#Pius XII.

Pius XII.

Religion

Schweigen verstehbar

1945 1960 1980 2000 2020

Kurt Schubert über Rolf Hochhuth und Pius XII.

1945 1960 1980 2000 2020

Kurt Schubert über Rolf Hochhuth und Pius XII.

Ich stimme mit Hochhuth gar nicht überein, wenn er meint, daß eine deutliche und öffentliche Aussage von Pius XII. etwas geholfen hätte. Hochhuth stellt nicht in Abrede, daß Pius XII. "einige Hundert Juden gerettet" hatte, er stößt sich nur an dem Wort "Hunderttausende".

Ostern 1947 war ich als Vertreter der Katholischen Hochschuljugend (KHJ) in Rom - zum Zweck der Aufnahme der KHJ in die Pax Romana. Dabei besucht ich auch Prof. Eugenio Zolli, den ehemaligen Oberrabbiner von Rom, der sich taufen ließ. Ich fragte ihn natürlich nach seiner Motivation. Er sprach dabei auch von den vielen Juden, zu denen auch er und seine Familie gehörten, die hinter den Mauern des Vatikans gerettet wurden. Er war davon so sehr beeindruckt, daß er sich von Pius XII. taufen ließ und dessen Vornamen Eugenio annahm. Allerdings nannte er keine Zahlen der geretteten Juden.

Ich meinte nur, daß hinter den Mauern des Vatikans nicht all zu viele Juden Platz gehabt hätten. Darauf sagte er nur, auch sonst in Italien wurden durch die Kirche viele Juden gerettet. Dabei kann er besonders auf Assisi angespielt haben, wo zahlreiche Juden in christlichen Klöstern "versickert" sind. Diesem Thema war auch ein Film gewidmet, den ich vor etwa 10, 15 Jahren sah.

Offen ist die Frage, ob und inwieweit Pius XII. und der Vatikan dazu beigetragen haben, daß ein Großteil der Budapester Juden nicht wie die meisten übrigen ungarischen Juden in Vernichtungslager oder zur Zwangsarbeit geschickt wurde. Möglicherweise sind auch die Verhandlungen von Kastner und Brand mit der SS dafür verantwortlich. Sicher ist aber, daß Miklos Horthy bis Frühjahr 1944 in seinen von Hitler immer wieder geforderten antijüdischen Maßnahmen extrem moderat war. In Ungarn wurden bis dahin auch Juden aufgenommen, die über die slowakische Grenze dorthin geflüchtet sind.

Von Natan Schwalb erfuhr ich, daß auf seine Initiative hin die apostolische Nuntiatur in Bern bei dem Priester und Präsidenten der Slowakei, Jozef Tiso, vorstellig wurde. Natan Schwalb gehörte während des Zweiten Weltkriegs der Außenstelle der Jewish Agency in Genf an, deren vordringliche Aufgabe die Rettung der Juden war.

Überhaupt stimme ich mit Hochhuth gar nicht überein, wenn er meint, daß eine deutliche und öffentliche Aussage von Pius XII. etwas geholfen hätte. Ganz das Gegenteil wäre eingetreten. Es wäre zu einer weiterreichenden Fülle von antikirchlichen Maßnahmen gekommen. Sehr wahrscheinlich wäre auch ich selbst davon betroffen gewesen, da ich in der Katholischen Studentenseelsorge wegen meines deutlichen projüdischen Engagements den Spitznamen "Moses" führte. Pius XII. wäre selbst sicher nicht zum Märtyrer geworden, aber zahlreiche Katholiken wären es geworden, wenn er nicht geschwiegen hätte.

Ich stimme mit Hochhuth gar nicht überein, wenn er meint, daß eine deutliche und öffentliche Aussage von Pius XII. etwas geholfen hätte. Hochhuth stellt nicht in Abrede, daß Pius XII. "einige Hundert Juden gerettet" hatte, er stößt sich nur an dem Wort "Hunderttausende".

Ostern 1947 war ich als Vertreter der Katholischen Hochschuljugend (KHJ) in Rom - zum Zweck der Aufnahme der KHJ in die Pax Romana. Dabei besucht ich auch Prof. Eugenio Zolli, den ehemaligen Oberrabbiner von Rom, der sich taufen ließ. Ich fragte ihn natürlich nach seiner Motivation. Er sprach dabei auch von den vielen Juden, zu denen auch er und seine Familie gehörten, die hinter den Mauern des Vatikans gerettet wurden. Er war davon so sehr beeindruckt, daß er sich von Pius XII. taufen ließ und dessen Vornamen Eugenio annahm. Allerdings nannte er keine Zahlen der geretteten Juden.

Ich meinte nur, daß hinter den Mauern des Vatikans nicht all zu viele Juden Platz gehabt hätten. Darauf sagte er nur, auch sonst in Italien wurden durch die Kirche viele Juden gerettet. Dabei kann er besonders auf Assisi angespielt haben, wo zahlreiche Juden in christlichen Klöstern "versickert" sind. Diesem Thema war auch ein Film gewidmet, den ich vor etwa 10, 15 Jahren sah.

Offen ist die Frage, ob und inwieweit Pius XII. und der Vatikan dazu beigetragen haben, daß ein Großteil der Budapester Juden nicht wie die meisten übrigen ungarischen Juden in Vernichtungslager oder zur Zwangsarbeit geschickt wurde. Möglicherweise sind auch die Verhandlungen von Kastner und Brand mit der SS dafür verantwortlich. Sicher ist aber, daß Miklos Horthy bis Frühjahr 1944 in seinen von Hitler immer wieder geforderten antijüdischen Maßnahmen extrem moderat war. In Ungarn wurden bis dahin auch Juden aufgenommen, die über die slowakische Grenze dorthin geflüchtet sind.

Von Natan Schwalb erfuhr ich, daß auf seine Initiative hin die apostolische Nuntiatur in Bern bei dem Priester und Präsidenten der Slowakei, Jozef Tiso, vorstellig wurde. Natan Schwalb gehörte während des Zweiten Weltkriegs der Außenstelle der Jewish Agency in Genf an, deren vordringliche Aufgabe die Rettung der Juden war.

Überhaupt stimme ich mit Hochhuth gar nicht überein, wenn er meint, daß eine deutliche und öffentliche Aussage von Pius XII. etwas geholfen hätte. Ganz das Gegenteil wäre eingetreten. Es wäre zu einer weiterreichenden Fülle von antikirchlichen Maßnahmen gekommen. Sehr wahrscheinlich wäre auch ich selbst davon betroffen gewesen, da ich in der Katholischen Studentenseelsorge wegen meines deutlichen projüdischen Engagements den Spitznamen "Moses" führte. Pius XII. wäre selbst sicher nicht zum Märtyrer geworden, aber zahlreiche Katholiken wären es geworden, wenn er nicht geschwiegen hätte.