schönborn tück - © Kathpress  -  Kardinal Schönborn im Gespräch mit Jan-Heiner Tück beim Fest 75 Jahre Kathpress am 4. Mai 2022

Schönborn kritisiert Synodalen Weg: Kein einlullender Traditionalismus!

1945 1960 1980 2000 2020

Kardinal Christoph Schönborn prügelt im Verein mit dem Wiener Dogmatiker Jan-Heiner Tück den Synodalen Weg in Deutschland. Insbesondere sein Vorwurf, das Missbrauchsthema werde für eine Kirchenreform missbraucht, verkennt die aktuelle Dramatik fundamental. Ein Kommentar.

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Kardinal Christoph Schönborn prügelt im Verein mit dem Wiener Dogmatiker Jan-Heiner Tück den Synodalen Weg in Deutschland. Insbesondere sein Vorwurf, das Missbrauchsthema werde für eine Kirchenreform missbraucht, verkennt die aktuelle Dramatik fundamental. Ein Kommentar.

Dieser Tage ringen Österreichs Bischöfe mit Vertreter(inne)n des Volkes Gottes in Mariazell um die Vorgangsweise bei den synodalen Prozessen, die Papst Franziskus seiner Kirche verordnet hat. Zum Synodalen Weg in Deutschland, dem Reform- und Diskussionsprozess der Kirche im Nachbarland, haben sich heimische Hirten bislang nicht grundsätzlich geäußert.

Das ändert sich nun: Kardinal Christoph Schönborn hat in einem langem Interview des Wiener Dogmatikers Jan-Heiner Tück, das in der jüngsten Ausgabe der Zeitschrift Communio veröffentlicht wurde, große Bedenken und unverhohlene Kritik am deutschen Reformweg geübt. Wobei „Interview“ eigentlich nicht richtig ist.

Denn Jan-Heiner Tück, der Herausgeber von Communio, hat bereits in den letzten Monaten seinerseits an den deutschen Diskussionen scharf kritisiert, man wolle demokratische Strukturen durchsetzen, die mit der Verfasstheit der katholischen Kirche unvereinbar seien. Mit dem Wiener Erzbischof hat Tück einen ähnlich Denkenden gefunden; der Gleichklang der Fragen des „Interviewers“ und der Antworten des Kardinals ist frappierend. Allenfalls wird das Gewicht der Argumente vergrößert, handelt es sich bei Schönborn um einen, dessen Wort in der katholischen Kirche Gewicht hat, bei Papst Franziskus allzumal.

Zerstörerische Reformagenda?

Konkret kritisiert Schönborn die Verengung der Diskussion um Synodalität auf Strukturfragen, dabei gehe es eigentlich um einen gemeinsamen „geistlichen Weg des Suchens, des Betens und Bittens“. Insbesondere in der Frage des Weiheamts will er nicht am Bisherigen rütteln, wenn er in der Ablehnung etwa des Frauenpriestertums formuliert: „Vielleicht ist hier ein Sinngehalt, der sich mir jetzt und auch der Mehrheit der Gesellschaft heute nicht erschließt, den aber zu hüten vielleicht die Kirche beauftragt ist“, klingt das im Wortlaut sanft, in der Sache aber hart wie bei den wenig zimperlichen „Rechtgläubigen“ des konservativen Kirchenlagers.

Ganz besonders stößt Schönborn aber auf, „dass man so schnell vom Missbrauchsthema zu Kirchenverfassungsfragen übergeht“. Er empfinde das als „Instrumentalisierung des Missbrauchs“ – und er verweist darauf, dass man in Österreich etwa 2010 mit der Einrichtung der Unabhängigen Opferschutzanwaltschaft unter Waltraud Klasnic und der Einrichtung einer eigenen Stiftung Opferschutz rasch reagiert habe: „Dieser Weg war eindeutig opfer­orientiert.“ Der Kardinal unterstellt den deutschen Bemühungen dann genau nicht, dieser Stoßrichtung zu folgen. Und er denunziert den Synodalen Weg in Deutschland als Versuch, hinter dem Missbrauchsthema eine kirchenzerstörerische Reformagenda zu verstecken.

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