrea Pinz, Leiterin des Schulamtes der Erzdiözese Wien sowie des interdiözesanen Amtes für Bildung und Erziehung (IDA). „Die große Her­ausforderung ist nicht die Abmeldung“, sagt sie. „Die große Her­ausforderung ist, dass immer mehr Kinder und Jugendliche ohne Bekenntnis sind.“

Der Prozentsatz an Abmeldungen ist laut Pinz seit 20 Jahren konstant. Trotz dieser guten Zahlen in den Statistiken kämpft der konfessionelle Religionsunterricht in der Außenwirkung gegen sein Image, wird er doch vielfach als indoktrinierend wahrgenommen. Dagegen wehrt sich die katholische Kirche jetzt mit der Kampagne „Ich glaube – Ja“, die auf Initiative der IDA realisiert und kurz vor Schulbeginn medienwirksam präsentiert wurde. Bischöfe und Schulamtsleiter der Diözesen stellten sich dabei hinter ihre Religionslehrerinnen und -lehrer – und forderten ein öffentliches Bekenntnis zum Religionsunterricht ein. Nur so könnten die kulturellen Wurzeln der europäischen Gesellschaft kennen­gelernt und verstanden werden. „Nachdem Religion ein Teil unseres Lebens ist, gehört Religionsunterricht in die Schule, als Basis für eine pluralistische Gesellschaft und als Basis für ein ethisch korrektes spirituelles Leben“, betonte Schulbischof Wilhelm Krautwaschl dabei – und sein St. Pölt­ner Kollege Alois Schwarz hielt fest: „Wir können Europa nicht ohne Jerusalem – und Athen und Rom nicht ohne Jesus verstehen.“

Verzerrter Eindruck

Durch die Initiative solle der katholische Unterricht „so dargestellt werden, wie er wirklich ist“, ergänzt Pinz – und die Arbeit der Lehrkräfte „ins rechte Licht“ gerückt werden. Zu verzerrt sei die öffentliche Wahrnehmung darüber, was im konfessionellen Unterricht an den Schulen gelehrt werde. Dabei gehe es vielfach um die „gro­ßen und kleinen Fragen des Lebens, die Kinder und Jugendliche haben“, meint die IDA-Leiterin. Genau diese Fragen – von „Mag Gott mich immer?“ bis „Gibt es Hoffnung für die Welt?“ – habe man sich für die neue Kampagne zunutze gemacht. Gestellt werden sie auf den Werbeplakaten, die zusammen mit Infoscreens und Inseraten den ganzen September hindurch zu sehen sind, von sechs Kindern und Jugendlichen aus den Diözesen, die tatsächlich den Religionsunterricht besuchen. Die Beantwortung erfolgt durch die Lehrkräfte selbst (vgl. www.mein-religionsunterricht.at). Zudem sind während des gesamten Schuljahres diverse Schwerpunktaktionen an den Schulen geplant.